Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1867)
- Date
- 1867-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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478 fett genießen darf; alles in dieser Fabrik dem Fabrikate beigegebene Fett ist reines, aus directen Quellen bezogenes Pflanzenfett, so unzweifelhaft -ibq wie Olivenöl und dergl. — und ist besagter Fabrikant Julius Cohn hier jederzeit erbötig, Vertrauensmänner von der Art seiner Manipulation zur vollen Ueberzeugung Einsicht nehmen zu lasten." Die Fabrik befindet sich hier im Hanse des Besitzers selbst und wird stets unter besten persönlicher Aufsicht geleitet. □ Freudenthal, im Juni. Durch letztwillige Verfügung über seinen Nachlaß hat der verstorbene Kaufmann, Hr. Moses Löb Rosenstein in Frankfurt a. M., die hiesige israelitische Gemeinde mit dem ansehnlichen Vermächtniste von 5000 fl. als Stiftung zur Armenunterstützung bedacht. — Bad Oynharrsen, den 29. Juni. Seit einiger Zeit hier zur Kur, schätze ich mich glücklich, durch einen andern hiesigen Kurgast Ihre geschätzte Zeitschrift kennen gelernt zu haben. Welches Interesse dieselbe bei mir erregt, will ich gleich dadurch bethätigen, daß ich Ihnen ein Factum mittheile, das einen glänzenden Sieg der Gewistenssreiheit bekundet. An hiesigem Orte war ein Postsecretär angestellt, der den Entschluß faßte — er war Protestant — zum Judenthume überzutreten. Trotz vielfacher Abmahnungen von christlicher wie von jüdischer Seite, beharrte der junge Mann bei seinem Entschlüsse, fragte aber erst bei der königl. Generalpostdirection in Berlin an, ob sein Uebertritt ihm in seiner Carriore schaden würde; in diesem Falle bitte er um seinen Abschied. Seine Anfrage wurde dem königl. Staatsministerium vorgelegt, und von dieser hohen Stelle erhielt er die Antwort, daß er thun möge, was ihm beliebe, auf seine amtliche Stellung würde die Religion nicht den geringsten Einfluß üben. Der junge Mann ist nun seit einem Jahre Jude, ist von hier nach Marburg versetzt und hat bereits als Jude in Anerkennung seines vorzüglichen Fleißes eine Gehaltszulage erhalten. Wenn wir bedenken, daß vor noch nicht gar langer Zeit der Uebertritt zum Judenthume mit harten Strafen verpönt war, so ist der obenerwähnte Entscheid des Ministeriums zu Berlin von nicht zu unterschätzender Bedeutung in Bezug auf die Anerkennung eines der wichtigsten Principien der menschlichen Gesellschaft — der Gewistenssreiheit. — Neu - Buckow, (Mecklenburg.) Am 16. Mai starb dahier der Israelit Levin Markus im Alter von 116 Jahren. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. (Gemeinderathssitzung.) Ein Referat (vr. Billing) betrifft ein Gesuch um Nachsicht der Zahlung von Zinskreuzern von dem israelitischen Privat- Bethaus, Leopoldstadt, Schiffgasse Nr. 8., deßgleichen um Befreiung von dem Einquartirungsbetrage. Es entspinnt sich eine längere Debatte, in deren Verlauf namentlich die humanitäre Seite der Frage berührt und darauf hingewiesen wird, daß isr. Kultusgenossenschaften ihre Bethäuser und Schulen ohnehin ganz aus eigenen Mitteln und ohne jede von Außen kommende Unterstützung errichten und unterhalten und daß demnach zwar nicht aus juridischen, wohl aber aus Humanitätsgründen jener Genossenschaft die Summe von 67 fl. (so viel beträgt nämlich die Zinskreuzerquote jährlich) nachgesehen werden möge. — Die Versammlung verwirft den Antrag des Referenten und njmmt beinahe einstimmig das Amendement Kopp's an, daß jene Lokalität, so lange sie als Bethaus benützt werde, von der Zahlung der Zinskreuzer befreit werde. B§ien 14. Juni. Der erste Diensteid nach jüd. Ritus ist im Finanzministerium am Dienstag geleistet worden. Der bei der n. ö. Finanzlandesdirektion in Verwendung gestandene Finanzkonzipist Barrach, der von dem Herrn Minister Freiherrn v. Becke zum Ministerialkonzipisten ernannt wurde, hat ihn abgelegt. Peftb. Der Deputation der Pesther israelitischen Gemeinde geruhte Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich zu erwiedern: „Die Anhänglichkeit der Pesther israelitischen Gemeinde ist Mir bekannt. Bleiben Sie auch ferner treu dem Könige, treue Söhne des Landes, und Sie können auch immer auf Meine königliche Huld rechnen." Pesth. Ein Festbericht im „Neuen Wiener Fremdenbl." vom 11. Juni schreibt: Die Judengemeinde der alten Magyarenstadt hatte sich am Krönungstage auf dem Ofener Schloßberge versammelt und unter einem kostbaren Baldachin, der mit allen Porauches (Vorhängen der heiligen Lade) behängen war, die Thora aufgestellt, während der Rabbi bereit stand, den vorübergehenden Monarchen zu segnen. Kesteti. (Ungarn.) Herr Joseph Weltner von hier hat der hiesigen Gemeinde 22000 fl. zum Bau eines Armenhauses, in welchem Juden und Christen Aufnahme finden sollen, geschenkt. fJüd. Ztg.) Arad. Der hiesige Rabbiner und noch 4 andere Juden wurden in den Gemeinderath gewählt. Wir theilen dieses Factum mit umsomehr Befriedigung mit, da, wie bekannt, die Juden in Ungarn noch nicht emancipirt sind.j (Jüd. Ztg.) Italien. Florenz. Noch ein isr. Deputirte wurde i« das ital. Parlament gewählt. Es ist dies Herr David Consiglio, geboren zu Rom, welcher von dem College zu Mercato im ehemaligen Kömgr. Neapel mit dieser Stelle betraut wurde. (Arch. Jör.)