Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1867)
- Date
- 1867-07-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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502 V* Brief lautet: uro.*) Heute, den ersten des Monats Schewat 5627. Den Wohlgeborenen Herren 2c. Nach unserem Friedensgruß und Kuß von den verlorenen Brüdern in Persien, möge ihnen unser Elend stets eingedenk sein, wie wir der Spott unserer Nachbarn, der Hohn und die Schmach unserer Umgebung geworden, was wir Ew. Wohlgeboren bereits früher geschilvert haben. So haben wir unlängst gehört, daß der König befohlen habe, man solle ihnen (den Juden von Balforutsch) für die Beschädigung ihres Eigenthums 18,000 Thuman verabreichen, -sie sagen jedoch, der Gouverneur der Stadt habe dieses Geld für sich behalten, da ihnen kein Pfennig ausgezahlt wird und der Gouverneur nach Belieben schaltet und waltet. Zwei jüdische Männer aus Balforutsch haben sich hierher geflüchtet, um dem Könige in einer Bittschrift ihre elende Lage vorzustellen, sie werden jedoch stets von den Fürsten in der Residenz zurückgewiesen, so daß der König gar nichts von ihnen erfährt. Die Israeliten zu Balforutsch sind wieder vollständig zur wahren Religion zurückgekehrt und sind vollständig wieder Israeliten. Sie besitzen weder Häuser noch Meubles, weder Geld noch Geldeswerth, keine Synagoge und keine Bücher. Nur ein Schochet, A. M. Binjamin, ein braver und frommer Mann, versieht seine Stelle, und sie verrichten ihre Gebete auswendig. Es mangelt ihnen an Speise und Trank, an Kleidung und Obdach. Sie haben uns ein Schreiben in persischer Sprache überschickt, das Euch Herr Baruch übersetzen wird; aus demselben werdet Ihr Alles erfahren, wie ihnen der Gouverneur erwiedert hat, Gott wöge ihnen vielleicht ein Wunder thun und wie die Konsuln schweigen, ob aus Furcht oder aus andern Ursachen, das wissen wir nicht. Wir schließen mit den Gebeten für Euer und Eurer Familien ewiges Wohl rc. Folgendes Schreiben haben die Männer Balforutsch's an den Rabbiner Babag zu Teheran in persischer Sprache gerichtet: Bittend kommen die Männer Masanderans (Name der Provinz) vor die Würde der Gemeinde Teherans, und vor Seine Ehrwürden den Babag und den Arzt A. Meschiah, die Gott segnen wolle, daß sie sich ihrer Brüder annehmen. Gelobt sei Gott, daß wir das halbe Leben noch erhalten haben. Es sei Euch kund, das wir das Schreiben, das Ihr an unsere Gemeinde geschickt habt, er¬ *) Dieses Wort hat so keinen Sinn. Durch einen armen Glaubensgenossen, Rabbi Abadjah Nissim aus Caleutta in Indien, dm ich um die Bedeutung dieses Wortes fragte, als ich es in einem Brief, den er in meiner Gegenwart schrieb, sah. erfuhr ich, daß es Wtä heißen muß, eine Abbreviatur ist und für uw steht und also wie unser gebraucht wird. Dieselbe wird in Mittelasien stets angewendet. Aehnlich verhält es sich mit dem das stets abgekürzt ist für 371°, , vmiw p-5» oibe, womit gewöhnlich das eigentliche Schreiben selbst beginnt. Häufiger steht jedoch an der Stelle des 7 ein 7, was alsdann mn gelesen werden muß. Grünebaum. halten haben, womit wir uns sehr freuten. Wir vertrauen auf Seinen heiligen Namen, daß bald Ihr und wir sich freuen werden mit der Ankunft des Messias, Davids Sohn. Amen. w’'-)nna. Ihr habt uns geschrieben, daß die Männer zu Bagdad, Paris und London geschrieben haben, wir sollten ihnen unsere Bitte Vorbringen, damit sie uns helfen können. Wir folgen Eurer Aufforderung. Fünfhundert Jahre sind es fast, daß wir in dieser Gegend in der Stadt Balforutsch wohnen. Wir ernährten uns durch Handel, und in unseren Synagogen beteten wir. Eine jede unserer Synagogen hatte zehn Thorarollen, wir hatten Lehrer für unsere Kinder und wohnten ruhig und sicher. Plötzlich nun fiel diese grausame Nation über uns her. Zuerst beraubten sie uns unseres Vermögens und verbrannten unfern Tempel, 22 Menschen, Greise und Jünglinge, Frauen und Jungfrauen tödteten sie schmählich, und führten uns die übrigen Frauen und Töchter weg. Die Frau wußte nicht um ihren Mann und der Mann nicht um die Frau, bis wir sie nach einigen Tagen wieder einzeln fanden. Nun stehen wir da, hungrig und nackt, besitzen nichts als die Lehre und das Gesetz Moses und die Gnade Gottes. Wisse Bruder Babag. daß es unS unmöglich ist, länger hier wohnen zu bleiben, denn unser Handel ist in den umliegenden Dörfern, wo immer zwei von uns je ein Dorf besuchten und friedlich aus- und eingingen. Jetzt können wir leider die Stadt nicht mehr verlassen, da man uns täglich mehr einschüchtert und droht, uns sämmtlich umzubringen. Durch den Willen Gottes fürchten sie sich noch vor dem König, sonst wären wir schon längst Alle getödtel. Ihr habt geschrieben, daß man in Paris unsere Bitte hören möge. Dieses ist sie nun, daß man uns friedlich aus dieser Stadt bringe und uns irgendwo eine andere Stadt anweise. Glaubt unswir haben nicht einmal die Reisekosten. Wenn sie es nicht unseretwillen thun wollen, so mögen sie es unserer heiligen Väter willen thun. Wie Amrams Sohn Israel aus Aegypten rettete, so möge uns Sir Moses Montefiore aus diesem grausamen Volke retten, dessen Joch wir nicht länger ertragen können. Ihr aber, Männer von Teheran, Ihr kennt unser Leiden und unser Elend, legt auch Ihr ein Schreiben in hebräischer Sprache bei und thut solches den würdigen Männern kund, denn der Heilige g. s. E. hält keinen Lohn irgend eines Geschöpfes sowohl in dieser als in jener Welt zurück. Wisset nun, daß unsere Stadt nur drei Parasangen vom Meere entfernt liegt. Wenn sie also einwilligen, daß wir von dieser Stadt auswandern, so muß es mit dem Willen unseres Herrn, des Königs, geschehen, ohne daß er erzürnt wird, ist unsere Meinung. Wenn Ihr nun auch derselben Ansicht seid, so schreibt ihnen dieses unverzüglich. Sollten sie aber nicht im Stande sein, dieses auszuführen, so sollten sie sich von