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Der Israelit · 1867-07-03 · Heft 27 (3.7.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 27 (3.7.1867)
Date
1867-07-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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46b zurücknehmen, ohne den Großinquisitor und sein Tribunal aufs Tiefste zu verletzen. Geruhen Eure Majestät, abzuwarten. Es ist noch nicht Frohnleichnamstag. Vielleicht bietet sich bis dahin Gelegenheit, des Juden in guter Manier los zu werden. Vielleicht eine Einsprache Englands oder Hollands; diedePinto's haben Verbindungen mit fast allen europäischen Höfen."" „Nein, Pater, das ist Nichts! In innern Regierungsangelegenheiten und noch dazu in Religionssachen laste ich mir von ketzerischen Höfen keine Vorschriften machen. Doch, Ihr habt Recht, warten wir ab; es ist noch nicht Frohnleichnamstag! " Der König winkte mit der Hand, und Don Juan de Castro entfernte sich. XIII. Am Mittage desselben Tages war dem Prinzen Heinrich von Schaumburg zu Ehren große Hoftafel. Der Prinz entzückte Alles durch seine Schönheit, seinen Geist und seine Liebenswürdigkeit. Auch der König war sehr gnädig gegen ihn. Bei Tafel kam die Rede auf das bevorstehende Autodafe. Der Prinz hatte noch Nichts davon vernommen, und man beeilte sich, ihm Alles umständlich zu erzählen. Der Prinz fand nicht Worte genug, das Benehmen des Juden zu tadeln, der sein ewiges Heil so thöricht von sich stoße. „Wie sieht dknn solch' ein Jude ans?" fragte er, „gewiß recht verstockt und boshaft!" „„Haben Ew. Durchlaucht noch nie einen Juden gesehen?"" fragte der Herzog von Medina. „Niemals!" antwortete Prinz Heinrich. „In meinem Fürstenthume werden keine Juden geduldet; ich gestehe es, ich möchte einmal ein solches Geschöpf sehen." „ „Nichts leichter als das 1" " nahm der Großinquisitor das Mort. „„Ich selbst mache mir ein Vergnügen, eine Ehre daraus, den Wunsch eines so liebenswürdigen Fürsten zu erfüllen und Cw. Durchlaucht an einen Ort zu führen, wo Ihr den Juden beobachten könnt."" „Ich nehme Euer gütiges Anerbieten mit Dank an, Eminenz." Nach aufgehobener Tafel fuhr Prinz Heinrich in Begleitung des Großinquisitors und des königlichen Beichtvaters nach dem Kerker der Inquisition. Hier wurde der Prinz auf eine Gallerie geführt, von wo er in den Kerker Don Jsaks blicken konnte. Prinz Heinrich blickte hinein. Da saß Don Jsak, ein Bild des Jammers und des Elends. Erschreckt fuhr der Prinz zurück und wäre fast umgesunken, hätte ihn Don Juan de Castro nicht gehalten. „Erschreckt Euch der Anblick des Juden so sehr?" fragte der Großinquisitor. „„Entsetzlich, entsetzlich!"" rief Prinz Heinrich. „„Wenn ich doch einen solchen Menschen daheim zeigen könnte! Was würden die Meinigen darum geben, ihn zu sehen, ihn verhöhnen und verspotten zu können! Doch davon kann nicht die Rede sein, Ihr werdet Euch das Verdienst nicht nehmen lassen wollen, den Verbrecher zu bestrafen."" Prinz Heinrich war wieder an das Fenster getreten und blickte hinunter nach dem Gefangenen. Unterdeß nahm Don Juan de Castro den Großinquisitor bei Seite und erzählte ihm sein Gespräch mit dem Könige. „Ergreift die Gelegenheit, Eminenz," sagte er dann, „und verkauft diesem närrischen Deutschen den Juden. Der König wird Euch ewig dankbar sein." — Der Großinquisitor nickte zustimmend. Als Prinz Heinrich das Fenster verließ, sagte er: „„Tausend Dublonen gäbe ich darum, wenn ich diesen verstockten Juden daheim hätte, um ihn recht quälen und um ihn den Meinigen zeigen zu können!"" „Und wenn wir Euch beim Worte hielten, Durchlaucht?" fragte der Großinquisitor. „ „Ihr scherzet, Eminenz, die heilige Inquisition wird Niemanden fahren losten der ihr verfallen ist."" „Pah, die heilige Inquisition, das bin ich, ihr Oberhaupt, und ich möchte gern dem liebenswürdigsten Prinzen eine Gefälligkeit erweisen." „„Diesmal nehme ich Euch beim Worte, Eminenz; ich sende Euch morgen die taufen Dublonen."" „So rasch geht das doch nicht, mein Prinz; ich bedarf erst der Einwilligung Seiner Majestät, des Königs!" — Noch denselben Abend ließ sich der Großinquisitor beim Könige melden. Der König lachte unmäßig, als er hörte, der Jude sei um 1600 Dublonen verkauft, um wie ein wildes Thier als Seltenheit vorgezeigt zu werden; er versicherte den Großinquisitor seines allerhöchsten Wohlwollens. „Aber," sagte der König, „das Volk von Madrid, das sich schon so lange auf das Autodafä freut?" „„Das mag sich mit der Execution an der Mannschaft der Speranza begnügen,"" entgegnete der Großinquisitor. „„Wie ich höre, sollen ja zwei der Schurken auf's Rad geflochten werden!"" „Ihr habt Recht," sagte der König lachend, „das ist des Sehenswerthen genug' für unser gutes Volk von Madrid!" — In der folgenden Nacht schlief Seine Majestät ganz vorzüglich. (Schluß folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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