Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1867)
- Date
- 1867-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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493 verdient unter den Institutionen dieser Stadt das Hospital, mit welchem ein Badhaus verbunden ist und in dem im Sommer arme Schiller baden dürfen, besonders hervorgehoben zu werden. Das Unterrichtswesen ist hier nichts weniger als vernachläsfigt. Die Gemeinde hat eine Kleinkinderbewahranstalt und zwei andere Schulen für arme Mädchen, eine Religionsschule, in der auch die jüdische Literatur unterrichtet wird, und eine Arbeiterschule. Um die Liebe zur Arbeit bei den Mädchen zu erregen, sind von dem verstorbenen Abraham Forti Legate vorhanden, von denen jährlich eine bestimmte Summe unter diejenigen Mädchen vertheilt wird, welche Intelligenz und Thätigkeit mit tadellosem Betrogen vereinen. Außerdem besitzt diese Gemeinde zwei fromme Vereine, von denen der eine die Inländer mit Betten versorgt (niB’D nup1? man O"^), und der andere den Armen bei der Geburt eines männlichen Kindes einen Gevatter verschafft (D'^1 Pdu man). Die größte Anerkennung gebührt jedoch der großen Wohlthätigkeits - Gesellschaft man DHDn mb'oa. Ich will nicht von ihrer Organisation, die vortrefflich ist, sprechen; es gibt kein Elend, das sie nicht zu erleichtern sucht, kein frommes Werk, das sie nicht erfüllt; sie verschafft sogar Kindern, deren Mütter nicht im Stande sind, sie zu säugen, Nahrung. In Padua, einer kleinen Gemeinde von 600 Seelen, welcher vom verstorbenen Jakob Castel Franko ein Kapital von 65000 Fr. vermacht wurde, hat man Freischulen für arme Mädchen ins Leben gerufen. Da die Zinsen dieser Summe nicht ausreichten, um den Bedürfniffen der Institute zu genügen, haben die Frauen der Gemeinde freiwillig so viel unter sich gesammelt, daß nunmehr ein Kapital von 100000 Fr. beisammen ist. Diesen Instituten reiht sich ein anderes unter dem Namen „ Oommissaria Trieste" an, welches jährlich eine Summe von 2200 Fr. vertheilt, die Hälfte zur Berheirathnng von Mädchen und die andere Hälfte zur Unterstützung junger Arbeiter, indem es denselben die Mittel verschafft, die Utensilien für ihre Profession zu kaufen oder einen Laden zu eröffnen. Außerdem hat diese Gemeinde in ihr jährliches Budget die Summe von 2000 Fr. ausgenommen, um junge Leute, die fich den Künsten oder den Handwerken widmen, zu unterstützen, und eine Gesellschaft frommer Männer versieht eine beträchtliche Anzahl armer Kinder und Greise mit Kleidern und gibt im Winter armen Familien das nöthige Holz. Aber wo man wahres Elend sehen kann, das ist zu Venedig, woselbst 2200 Israeliten wohnen. Die Noth war früher noch viel schrecklicher als jetzt. Man bemerkte hier bei den Armen mehr als anderswo eine große Nachlässigkeit, entsetzliche Faulheit und gräßliche Unwiffenhenheit gepaart mit unnennbarer Frechheit. Hier handelte es sich nicht blos zu helfen — man warf schon sehr viel Geld für unfruchtbare Hilfe weg — man mußte die Kinder gleichsam ihren Eltern wegraubcn, um sie auf beffere Wege zu führen. Und um in diesem Versuche zu reüfsireu, bedurfte eS den Elter« gegenüber vieler List und vieler Geldbelohnuugen, damit sie ihren Kindern erlauben, die Wohlthaten des Unterrichts zu empfangen. Welche Hindernisse, welche Kämpfe waren da nicht zu überwinden? Und dennoch hat man sie überwältigt. Im Budget wurde für das Unterrichtswesen eine jährliche Summe von 30,000 Fr. festgesetzt; dann vermachten die Brüder Trkves - des - Bonfils der Gemeinde ein Kapital von 218,000 Fr. und der verstorbene Joseph Ventuara 140,000 Fr. Mit den Zinsen dieser Summen versehen, schritt man muthig zum Werk. Man hat Schulen für arme Kinder beider Geschlechter errichtet, und um die Eltern anzuregen, ihre Kinder in dieselben zu schicken, hat man für die sich auszeichnenden Schüler monatliche Belohnungen und Preise in Geld zu verschiedenen Zeiten des Jahres bestimmt. Mit diesen Mitteln zog man bald eine große Anzahl Kinder in die Schulen und interessirte ihre Eltern, sie unterrichten zu lassen. Nachdem ein solches Resultat erreicht war, mußte man auch daran denken, diesen Schülern eine» Stand zu geben, und man sorgte auch für dieses Bedürfviß. Nachdem sie die jüdischen Schulen absolvirt haben, werden die Mädchen in die pädagogische Schule, andere wieder in Nähschulen geschickt, damit sie die Obliegenheiten eines Stubenmädchens kennen lernen und manche sogar als Bonnen bei reichen Familien eintreten können, während die Knaben für die Kunst und das Handwerk und einige unter ihnen für die jüdische Literatur und Wissenschaft herangebildet werden. Aber auch das war noch nicht hinreichend, um das Uebel zu beseitigen. Es geschah manchmal, daß Schüler dieser Schulen, nachdem sie schon eine Kunst oder ein Handwerk erlernt hatten, gezwungen waren, Andern dienstbar zu sein und zu bleiben ans Mangel an Mitteln zur Eröffnung eines eigenen Geschäftes. Und nun sah man wie im Zauber die „philotechnische Gesellschaft" entstehen, welche bestrebt ist, jungen Leuten, die sich in besagter Lage befinden, Darleihen, die in langen Fristen rückzahlbar sind, zu geben, um die Eröffnung von eignen EtabliffementS zu ermöglichen. Unsere Glaubensgenossen in den lombardisch - venetianischen Provinzen find nicht blos lobcnswerth durch ihre vielen Werke echter Liebe, sondern sie find es auch für ihre hübschen Synagogen, ihre Ordnung und Wohlanständigkeit, welche sie iu ihrem Gottesdienste haben. Sie halfen auch die Rabbinerschule