Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1867)
- Date
- 1867-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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476 Der Oberrabbiner Elijah Misrachi unterrichtete ihn in der Landessprache und gab ihm später seine Schwester zur Frau; aus unbekannten Gründen ließ dieser sich jedoch im Jahre 1645 von derselben scheiden. Später kamen die Juden in Derbend, im Vereine mit ihrem Rabbiner, bei der Regierung um die Erlaubniß ein, daß sich ein]na, Namens p riDS 'n bmw aus Bahußlawu daselbst niederlasftrr dürft; das Gesuch wurde aber nicht bewilligt. Dieser Umstand mag wohl ein Beweis sein, daß sie nicht von den Vertriebenen des Reiches Juda sind; doch haben sie keine historische Bücher über ihre und ihrer Väter Geschichte. 3) Die Einwohner dieses und der angrenzenden Länder sind Baktrier oder Baktrianer, Perser und Meder, die alle eines Ursprungs sind; sie sprechen die Zend- und Parst- oder Guevri-Sprache. Die in diesen Ländern wohnenden Juden reden die parsische Sprache, wie das überhaupt bei den Juden im Kaukasus der Fall ist. Es ist ihre Hauptsprache, in der sie sich mit-ihren Weibern und Kindern unterhalten, in der die Kinder unterrichtet werden und in welcher sie ihre Briefe schreiben. Doch ist ihre Sprache mit noch andern Idiomen vermischt. Sie kennen auch noch andere Sprachen, wie Persisch. Grusinisch und Tartarisch, die sie bei ihren Handelsverbindungen mit den betreffenden Völkern sprechen. In ihren Schriften benützen sie die rabbrnffchen Buchstaben. 4. Im Hebräischen sprechen sie die Buchstaben nroiro immer aspirirt aus; das D^in lesen sie wie ois&6o, so Q-V?# für oftttf; das d"d immer mit einem p-m, so rpON statt ppg statt syrz, n#p statt nttfD u. bergt, m., und das rvn wie ein «"n. Beim Handel schreiben sie sehr selten Schuldscheine, da Alles mündlich abgemacht wird; und wenn solche dann und wann nöthig sind, so werden sie in der Landessprache abgefaßt. Ihre Ehecontracte (roro) und Scheidebriefe (pv'H werden in den bei uns gebräuchlichen Ausdrücken, ohne jede Aenderuqg, abgefaßt. Ihre rnbsn und online find meistens wie die in Livorno gedruckten, auch finden sich bei ihnen dann und wann solche aus Alexandrien und Konstantinopel, und sind besonders seit der neuern Zeit ihre Bücher und Gebete wie die unsrigen. So weit geht der Bericht des Herrn Gudawstsch; Hüffen wir, daß derselbe später noch andere Rachrichlen von unfern Brüdern in Daghestan bringen wird und daß dieselben auch von Herrn Joseph Tscharni bestätigt werden, damit sich endlich über den Ursprung und die Geschichte dieser entfernten Glaubensgenossen Licht verbreite. Die biblischen Verheißungen in ÄeMg auf die letzten Ziele des menschlichen Siredens. Von Julias Haas. (Fortsetzung.) Zweite Abtheilung: Die Geschichte. I. Die Menschheit vor der Sündfluth. Die heilige Schrift erzählt, der Schöpfer habe den Menschen ursprünglich in das Paradies versetzt. Nun das ist sehr begreiflich; demjenigen, dessen Wünsche alle erfüllt sind, dessen Gaumen, an keine Leckerbissen gewöhnt, an Kräutern uud wildwachsenden Früchten Geschmack findet, der von Luxus nicht angeregt, mit einer Bekleidung von Palmblättern sich begnügt, von Neid und Stolz nicht angesacht, friedlich mit seiner Unigebung lebt, diesem wahrlich ist die ganze Erde ein Paradies. Nicht lange aber, erzählt die Geschichte, hielt dieses liebliche Verhältniß an, bald erwachte der schädliche Stolz im Menschen. „Was," dachte er — nach der Mechilta — „soll mit dem Esel ich einerlei Kost genießen? soll Gleichheit unter sämmtlichen Geschöpfen herrschen?" Er ging in seinem Stolze noch weiter, er begnügte sich nicht damit, Herr aller Erdengeschöpfe zu sein, sondern er ließ sich noch bethören, mit dem Schöpfer selbst um den Vorrang zu wetteifern. Bei solchen hochfahrenden Gedanken hörte die Erde auf, ihm ein Paradies zu sein, von dem er auch nunmehr aus lange Zeit ausgeschlossen wurde. Der Mensch, zufolge seiner sich allmählich ausbildenden Anlagen, wurde nun zwischen zwei Extreme versetzt, und zwar zwischen den Einfluß seiner Sinnlichkeit, seiner ungezügelten Leidenschaften, die Flammen und Schwert in Bewegung setzen, mnn on*> rosnnen, und zwischen den Einfluß der Religion, den onrü.*) Bis diese einander nicht besiegt haben werden, bleiben die Menschen von dem Paradiese ausgeschloffen; siegt ErstsreS, haben die Leidenschaften unbeschränkte Herrschaft über die Menschen, so geht die Gesellschaft unter, so vermag sie sich nicht zu erhalten, wie dieses zur Zeit der Sündfluth der Fall war: die Mächtigen erkannten keine Autorität an, sie sahen sich vielmehr selbst als eine unbeschränkte Gottheit an yo 0'.-ib«n und glaubten als kolche sich berechtigt, mit *) Cherubim find in der Bibel das Bild religiöser Idee». Diese waren eingewobm nt die Teppiche der heiligen Wohnung, sie standen mit ausgebreiteten Flügeln vor der allerheiligsten Lade, von wo aus dem Mosch^h das göttliche Wort mitgetheilt wurde und warm das Bild der Weissagung der Propheten.