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Der Israelit · 1867-07-24 · Heft 30 (24.7.1867) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 30 (24.7.1867)
Date
1867-07-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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509 Rückschritt tun sich werfen, ohne von dem einen oder dem andern Berständniß oder richtige Begriffe zu haben. Endlich sind es Solche, die sich schon längst von allen Satzungen der Religion evwncipirt, die gar nichts mehr glauben vnd den Rest auch noch gerne über Bord werfen möchten, welche, sofern der Rabbiner ihrem System nicht huldigt, nicht einreißt, nicht zerstört, vielmehr seine Aufgabe darin findet, zu conserviren, zu befestigen, ihn fanatisch verketzern, sein Wirken zu verunglimpfen und zu erschweren suchen, eS Orthodoxie nennen, wenn der Geistliche auf der Kanzel von Religion spricht, es Rückschritt heißen, wenn derselbe neben allgemeinen moralischen Wahrheiten auch einmal den Sinn und die Bedeutung specieller Religionsgesetze zu erklären sucht. Ich glaube, Ihn r. in Vorstehendem das, was Sie wissen wollten, soviel es mir bekannt und soviel es meine Befähigung für derartige Miltheilungen zuläßt, gesagt zu haben und darf ich sicherlich annehmen, daß Sie mit mir der Ansicht sein werden, daß, sowohl zu unsrer wie zu eines jeden Beffergesinnten Beruhigung, derartige den Sümpfen der Unwissenheit oder Bosheit entsteigende Verunglimpfungen dem Wirken, dem Einflüsse und dem Muthe unsres Rabbinen nichts werden anhaben können, da sein Bestreben ein ehrliches, sein Zweck ein edler ist. Ich glaube sogar Voraussagen zu dürfen, daß Viele seiner jetzigen Gegner in nicht langer Zeit durch das offene, ungehcuchelte Bekennen seiner Grundsätze überwunden zu ihm zurückkehren werden, daß Viele zu der Einsicht kommen werden, der Rabbiner müffe ein Damm sein gegen die immer mehr und mehr herandrängenden, jeden religiösen Sinn hinwegspülenden Wogen des materiellen und Genußlebens, der Rabbiner müsse in einer Zeit, wo in unfern Schulen von der ganzen Religion kaum noch die Eigenschaften Gottes und die Zehngebote gelehrt werden, es sich zur Aufgabe machen, jüdisches Wisien im Allgemeinen und Kenntniß der Religion insbesondere unablässig zu lehren und zu predigen. Leben Sie wohl und seien Sie herzlichst gegrüßt von Ihrem .. H. Aus dem Rabbinatsbezirke Frankenthal. Bezugnehmend auf den dießbezüglichen Artikel in Nr. 26 dieses gesch. Bl. will ich Ihrem Leserkreise darthun, wie die Neologie, welche doch nur sich allein alle Humanität vindicirt, es darauf anlegt, das Verdienst eines sehr intelligenten und das Gute anstrebenden Mannes, der nicht zu ihrer Fahne schwört, in den Staub hinabzuziehen. Dieß ist genau ersichtlich aus drei Nummern der in Neustadt a. H. erscheinenden Neustädter Zeitung. In Nr. 131 jenes Blattes ereifert sich ein Gegner des Herrn vr. Ealvendi außerordentlich gegen einen Corretpondenten des Dürkheimer Anzeigers ob seiner Behauptung, daß der Gegner jedenfalls im Wissen weit unter Herrn vr. S. stehe und sich nicht anmaßen sollte, gegen ihn auszutreten. In seiner Exaltation ruft er aus: „Was, fragen wir, weiß der Herr Verfaffer von unfern Wissen? Rein gar nichts." Wenn er nun denn mit so vielem Wisien begabt ist, so sollte ihm die bekannte Lehre nicht fremd sein: 1O1PV nK -DDD wn *6« n330 D")N Er rügt aber von Herrn vr. Ealvendi: „Er ist in Ungarn geboren und erzogen und aus einer der unbedeutendsten Judengemeinden zu uns an den Rhein gekommen." Er sagt zwar selbst, daß hierin durchaus nichts Nachtheiliges liege, und dennoch wird es als Vorwurf hmgestellt. UebrigenS ist sein Antipode, der Ultraneologe, wie Ihr Corrcspondent ihn nennt, auch Nicht in der größten Stadr geboren und sein früherer Wohnort zählt nicht zu den berühmtesten Städten. Nach unserer geringen geographischen Kenntniß dürsten Winnweiler und Hoppftetten unbedeutender sein, als Neustadt a. W. und Bereut. Ferner sagt der Gegner: „Herr vr. S. ist der literarischen Welt bis auf diesen Tag — Predigten zählen nicht — eine unbekannte Größe." Wir sind jedoch der Meinung, daß ein Mann, der auch nicht ein einziges wissenschaftliches Werk der Oeffentttchkeit übergeben hat, dennoch ein großer Gelehrter sein kann. Ueberdieß ist uns nicht bekannt, mit welchen werthvollen Schätzen sein Antipode, der bis in die Wolken erhoben wird, die Literatur bereicherte, außer seinen Predigten — „Predigten zählen nicht" — und seinem Confirmanden - Unterrichts - Leitfaden. In Nr. 129 der „Neust. Ztg." heißt es: „Welche Spuren von Begeisterung die Antrittsrede des Herrn Bezirksrabbiners dahier zurücklassen konnte, möge daraus entnommen werden, daß in derselben der Gedanke ausgesprochen wurde, nicht die Gemeinde hat mich gewählt, sondern von Gott bin ich gewählt, und ferner sagte er, der Sabbat ist so heilig, daß er mehr zu ehren ist, als Kinder ihre Eltern zu ehren haben." Wir vermögen es nicht einzusehen, inwiefern diese beiden Gedanken als Zielscheibe des Spottes dienen sollen. Ersterer ist durch rvois nmvn begründet, tt'vw z/n und der zweite in der Lehre:?DN lüb iiD'in row nnn om aa naa wr maaa niB»n ’ninatp nw Dergleichen Lehren aber will man durchaus deSavouiren. In Nr. 1t9 der „Neust. Ztg." tadelt man Herrn vr. S. sehr darüber, daß er in der Weiherede die Pflicht betonte, die ganze Gemeinde soll nicht bloS allsabbatlich, sondern täglich den öffentlichen Gottesdienst in der Synagoge besuchen. Und doch ermahnt

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