Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1867)
- Date
- 1867-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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464 Reserve - Verhältniß einen hervorragenden Anlheil am vorjährigen Kriege nahmen, sind jetzt nachträglich zu Secvnde-Lieutenants bei der Landwehr ernannt worden. — Am zweiten Tage mjop fand hier eine von der Synagoge nach Hause zurückgekehrte Familie ihre Magd an einem Stuhle knieend mit durchschnittenem Halse. — Zn Königsberg fand in der Synagoge ein Dankgottesdienst statt, wegen der Errettung des Kaisers von Rußland aus der Hand des Meuchelmörders, während dessen Aufenthalts in Paris. Gadensberg, 25. Juni. Die „Hessische Morgenzeitung" Nr. 2722 bringt folgende Nachricht, die das Interesse der jetzigen Regierung auch für uns jüdische Lehrer deutlich erkennen läßt. Sie lautet: Berlin, 22. Juni. In gleicher Weise, wie den Zöglingen der jüdischen Vereinsschule in Münster und der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin die Begünstigung der 6wöchentlichen Dienstzeit bei einem Infanterieregiment behufs Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht zugestanden ist, ist jetzt auch auf den Antrag des Oberpräsidenten der Provinz Hessen, Herrn v. Möller, dieselbe Begünstigung den Zöglingen des israelii scheu Schul lehr er seminars in Kassel verliehen worden, inwiefern nämlich dieselben durch die königliche Prüfungscommission mit einem Befähigungszeugniß versehen werden. Dieses Seminar ist früher zur Ausbildung jüdischer Elementarlehrer dauernd begründet worden, und wenn es auch nur den Charakter einer Privatanstalt besitzt, so steht es doch insoweit unter der Leitung der Staatsregierung, als dieselbe die Abiturientenprüfung abnimmt und dabei dieselben Anforderungen stellt, die bei ähnlichen Anstalten christlichen Charakters maßgebend sind. Bei dieser Bewandtniß dürste es nur von einem anerkennenswerthen Liberalismus der Behörde zeugen, wenn in dieser Hinsicht die jüdischen Anstalten den christlichen nicht nachgestellt werden, und zwar um so mehr als im Hessischen die jüdischen Volksschulen einen öffentlichen Charakter haben. L. West heim, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Unter denen, die vom Kaiser von Oesterreich bei seiner Krönung in Ungar ausgezeichnet wurden, bestndet sich auch unser Glaubensgenosse, Herr Ullmann, Großhändler in Pesth, der den Franz-Josephs- Orden erhalten hat. Starasvl. (Galizien.) Der hiesige Stadtrath hat vor drei Jahren mehrere hundert Klafter Feld angekauft und die Kaussumme hiefür aus der Stadtkasse bezahlt. Das Feld wurde zum Verkauf ausgeboten, doch stellten die christlichen Gemeinderäthe die Bedingung, daß die Juden und selbst diejenigen, die die kaiserliche Erlaubniß haben, Grundbesitz zu erwerben, bei diesem Verkaufe nicht nur ausgeschlossen seien, sondern auch, wenn sie aus dritter Hand Theile dieses Feldes kaufen oder pachten, der Kauf oder die Pacht nicht giltig ist. Eine Strafe von 1000 st. wurde aus die Uebertretung dieser Verordnung gesetzt. Die jüdischen Gemeinderäthe haben dagegen protestirt und im Lemberger Landtag eine diesbezügliche Petition eingereicht, wurden aber mit ihrer Beschwerde zurückgewiesen. Nunmehr haben sie sich an das Ministerium in Wien gewendet, und sieht man der Entscheidung hierüber mit Gespanntheit entgegen. (Lemberger Zeitung.) Italien. Florenz. Aus dem „Educatore Jsraelita" ersehen wir, daß der ital. jüd. Kongreß in Florenz am 30. April begonnen nnd am 5. Mai seine Arbeiten vollendet hat. 20 Gemeinden hatten sich durch Deputirte vertreten lassen. Unter vielen andern Dingen wurden wieder 1000 Fr. für die Publicirung guter Bücher votirt; ferner wurde beschlossen, das Rabbiner-Seminar zu Padua mit Subsidien zu unterstützen. Die Majorität beschloß, eine Synode einzuberufen. Ein hierzu erwähltes Comite wurde beauftragt, die Beschlüsse der Versammlung in Ausführung zu bringen. Frankreich. Paris. Der „Nair Janke" berichtet, daß der Kaiser von Rußland bei einem seiner Besuche der Pariser Ausstellung mit großer Aufmerksamkeit dem Pianospiel der Fräulein Sophia Heilbronn (Jsr.) aus London, die erst neun Jahre alt ist, zugehört, Worte der Ermuthigung an dieselbe gerichtet und ihre Photographie, die sie dem Kaiser präsentirte, angenommen hat. Paris. Herr Louis Halp heu, Mitglied des Central - Consistoriums und Administrator der Nordbahn, hat den belgischen Leopolds-Orden erhalten. (Arch. Jsr.) Paris. Unser Glaubensgenosse, Herr Adolph Neubauer, erhielt von der Akademie den Preis für seine Arbeit über die von derselben aufgestellte Aufgabe, „die im Talmud und in den Midraschim zerstreuten historischen und geographischen Daten über Palästina zu sammeln." (Arch. Jsr.) Rußland und Polen. Der Gouverneur von Volhyriien erinnert die Stadt- und Landpolizeibehörden, daß die bestehenden Gesetze den Juden eine unterscheidende Tracht verbietet, und fordert sie auf, über diejenigen Juden, welche dennoch fortfahren, ihre eigenthümliche Tracht beizubehalten, einen Akt aufzunehmen und diesen dem Kriegsgericht zu übergeben.