Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1867)
- Date
- 1867-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Frankreich. Paris. Der Unlerrichtsminister hat durch Beschluß vom 7. Juni Herrn Hartwig Derenburg zum Attache bei der Bearbeitung des Katalogs der orientalischen Manuskripte in der kaiserlichen Bibliothek ernannt. (Arch. Isr) Paris. Die Pariser „illustrirte, populäre Ausstellung" bringt unter dem Titel „religiöser Handel" einen Artikel, in welchem die Handlungsweise der Missionäre in der Ausstellung als ein Skandal und eine Beschimpfung gegen die Bekenner anderer Religionen bezeichnet wird. Die kaiserliche Commission ist gezwungen, diese Händler von dem Marsfelde auszuweisen. Bordeaux. Folgende Legate verdankt man der Wohlthätigkeit des verstorbenen Alfred L4on dahier: Ein größeres Kapital, dessen jährlichen Zinsen zur Unterstützung inländischer Israeliten verwendet werden sollen, 500 Fr. für die Synagoge zu Bordeaux, 200 Fr. für die isr. Knabenschule, ebensoviel für die isr. Mädchenschule, 100 Fr. für das isr. Asyl, 5000 Fr. dem isr. Constftorium, deren Zinsen unter die isr. Wohlthätigkeitsanftalten veriheilt werden sollen, 4o0 Fr. den isr. Armen zu Bordeaux, je 400 Fr. den katholischen Armen der Kirchen Notro-Vamo und Samt- Nicolas; 400 Fr. den protestantischen Armen zu Bordeaux und 1200 Fr. den vom Wohlthätigkeits- Bureau unterstützten Armen. (Arch. Isr.) England. London. Bor Kurzem starb dahier Herr Moritz Worms aus Ceylon. Er war der jüngste Sohn von Frau Jeanette v. Rothschild, der ältesten Tochter von Meyer-Anselm v. Rothschild, dem Gründer dieser berühmten Familie. Sein Vater Benedikt Worms war Mitglied der Frankfurter Gemeinde und gab seinen Kindern das Beispiel der Frömmigkeit und Arbeit. Moritz reiste nach China, legte mit seinem Bruder Gabriel Kaffeepflanzungen und großartige Pachtgüter in Ceylon an und brachte auf diese Weise den Ackerbau daselbst auf eine hohe Stufe. Als beide Brüder im Jahre 1865 die Insel verließen, traten sie der Ceyloner - Gesellschaft mehr als 2000 Acres cultivirten Boden und 6000 Akres Wald ab. Das Etablissement der Gebr. WormS hatte schon im Jahre 1846 einen Ruf ersten Ranges erlangt, wie aus dem Werke des Schriftstellers Sir James Emerson Tennet, der daffelbe genau beschrieben hat (vol. ii, p. 250), zu ersehen ist. Der Arzt, vr. Hasfineifler, welcher in Gesellschaft des Prinzen Adalbert von Preußen im Jahre 1844 Ceylon besuchte, erweist in seinen Briefen aus Indien, Seite 90, den glücklichen Arbeiten der Gebr. Worms und ihrer herzlichen Gastfreundschaft ebenfalls großes Lob. Die Liste hoher Gäste, die sie die Ehre hatten, bei sich zu empfangen, ist sehr groß. Unter andern erwähnen wir: S. M. Leopold II., den König von Belgien, den Prinzen Adalbert von Prenßen, den Marquis v. Stigo, Lord Grosvenor , Lord Stanley, gegenwärtiger Minister des Aeußern in England, den Grafen Eulenburg, Sir Emmerson Tennet und andere hohe Persönlichkeiten. Wir sind stolz, hinzufügen zu können, daß die Gebr. Worms, trotz ihres ungeheuren Reichthums und ihrer hohen Stellung, niemals die Religion ihre Väter vergaßen; sie waren besonders bei den Fürsten geachtet, weil sie Juden ohne Hehl, Judm mit streng jüdischen Sympathien waren. Dem Verstorbenen war es leider nach seiner Zurückziehung vom Geschäfte nicht lange mehr vergönnt, das Gute, welches er zu jeder Zeit zu vollbringen bestrebt war und noch thun wollte, auszuführen. Seine Anstrengungen, den durch die Rinderpest entstandenen Schaden zu lindern, find in England allgemein bekannt. Die Armen Londons unterstützte er fortwährend durch reichliche Gaben. In seinem Testamente vermachte er den Synagogen in der Great- und Port- Iand-street in London 4000 L. (48000 fl.,) und der West - London - Synagoge 1000 L. (12000 fl ) Zur Erinnerung an ihren verstorbenen Bruder vertheilten seine Brüder Salomon und Gabriel unter den verschiedenen Schulen und WotzWtigkettsanstalten in London 900 L. (10800 fl.;) außerdem schickten sie den Armen in Frankfurt a. M. 350 L. (4200 fl.), denen in Wien 100 L. (1200 fl.), denen in Paris 50 L. (600 fl.) und den Eingebornen in Ceylon 150 L. (1800 fl.) London. Zu unserm großen Bedauern erfahren wir, daß Herr S. O. Sassoon in einem Alter von 35 Jahren gestorben ist. (Jew. Ehr.) Oxford. Die Oxforder Universität hat der Gesellschaft „zur Ersoschung Palästinas" ein Geschenk von 500 L. (6000 fl.) gemacht. (Jew. Chron.) Manchester. Der gelehrte Doctor der Rechte, Herr Simon von hier, ist zum Ergänzungs-Richter ernannt worden. Er hat seine Funktion begonnen, indem er den Gerichtshof in Liverpool eröffnet hat. Diese Ernennung hat nichts Besonderes, was uns in Erstaunen versetzt, zumal in einem Lande, in welchem man dem Talente den Vorzug gibt und in welchem die Confession kein Hinderniß darbietet. Aber merkwürdig ist, daß in derselben Stadt die drei verschiedenen Gerichtshöfe von Repräsentanten der drei Kulten präfidirt werden, der eine von einem Mitglieds der anglikanischen Kirche, der andere von einem Katholiken und der dritte von unserm Glaubensgenoffen Herrn Simon;