Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1867)
- Date
- 1867-07-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447318--05282-2460780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
470 sorgen, immer ein edler Wetteifer vorwaltend war, nicht allzusehr gegenwärtig durch erwähnte Neubauten in Anspruch genommen, so möchten wir eine Anregung in diesem Sinne weder für unzweckmäßig noch erfolglos halten. Ueberlasien wir es einer, wenn auch nicht so fernen, späteren Zeit, auch in dieser Hinsicht das Gute zu fördern und hiedurch das religiöse und sittliche Gefühl immer mehr zu beleben. S. H. Oesterreichischer Kaiserstaat. Drody. Der in Brody erscheinende „Zbri Anochi," die einzige Presse, die bei dem jüngsten großen Brande verschont geblieben ist, schreibt folgendes über, das Unglück, das diese Stadt getroffen hat: Cs war um 6 Uhr Abends, als ich, gerade mit der Redaktion meiner Zeitung beschäftigt, durch den jämmerlichen Ton der Sturmglocke ausge'chreckt wurde. Vom Fenster aus, wohin ich geeilt, sah ich, wie sich eine große Menschenmenge nach der „Schulgasse" drängt und wie von dort der Rauch in dichten Wolken emporsteigt. Auch ich lief zur Brandstätte, war aber kaum einige Minuten daselbst angelangt, als schon die angrenzenden Häuser vom Feuer ergriffen wurden und bald darauf dieser ganze Stadttheil ein Flammenmeer war. Der heftige Sturm, der um diese Zeit wehte, verbreitete das Feuer über alle übrigen Stadtviertel, die Leute eilten nach ihren Häusern, um so viel wie möglich und wenigstens das Nothwendigste zu retten. Doch auch das, was nach entfernteren Straßen gerettet wurde, ward ein Raub der Flammen. Die Größe des Schadens ist bis jetzt noch gar nicht zu schätzen. Die alte und neue Synagoge, die »na D'Bmo und Spitäler sind verbrannt. Auch Menschenleben haben wir zu beklagen. Groß ist das Unglück, das uns getroffen; kaum haben wir uns von dem Schaden des Brandes, der vor 8 Zähren gerade auch in diesem Monate ausgebrochen war, erholt, als wir aufs Neue unsere Häuser, unser Vermögen durch die Feuerflammen verlieren. Helfet, Ihr mitleidsvollen Brüder, schicket Kleider, um die Nackten zu bekleiden, Geld, um Brod für die Bedrängten zu kaufen. Viele, die gestern noch reich waren, sind heute arm und entbehren das Nothwendigste. Der Präses des Vorstandes, Herr Meier Kallir, sowie die Redaktion des „Jbro Anochi" *) nehmen bereitwilligst die Gaben in Empfang und werden für die Vertheilung unter den Bedürftigen Sorge tragen. Großen Dank schulden wir der Stadt Radiwill (bei Tarnapol), deren Einwohner uns fürs Erste mit Brod versorgten. Die „jüdische Zeitung" schreibt von hier: 1300 Häuser sind verbrannt, darunter 25 D^-no' »na und 50—60 nmn nso mit deren mp »te. Das kupferne *) Auch wir erklären uns bereit, für diese bedrängte Stadt Gelder entgegen zu nehmen. Die Redaktion des .Israelit." Dach der großen Synagoge ist eingestürzt, so daß Niemand den Muth hat, in das Innere derselben einzudringen. Kaum konnte man die Kranken aus dem Spitale retten, einige derselben fehlen und konnten bis jetzt nicht aufgefunden werden, viele Kinder werden vermißt; an 1000 jüdische Familien sind zu Bettlern geworden. Einige wohltätige Männer aus Lemberg haben sofort eine Collecte veranstaltet und unS Geld, Brod und Mehl geschickt. Auch der Bürgermeister von Lemberg hat für uns gesammelt und vom Landesausschuß erhielten wir 2000 fl., sowie von sämmtlichen jüdischen Wohlthätigkeits-Vereinen in Lemberg eine ansehnliche Unterstützung in baarem Gelde. Nach dem „Fremdenblatt" soll sich der Schaden auf 1,350,000 fl. belaufen, wobei die Versicherungsbanken mit etwa 300,000 fl. betheiligt sind. Zn Wien hat man an 13,000 fl. gesammelt; der Kaiser von Oesterreich hat den Bedrängten 3000 fl. zukommen laffen. Frankreich. Nizza. Es ist nur selten, daß Juden zu Richtern ernannt werden und das selbst in denjenigen Ländern, in welchen sie vollständig emancipirt sind. Eine solche Ernennung hat jüngst in Nizza staltgefunden, wo Herr Joseph Colombo als Richter am Handelsgericht angestellt wurde. (Jew. Chron.) Feuilleton. David Wuöeni und A. Salomo Wolcho. Von Abraham Teitdlau. (Fortsetzung.) Er erfaßte mich und brachte mich nach der Stelle der beiden Berge, die im Lande der Herrlichkeit sind, zwischen dem Berge Zion und Jerusalem und zwischen Zephath und Damesek, die ich längst schon einmal in einem Gesichte geschaut und deren Abbildung sich über den beiden Lamed eines Namens und Zunamens auf einem Siegel befinden; denn seit dem Tage, als ich sie gesehen, ließ ich sie zum Denkzeichen auf mein Siegel eingraben. Von diesen beiden Bergen ist der zur rechten Seite, gegenüber Zephath und Damesek, der kleinere; der zur linken Seite aber, gegenüber dem Berge Zion und Jerusalem, der größere. Als wir nun dort angekommen waren, stellte er mich auf die Spitze des rechten Berges nieder und sprach zu mir: „Erhebe Dein Auge nach dem linken Berge hin und sage mir, was Du sichest!" — Ich sprach: „Ich sehe den Mann in weiße Gewänder gekleidet, der die Berge in der Hand hält, und über ihm, in weißere und kostbarere Gewänder gekleidet, den größer» Mann, den ich früher gesehen. Der Mann, der die Berge in der Hand hat, steht auf der