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Der Israelit · 1867-06-26 · Heft 26 (26.6.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 26 (26.6.1867)
Date
1867-06-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage za Nr. 26 des Israelit. Seiten&et Artikel. Die Vorgänge in Ungarn. (Fortsetzung.) Schon vor 10 Jahren losen wir in einer Reihe von Briefen (Jeschurun 1807 IV. Heft), daß das Musterconslstoriunl, dem alle nachgebildet, mebrere Wichtige Veränderungen, ohne vorher gar in Berathung hierüber zu gehen, vorgenommen, wodurch nach und nach die Rabbiner ans dem Centralconsist., ganz entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen des Statuts verdrängt und Willkür und destructive Unterminirnngen aller religiösen Fnstitutionen permanent wllrden. Als ein trauriges Beispiel cclatantester Ilichtbeachtung allen lind jeden Anstandes, sa der Verhöhnung des Rechtes, des Hinwegsetzens sogar über die äußeren Formen der Convenienz, die in gebildeten Staaten ja auch die Bekenner anderer Consessionen, besonders bei öffentlichen Kundgebungen gegen das Judenthum an den Tag legen, hat jüngstens der Präsident des Cent- Cons. in Paris bei Gelegenheit der Jnstallirung des Central-Oberrabbiners Isidor gegeben. Bei offener Bundeslade wagte es der tapfere Oberst Cerfbeer, dem Oberrabiner Instructionen über sein amtliches rabbinisches Walten zu geben, die darin bestehen sollten, die religiösen Gesetze zu abrogiren, das heilige Gotteswort zu verläugnen. — Hr. Lanyi könnte wohl bald lernen, wie die Rabbiner, die er darauf beschränkt, nilr als Deuter und Lehrer des Gesetzes figuriren zu wollen, bald im Schutze seiner Central-Gemeinde dahin gelangen können, Lehren und Deutungen des Gesetzes von den weltlichen Oberhäuptern der Centralgemeinde zu erhalten. Wir werden einen annäherungsweisen Maßstab für die Ueberhebung des Consistor.- Präsidenten haben, wenn wir sehen, wie der fromme gelehrte Rabbiner Klein, Franä Rabb. in Kotmar, öffentlich gegen die Auslassungen des Präsidenten prolestirt und nachweist, daß das Vorgehen desselben gegen die Doktrinen des großen Synhedrions seien, die das Cons.-Statut abgefaßt und am Ende seines Protestes in dem richtigen Jdeengange dahin gelangt, daß, wenn die Israeliten Frankreichs die Ansichten ihres Präsidenten theilten, sie verpflichtet seien, der Regierung offen zu erklären: „Das Judenthum, welches Ihr er- „kannt habt und welches Ihr besoldet, ist nicht das, „in welchem wir fortan leben wollen. Obgleich wir „den Mimen desselben für das neue Religions-System „beibehalten wollen, welches eben im Schooße unserer „Philosophie ausgebildet wird, weisen wir seine Religivnsübungen zurück und bestreiten manche seiner „Dogmen. Nun denn wie kein anderes rationalisti- „sches rc. System dem Staate zur Last fällt, so wi- „derstreitet es unserem Gewissen, daß die Regierung, „irregefnbrt durch die Gleichheit des Namens, noch „weiter ihr Budget mit Ausgaben zu Gunsten eines „Cnltns belaste, der ans ihre Freigebigkeit kein Recht „hat und zu Gunsten von Beamten, denen die Be- „rechtignng ihres Daseins fehlt." Ein Schrei des Entsetzens gebt seit Jahren durch die israel.-publicistischen Organe und durch eine Reihe von Brocbüren über die Willkür des württembergischen Kirchenrathes. — In letzterer Zeit war ein Aufraffen der noch vorhandenen religiösen Monlente bemerkbar: eS war der Druck des Kirckwnrathes nickt mehr zu ertragen, alle jüdisch-religiösen Institutionen vernachlässigt, die schwere Hand der jüdischen Hierarchie, gestützt von dem starken Arm der wettlicken, politischen Macht, lag mit vernichtendem Gewichte auf den jüdischen Gemeinden und auf dem jüdischen Gewissen und nach langen mühseligen Kämpfen wurde einige Abhilfe versprochen. Nun zählt die jüdische Bevölkerung Württembergs 12,?,00 Seelen und verhält sich zur Gesammtbevölkernng von (1,869,700), wie 1 : 1?»5. — Frankreich zählte vor ungefähr 10 Jahren bei einer Bevölkerung .86 Millionen 7?>,000 Juden. Dort, wo in der Hauptstadt des Landes als der Brennpunkt, der in sich den wichtigsten Theil der ganzen jüdischen Bevölkerung des Landes, die Männer der Intelligenz, der hervorragendsten politischen und socialen Stellung vereinigt, ist, wenn auch, wie wir nur in wenigen kurzen Umrissen dargestellt, zum Nachtheile der Religion und deren Einfluß, das Wesen einer Centralleitung denkbar. — Aber Ungarn mit seinen 400,000 jüdischen Einwohnern mit einer Verschiedenheit der religiösen Richtungen, des CulturzustandeS wie vielleicht kein Land mehr, Ungarn, dessen jüdische Einwohnerschaft zwar die zahlreichste Gemeinde in Pesth sieht, aber keinesfalls sie als ein Schwerpunkt ihres jüd. religiösen Lebens und Strebens nach keiner Richtung hin anzuerkennen vermag, in eine Centralgemeinde aufgehen zu lassen, ist eine Zumuthung, die nur bei gänzlicher Unkenntniß der allgemeinen Zustände, durch die leichtsinnigste Behandlung der so wichtigen religiösen Angelegenheiten der Landes-Gemeinden entstehen könnte. — Wir suchen vergebens die jüdisch-literarischen Werke von einiger Bedeutung, die in der Metropole des Landes entstanden, wir suchen vergebens dort die gleitenden Gedanken, die der Bewegung der Geister die Richtung gegeben hätten. Die talmudische Literatur der letzten 30 Jahre

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