Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1867)
- Date
- 1867-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447321--05325-2460826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
510 Tags darauf der Ultraneologe, dessen Rede so sehr gepriesen wird: „Das neuerbaute Haus zu fleißigen Gebetsversammlungen zu benützen, wie ja das gestern so eindringlich euch ist vorgeführt worden." Mit vollem Rechte drückt sich Ihr Correspondent aus: „sein Antipode". Herr Dr. S. eifert in seiner Weiherede gegen einzuführende Neuerungen in religiösen Dingen: sein College aber preiset Tags darauf „die süßen Töne der deutschen Muttersprache im Gebete und der Orgel ernsten, fast wehmüthig seufzenden Ton, der sich in das Gebet mischt, der so mächtig die Herzen bewegt und den zerstreuenden Gedanken der Außenwelt sie entrückend auf den Flügeln der Andacht zum Himmel emporträgt". Welchem von beiden Rednern jauchzet das Publikum stürmischen Beifall zu? lP PD Ü TJP iPpOl In der Rede des Ultraneologen werden zwar „die Hoffnungen künftiger Wiederherstellung des Tempels und seines Dienstes" nicht negirt; ob er jedoch m:>Pn numpn hpj/d nicht in das Gebiet des „veralteten, abgelebten, tobten, blos äußern Formelwesens" verweist? Wir wissen wohl, was diese abgedroschenen Phrasen ausdrücken wollen. Auch in unserer Provinz find, wenn auch leider keine große Anzahl, doch Manche, welche treue Anhänger der väterlichen Religion sind, und mit diesen will man es nicht verderben. Daher ist auch, was wir aus Erfahrung wissen, die Tendenz eines Vortrages nicht in allen Gemeinden eine und dieselbe. Der muthvolle Herr Dr. S. aber beherzigt in allen seinen Gemeinden: d.tjsö nnn br-t. nNDDTID '2X Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 15. Juli. Seit dem 1. Januar erscheint in Warschau eine Wochenschrift im jüdischpolnisch-deutschen Dialect unter dem Titel „Warschauer Jüdische Zeitung", die es sich zur Aufgabe macht, die in jenen Gegenden noch vielfach herrschenden Vorurtheile gegen profane Bildung und hebräische Grammatik zu bekämpfen, der Sucht nach allzufrühen Heirathen entgegenzutreten und das Bedürfnis von frischer Luft und Reinlichkeit klar zu legen. Eine jede Nummer enthält: 1) Verordnungen von der Regierung, 2) eine politische Uebersicht, 3) jüdische Neuigkeiten und 4) ein Feuilleton, das Schilderungen des polnisch-jüdischen Lebens, Gedichte, Anecdoten und Räthsel, Alles im jüdisch-polnisch-deutschen Dialect. gibt. Um unfern Lesern einen Begriff von dieser eigenthümlichen Wochenschrift zu geben, wollen wir eine Anecdote aus der jüngsten Nummer vom 11. Juli d. I. hierhersetzen: „Anegdote. Ein Baal Habajrß (Hausherr) hot gesagt zum Meschoreß (Diener), er sol ihm ausputzen ein Por Schtiwel, er hot asau getuhen, ober wie erbreingtdie Schtiwel, sogt der Baal Habajiß, wos host du getuhen? sie sennen doch beide vun rechten Fuß? Ihr sennt taki (wirklich) gerecht, entfert (antwortet) der Meschoreß, mir ist mehr Chidusch (auffallend), es schteien noch 2 Schtiwel, un beide sennen wider vun linken Fuß i" Uns ist aber etwas noch auffallender! nämlich, daß die löbliche „Warschauer Indische Zeitung" sämmtliche „jüdische Neuigkeiten" aus dem „Israelit" abschreibt, indem sie dieselben in ihren Jargon überträgt, und nicht ein einziges Mal die Quelle angibt, während sie bei den politischen Nachrichten gewiffenhaft die Namen der politischen Zeitungen nennt, denen sie ihre Mittheilungen entlehnt. Das in Hamburg erschienene Unterhaltungsblatt „die Laubhütte" hat nach einer kurzen Existenz von circa % Jahren zu leben aufgehört. Wiewohl das Blatt reichlich für die Unterhaltung seiner Leser sorgte, indem es mannigfaltigen und meistens recht angenehm zu lesenden Stoff brachte, so konnte es doch keinen Boden gewinnen, weil es zu allen Parteien halten wollte, manchmal in einer Nummer auf der einen Seite streng-orthodox und schon auf der andern ultra-nihilistisch war, und es so mit allen Parteien gründlich verdarb. Unsere geehrten Leser werden sich erinnern, daß in diesen Blättern der genannten Zeitschrift ihr Schicksal ob ihres Mangels an Entschiedenheit vorausgesagt worden ist. — Worms, den 24. Juni. Die Rabbinatsstelle der hiesigen Gemeinde wurde in heutiger Generalversammlung dem Dr. Alexander Stein von Grombach, badischen Amts Sinsheim, übertragen, nachdem der Candidat, der seine Studien erst unlängst im thöol. Seminar zu Breslau absolvirt und die Examina in seinem Heimathlande sehr gut bestanden hat, vor etlichen Wochen hier eine Probepredigt abgehalten hatte. Seine frühere Studienzeit verbrachte er in Heilbronn, wo noch jetzt seine Familie wohnt, und in Carlsruhe, wo er bei seinen Lehrern noch in rühmlichem Andenken steht. — Würzburg. In Bad Oynhausen schätzt sich ein Kurgast glücklich, Ihre geschätzte Zeitschrift kennen gelernt zu haben, und gibt sein besonderes Interesse für dieselbe dadurch kund, daß er ein Faktum mittheilt, welches einen glänzenden Sieg der Gewissensfreiheit constatirt. Hierauf folgt die Mittheilung, daß ein dortiger protestantischer Postsecretär zum Judenthum trotz viel-