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Der Israelit · 1867-07-17 · Heft 29 (17.7.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 29 (17.7.1867)
Date
1867-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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492 die zahlreichen Uebelstände zu beseitigen, welche sich im Laufe der Jahrhunderte, in denen unsere Glaubensgenossen fast sämmtlicher politischer Rechte beraubt waren, emgeschlichen haben. Vor allen andern Städten ist Livorno besonders hervorzuheben. Seine Erziehungs - Institute und Wohlthätigkeits-Vereine können ganz Israel als Beispiel dienen. Dieselben find in der ganzen Welt bekannt. Me Fremde, die Gelegenheit gehabt, diese Institute zu besuchen, haben ihr Erstaunen ausgedrückt, daß eine Gemeinde, die nur 5000 Mitglieder zählt, Aehnliches auszuführen im Stande war. Zu den frommen Schulen, die schon oft von berühmten Schriftstellern mit großem Lob ausgezeichnet wurden, hat man noch daselbst das Rabbinerseminar hinzugefügt. Der Stand des Rabbiners fand in Italien so wenig Neigung, daß man nothwendigerweise daran denken mußte, eine solche Anstalt in's Leben zu rufen, um die jungen Gelehrten anzuziehen. Herr Ange Bälimdau hatte er in den letzten Tagen seines thateureichen Lebens unternommen, diesem Uebelstände zu steuern. Er vermachte in seinem Testamente ein Kapital, welches jährlich 2000 Fr. Zinsen trägt, von denen 1500 Fr. dazu verwendet werden müssen, Studirenden, die sich durch ihre Talente und Sitten am würdigsten zeigen, später die Heerde des Herrn zu leiten und zu führen, entsprechende Preise zu geben. Der Rest (500 Fr.) soll jedes Jahr zur Unterstützung eines von einem Studenten dieses Seminars verfaßten religiösen oder moralischen Werkes, in welchem die großen Wahrheiten dargeftellt, religiöses Gefühl erweckt, der Glaube vertheidigt wird, oder das sonst einen ähnlichen Zweck verfolgt — verwendet werden. Wenn es auch nicht jeder Gemeinde möglich ist, mit dieser ausgezeichneten Stadt zu rrvalisiren, fo hat man doch in andern Städten der Halbinsel nicht unterlassen, religiöse Erziehungsanstalten zu gründen, wenn freilich minder glänzend als die zu Livorno, doch nicht weniger nützlich. In Turin ist von den Herren Colonna und Finzi em isr. College, welches den Namen der Gründer trägt, errichtet worden. Dieses CoÜöge, dem ein Fond von 100,000 Fr. zu Gebote steht, hat sich zum Ziel gesteckt, den Armen religiösen und literarischen Unterricht zu ertheilen, sie mit den zum Studium nöthigen Büchern zu versehen und den Bedürftigen auch Kleider zu geben. Diesem Beispiel folgte Herr Levi in Aqui, welcher für ein ähnliches frommes Werk ein Kapital von 60,000 Fr. hinterließ. Ein solches Institut existirt auch in Bercelli, das der Güte des verstorbenen Herrn Foa und seiner Frau Colombe Olivetti aus Jvrea verdankt wird. Diese edlen Eheleute übermachten der Gemeinde Vercelli ein Kapital von 260,000 Fr. unter der Bedingung, daß die Zinsen desselben für den Unterricht der Armen in der Gemeinde und besonders auch derjenige» Armen, welche mit den Gründern des Instituts verwandt sind, au» welchen Ländern sie auch sein mögen, benützt werden. Damit die Entfernung verwandter Armen von Bercelli für diese kein Hinderniß sei, hat dieses Ehepaar bestimmt, daß die Verwandten, die wirklich arm sind, eine jährliche Pension von 250 Fr. erhalten sollen und zwar so lange, als dieselben des Unterrichts bedürfen. Wenn man bedenkt, daß diese Etablissements den armen Israeliten zu einer Zeit eröffnet wurden, als dieselben noch unter dem Joche der Unterdrückung seufzten, welche ihnen beinahe das natürliche Recht, ihre Intelligenz zu cultiviren, raubte, so wird man leicht begreifen, daß diese Institute das Mauna des Himmels wurde». Die Anstalten in Turin und Vercelli (die von Aqui ist noch ganz neu) haben sich beide eines bedeutenden Aufschwungs zu erfreuen. In denselben studrrten die meisten Rabbinen des früheren Königreichs Sardinien und viele von ihnen nehmen jetzt die größten Rabbinatsstellen in den andern ital. Provinzen ein. Von Piemont ist auch der Verein „zur Aufmunterung der Künste" in Casale und daS isr. Hospital in Turin lobend zu erwähnen. Wenn auch in Italien sowie überhaupt in allen Ländern der Erde, wo Israeliten wohnen, Wohlthätigkeits--Anstalten errichtet werden, so sind diese nirgendwo in solcher Blüthe und in solcher Menge vorhanden, wie in der Lombardei und in Venetien. In Mantua, woselbst nur 2000 Israeliten wohnen, gründete man mehrere Freischulen und eine Kleinkmderbewahranstalt, zu denen man noch eine Kunst- und Handwerkerschule und das Etablissement Trabotti zählen darf. Dieses Letztere, welches von Herrn Samuel Trabotti mit einem Kapital von 240,000 Fr. gestiftet wurde, hat zum Zweck, jungen Leuten, die talentvoll find, denen es aber durch ihr Elend und ihre Armuth nicht möglich ist, irgend einen Stand zu ergreifen, zu einem Berufe zu verhelfen. Die jährliche» Zinsen müssen zur Verhenathung von 4 der ärmsten und rechtschaffensten. Mädchen der Gemeinde, zur Erziehung von 4 Knaben in den Wissenschaften, Künsten und in der hedr. Literatur verwendet und der Rest als Preise für Arbeiter, die sich durch Sittlichkeit ugd durch Geschicklichkeit in ihrer Arbeit auszeichnen, ausgegeben werden. In Verona sehen wir eine Bevölkerung von 1400 Israeliten erstaunliche Opfer bringen, nicht nur, um die Glaubensgenossen der Stadt,, sondern auch die Soldaten unseres Kultus, welche sich bis vor Kurzem gewöhnlich in großer Zahl in dieser Stadl befanden, in Folge der starken Garnison, welche die österreichische Regierung hier unterhielt — zu unterstützen. So

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