Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1867)
- Date
- 1867-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447317--05255-2460752- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
444 hat eine Bereicherung erfahren, die sich den schönsten Epochen der Blüthe dieses Studiums anschließt; Ungarn nimmt einen Ehrenplatz ein in dieser Mannigfaltigkeit und Fülle wie noch nie. — Fragen wir nun, wie weit die Gelehrten der Pesther Gemeinde an diesen Arbeiten participiren, so werden wir wahrnehmen müssen, das; Pesth in dieser Beziehung nicht nur Preßburg, wo das vorzüglichste balachische Werk, die rabbinischen Responsen des verewigten Oberrabbiners M. Sofer entstanden, ein Werk, daS als ein theueres Kleinod in der Universal-Literatur der rabbinischen Wissenschaft für alle Zeiten und Länder hochgehalten werden wird, nachstehet, sondern selbst Gemeinden wie Verbs, Unghvar, Ujhely, deren Nabbinen und Privatgelehrte die rabbinischen Wissenschaften mit ganz vorzüglichen Geistesproducten bereichert und rabbinifche Responsen von allgemein anerkannter 'Wichtigkeit in ihrer Mitte entstehen sahen, während Pesth beinahe ganz zurückgeblieben. — Während an 100 (gemeinden in Ungarn größere und kleinere Anstalten, Lehrschulen der verschiedensten (grade für die talmudischen Lehren besitze"' darunter Preßburg, Eisenstadt, Ujhelv solche Rabbinerschulen, die sich eines ehrenden, europäischen Rufes erfreuen, vorzüglich die erstgenannte, die größtentbeils den nngar. Gern, und zum Tbeil der Indenbeit Europa's. Rabbiner und Privatgelehrte gegeben — hat sich die isr. Gem. zu Pesth auf diesem so wichtigen Gebiete des Fsr. Gem. Berufes jeder Thatigkeit im Vornherein begeben und dadurch den genannten Gem. einen Vorrang eingeräumt, einen Einfluß auf die färnrntlichen Gemeinden des Landes überlassen, der nothwendig von mächtiger, bewältigender Tragweite sein muß, wenn man beocntt, daß diese Anstalten nur von den Gern. Mitgliedern erhalten werden, die süd. theologischen Jünger ihnen geistige wie leibliche Rahrung danken. Nicht nur die Rabbiner und Seelsorger, sondern auch ein bedeutender, einstußübender Theil der Gem. Mitglieder, besonders in größeren Gemeinden, haben das Gepräge ihrer (Leistes- und Charakterbildung daselbst erhalten. Es kann nicht in unserer Absicht liegen, eine Gemeinde, die so reich an materiellen Kräften, reich an Bestrebungen und Woblthätigkeits-Anftalten, die einzelne Männer, die durch Gaben des Geistes, durch Biederkeit des Charakters, durch Humanität als leitende Muster im ganzen Lande bekannt sind, mit gerechtem Stolze zu ihren Mitgliedern zählt und außerdem eine immerhin noch erkleckliche Zahl von intelligenten Mitgliedern auszuweisen hat, die jeder Gemeinde zum Ruhme und Stolze gereichen würden, herabsetzen zu "wollen; aber da, wo eS sich darum handelt, ob diese Gemeinde an der Spitze der gesammten jüd. Bevölkerung in Beziehung aus ihre theuersten religiösen Angelegenheiten gestellt werden können, müssen wir unser Urtheil offen und unverholen ausdrücken. (Schluß folgt.)! Zeitungsnachrichten und Correfponj -errzerr. Deutschland. | Paderborn Dem uns vorliegenden neunten ( Jahresbericht der unter der Leitung von Fräulein I Fanny Nathan stehenden isr. Waisen-Erziehungs-Anftalt für Knaben und Mädchen in Westphalen und Rheinland zu Paderborn entnehmen wir Folgendes: Seit dem 11. Jahre des Bestehens der Anstalt haben 4 5 Kinder Aufnahme, Verpflegung und Erziehung im Waisenhause empfangen. Davon wurden: 1 : Drucker und Setzer, 1 Schlosser, 7 widmeten sich dem Kaufmannstande, 1 Mädchen trat in Dienstverhältnisse, 3 kehrten zur Mutter zurück, 30 sind gegenwärtig in der Anstalt. Von den aus dem Institute bereits aus-! geschiedenen Zöglingen kann nur das Beste berichtet : werden. Die Anstalt hatte im Jahre 1866 eine Einnahme i von 7162 Thlr. 16 Sgr. 3 Pf.; die Ausgaben be-! trugen 6107 Thlr. 20 Sgr. 4 Pf.; und besitzt diesel- I den jetzt noch einen Fond von 2803 Thlr. 25 Sgr. 11 Pf., die therlweise als freiwillige Gaben von edlen! Glaubensgenossen aus den verschiedenen Gegenden ( Deutschlands, besonders aus Westphalen und Rheinland, j eingingen.! Österreichischer Kaiserstaat.! Man schreibt aus Zamnilß in Mähren: Indem j eine Stunde von 'Rammte entfernten Orte Pisling, an l der Thava gelegen, ereignete sich am vergangenen! Freitag, Abends halb 10 Uhr, ein furchtbares Unglück, : welches auch mehrere Menschenleben kostete. In Folge : eines Wolkenbruches, wie solcher seit Menschengedenken; nicht vorgekommen, stieg das Wasser eines durch das i Dorf rieselnden Baches zu einer solchen Höhe, daß! dasselbe in den an beiden Seiten gelegenen Häusern! fünfviertel Ellen hoch eindrang. Die Bewohner, theil-! weise schon zu Bette gegangen, mußten auf die Böden der Häuser flüchten und die ganze Nacht dort in steter Angst zubringen. jZwei stockhohe Häuser, von Israeliten bewohnt, mehrere Bauernhäuser und Scheunen stürzten ein, glücklicherweise, nachdem die Inwohner ge-! rettet waren. Leider ertrank der im Parterre des j israelitischen Tempels wohnhafte, bereits 70 Jahr alte i Handelsmann Elias Fischer in seinem Bette, welches vom Wasser fortgeschwemmt wurde, und der Sohn eines Bauers, ebenfalls bereits schlafend. Außerdem ertranken Pferde, Rindvieh, ä Affe re. in großer Menge. Das Wasser kam und stieg plötzlich zu solcher Höhe, daß die armen Bewohner, blos mit Hemden bekleidet, die ganze Nacht auf den Dächern de/stockhohen Häuser mit ihren Kindern zubringen mußten. (Frdbl.)