Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1867)
- Date
- 1867-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447319--05294-2460793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
481 „Ihr seid verkauft, Jude!" sagteer, „umtausend Dublonen; ich hätte nicht gedacht, daß Ihr so viel werth seid. Kommt, ich will Euch Euer Geschmeide wieder anlegen. Der närrische, deutsche Fürst, der Euch gekauft hat, hat befohlen, Euch wieder in Ketten zu legen. Wahrscheinlich will er Euch, wie ein wildes Thier für Geld sehen lasten." Zwei Knechte traten ein, die dem unglücklichen Gefangenen die Kelten anlegten und ihn dann in einen Wagen schleppten; in demselben saßen zwei Priester der Inquisition, die auf dem langen Wege nach dem Hafen von Corunna noch einmal ihre Ueberredungskünste anwenden sollten. Prinz Heinrich sprach den Wunsch aus, die Frohnleichnamsfeier in Madrid zu begehen; allein man widerrieth es ihm; selbst der König deutete ihm an, daß um des süßen Madrider Pöbels willen es gerathen sei, vorher die Beute auf hoher See zu misten. Ein solenner Abschied fand statt; der König athmete erleichtert auf, als Prinz Heinrich sich entfernt hatte. Eine Ehrengarde vornehmer Cavaliere geleitete den deutschen Fürsten bis in den Hafen. Hier lag die reichgeschmückte Jacht, die den Prinzen an die Gestade der Nordsee bringen sollte. Auf derselben sollte den Cavalieren noch ein Abschiedsmahl gegeben werden. Prinz Heinrich stand auf dem Verdecke, als die Priester den mit Ketten belasteten Gefangenen aufs Schiff geleiteten. „ Werft ihn in den untersten Schiffsraum!" rief der Prinz seinen Dienern zu. Beim Klangs dieser Stimme erhob Don Jsak das bisher zu Boden gesenkte Auge; auf den Prinzen richtete er seinen schmerzvollen Blick; erschreckt fuhr er zurück; er öffnete den Mund, um zu sprechen, aber die Stimme versagte ihm, und schon ergriffen ihn die Diener und führten ihn in den untern Raum. Prinz Heinrich bewirthete seine Gäste aufs Glänzendste; dann beschenkte er die Priester und die Cavaliere mit kostbaren Ringen und Dosen. Dankbar verließen die Gäste das Schiff. Die Segel wurden gehißt, die Kanonen sandten einen Abschiedsgruß hinüber und herüber, und mit günstigstem Winde fuhr die Jacht gen Norden. Bald war die hohe See erreicht, und die Küste HispanienS entschwand den Blicken. Zu Don Jsak war unterdeß ein Diener hinuntergegangen, und hatte ihm die Ketten abgenommen; ein Bad wurde .hergerichtet, .und Don Jsak ward eingeladen, sich Hessen zu bedienen. Don Jsak wußte nicht, mit ihm geschah. Das war eine Wohlthat, ein Bad zu nehme« nach der furchtbaren Kerkerzeit! Gefällige Diener standen neben chm, den schwachen Mann zu unterstützen; dann brachten andere frische Wäsche und neue Kleider. Kaum hatte sich Don Jsak mit Hilfe der Diener angekleidet, so wurde er in einen andern Raum geführt, wo ein gutbereitetes Mahl seiner harrte. Es war für zwei Personen gedeckt. „Sagt," redete Don Jsak die Diener an, „waS bedeutet das Alles?" „„Wir können Euch keine Auskunft geben,"" antworteten die Diener, „„wenn Ihr aber Euch kräftig genug fühlt, einen alten Freund wiederzusehen... „Ich bitte Euch, führt ihn herein!" Und siehe , die Thüre öffnete sich und hereinlrat Perez, der alte Perez. Mit einem Aufschrei des Entzückens warf sich Don Jsak an seine Brust. „Perez," rief er, „bin ich gerettet?" ,.„Jhr seid gerettet!"" Da erhub Don Jsak seine Stimme und weinte laut; dann warf er sich nieder mit dem Antlitz zur Erde und betete lange und innig zu Gott. „„Erhebt Euch, lieber Herr,"" sprach Perez endlich, ,,„eßt und trinkt, damit Ihr Euch kräftigt und gesund zu Eurem Vater, Eurer Gattin zurückkehrl!"" „O, Gott, wie danke ich Dir! meine Viola, mein Vater, ich soll Euch Wiedersehen! — Aber Perez, erzähle mir doch, wie das Alles gekommen!" „„Nicht eher, bis Ihr gegessen und getrunken und Euch gekrästigt habt."" Und Don Jsak aß und trank. Nachher fing Perez an zu erzählen; er berichtete, daß Prinz Heinrich von Schaumburg ein Abgesandter des Hauses de Pinto sei; er erzählte, was Alles man ausgeboten halte, so weit zu gelangen, und daß selbst der Beichtvater des Königs war gewonnen worden. „„Und nun, lieber Herr,"" fuhr Perez fort, „„jetzt schlaft einmal wieder in weicher Hängematte. Morgen wird Prinz Heinrich Euch seine Aufwartung machen."" „O, laß mich noch heute dem edlen Fürsten meinen heißen Dank abstatten!" „„Der Fürst gestattet es nicht; er fürchtet, die Aufregung möchte Euch schaden."" „Der wackere Mann! Als ich ihn auf dem Verdecke stehen sah, fiel mir der Klang seiner Stimme, der Blick seines Auges auf; ich wollte „Viola!" rufen, als mich die Diener wegführten. Ist Dir diese Aehnlichkeit nicht aufgefallen, Perez?" „„Lieber Herr, legt Euch zur Ruhe, Ihr werdet ja morgen selber sehen!"" Do« Jsak schlief «inen langen und erquickenden Schlaf. Holde Traumbilder umgauketten ihm die schlummernde Seele. Als er erwachte, sah er mit Ent-