Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1867)
- Date
- 1867-07-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447319--05290-2460789- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
477 der Person und mit dem Besitze ihrer schwächern Mitmenschen nach eigenem Wohlgefallen schalten zu können Ovn p«n '2 «nro ^oo D’ssu onb in-n. Siegt aber Letzteres, gewinnt die Religion über der Sinnlichkeit einen vollständigen Sieg, dann werden die Pforten des Paradieses dem Menschen wieder geöffnet, wo Neid und Eifersucht unbekannt, Stolz und Uebermuth verbannt, jeder ruhig und zufrieden sein Tagewerk vollendet, Liebe mit Freundschaft die Mußestunden erheitern werden. Die Bibel erzählt weiter: Als die Leidenschaften der Menschen erwacht waren und keine Autorität noch vorhanden war, die sie beschränken konnte: da gehörte gesellschaftliches Leben zur Unmöglichkeit; denn schon als die Zahl der Lebenden mehr als ein Paar betrug, übte die Zügellosigkeit schon ihren verderblichen Einfluß auf sie aus, und das gräßlichste Berbrechen befleckte die Erde — sie wurde vom Blute des Brudermordes getränkt. Wenn wir die Bibel nicht als eine bloße Unterhaltungslectüre betrachten wollen, so nniften wir nach dem Ziele forschen, welches Gott vor Augen haben mochte, als er dieses schreckliche Ereigmß der erhabenen Gesetzgebung voranschickte. Bei genauer Prüfung desselben finden wir darin folgende Lehren: Erstens, doß die Idee des Gottesdienstes nicht bloßes Produkt der dem Jrrthume ausgesetzten Spekulation sei, sondern sie ist dem Menschen auch angeboren, sie liegt in seiner Natur, da die ersten Menschen schon, Die nichts weniger als Philosophen waren, das Bedürfniß in sich fühlten, der Gottheit durch ein dargebrachtes Geschenk ihre Ehrfurcht zu bezeigen, und die'er Gedanke ihr Leben derart beschäftigte, daß er einen Brudermord veranlaßte. Ferner werden hier erhabene Lehren über Tugend und Laster überhaupt ansgesprochen, daß Tugend nämlich den Menschen erhöhe, n&w a'on dk; wenn dieselbe in ihm herrschend ist, wird er ein erhabenes Wesen, ein Engel; zufrieden in sich, lebt er seinen Nebenmenschen zum Heil. Lastersinn, hingegen verwickelt ihn immer mehr in Verbrechen; dasselbe ruhet gleichsam an seiner Thüre, pm neeon nns^. Beim Ausgehen aus seinem Hause zur Gesellschaft und beim Kommen in's Haus von der Gesellschaft ist es immer Laster, in das er versinkt, da alle seine Berührungen mit den Nebenmenschen sündhaft sind. Endlich nehmen wir da eine eigenthümliche Erscheinung wahr. Kajin, von dem Dasein Gottes derart überzeugt, daß dessen Ungnade ihn in tiefe Düsterheit versetzte, konnte denndch ein großes Verbrechen begehen. Wir ersehen hieraus, was die Geschichte auch vielfältig bewährt: wie gefährlich der Religionseifer bei der rohen Menschheit ist, wie er da, einem tobenden Elemente gleich. Verderben über die Erde verbreiten und unsägliches Unheil stifte» kann. Kajin hatte nämlich rohe Begriffe von dem Wesen Gottes, ohne dessen Allwissenheit und Allgüte zu erkennen; er wußte es nicht, daß Gott der Rächer alles vergossenen Menschenblutes sei. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Qberbiryern, 23. Juni. Durch das Vorgehen der zartfühlenden Bürger einer freien Schweiz, die im vorigen Jcchre das Schlachten der Tbiere als Thierquälerci erklärten, angeregt, Hut nun vorige Woche ein wohllödlicher Magistrat der Stadt Reichenhall in Oberbayern sich veranlaßt gesehen, dem jüdischen Restaurateur, Herrn Kutz, der, wie alljährlich, auch diesmal während der Saison seine Garküche dort eröffnete, zu verbieten, das nothwendige Fleisch zu seinem Bedarf sich nach jüdischem Rituell zu verschaffen, aus reiner Menschenquälerei das Schlachten als Thierquälerei erklärend. Daß dieses Verbot nicht dem bloßen Zartgefühl entsprungen ist, kann sich der Leser leicht denken und überlasse ich es einem Jeden, sich den Grund davon hinzuzudenken. Hoffen wir, daß unsere Regierung, die von solcher Intoleranz G. s. D. weit entfernt ist, diesem hochweisen Rath einige gute Rathschläge zu ertheilen nicht für unnöthig halten wird. Fürth in Bayern. Anknüpfend an zwei Correspondenzartikel, „aus Heilbronn" und „vom Neckar", in Nr. 24, Hguptblatt und Beilage dieser Zeitung, worin vor dem Genuß von nicht unter Aussicht eines Israeliten fabricirten Cichorien-Kaffee als nsno gewarnt wird, weil man sich überzeugt hat, daß zur Bereitung dieses Surrogats als Beisatz flüssiges Schweineschmalz benützt wird — bin ich veranlaßt worden, auf Ersuchen des hiesigen jüdischen Cichorien-Fabrikanten Julius Cohn (Besitzer Feistmann) in dessen Namen und Auftrag zu erklären: „wie es allerdings seine volle Begründung hat, daß zur Fabrication von Cichorie Fettstoffe, und zwar in neuerer Zeit noch viel häufiger als früher, in Anwendung kommen, und da Schweinefett das billigste Material dazu bietet, so wird ohne Zweifel solcheauch in ©wie» Fabriken dazu gebraucht; —- dem entgegen aber gibt die hiesige Fabrik Julius Cohn auf nupttj die Versicherung, daß noch niemals, weder jetzt noch früher, irgend eine nsnü - Substanz in ihrem Etablissement zur Verarbeitung gekommen. — „Alle Cichorie, auch die allgemein an die christlich» Kundschaft verkaufte, wird so bereitet, daß selbst der strenggläubigste min* dieselbe ohne Beden-