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Der Israelit · 1867-06-26 · Heft 26 (26.6.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 26 (26.6.1867)
Date
1867-06-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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442 zu gewähren, ein öffentliches Autodafe — und Ihr, Ton Jsak, sollt den Scheiterhaufen besteigen, sollt öffentlich verbrannt werden." „„Ich bin seit lange darauf vorbereitet,"" entgegn nete der Gefangene, „„und habe nichts Anderes erwartet."" „Indessen," fuhr Pater Joss zu sprechen fort, „hat dieser Beschluß doch etwas Gutes für Euch; Ihr werdet von heute an diesen dumpfen Kerker verlassen und ein besseres Gemach angewiesen erhalten. Und nun lebet wohl — meine Zeit ist um. Noch einmal verzaget mcht, Bruder, man ist thätig für Euch." Pater Jo^ä ging. Bald kam der Kerkermeister; erssühlte den Gefangenen in ein geräumiges, luftiges Zimmer und nahm ihm die Ketten ab. Seit v-elcn Wochen rum ersten Male konnte Don Jsak seine Hände gen Himmel erheben, ohne die Ketten raffeln zu hören. XI. In einem eleganten Kaffechause zu Madrid saßen viele vornehme junge Herren und schlürften den schwarzen Mocka. „Es wird am Ende langweilig," sagte der Eine, „von nichts Anderm als von dieser Judenverbrennung zu hören. Bor hundert Jahren wurde nicht soviel davon ge^prcchtn, wenn Hundert der Ungläubigen auf einmal verbrannt wurden, wie jetzt von diesem Einen. Ich wollte, die Geschichte wäre erst vorbei, damit man endlich eirmal von was Anderem zu reden beginne." „„Also,"" nahm ein Anderer das Wort, „„habt Ihr von der neuesten Neuigkeit, die alle müssigen Zungen in Madrid beschäftigt, noch nichts vernommen?"" „Nicht ein Sterbenswörtchen. Hat etwa aufs Neue ein Marienbild Wunder bewirkt, oder ist der Türke aus Constantinopel verjagt, oder hat unser guter König Aussicht aus einen Thronerben, oder ist gar ein neuer Erdtheil entdeckt worden? Etwas Geringeres dürfte es kaum sein, das die Einwohner unserer guten Stadt Madrid veranlassen könnte, von etwas Anderem als von dieser Judenverbrennung zu reden!" „„Es ist nichts von allem dem. Es ist nur ein deutscher Prinz, der gestern zum Besuche unseres Hofes hier angelangt ist. Von ihm spricht die ganze Stadt."" „Und was ist so Besonderes an dem Wunderkinds?" „Er ist schön wie Apollo, fromm wie San Jago, jung wie Ganymed, fast noch ein Knabe, liebenswürdig wie Amor, reich wie Krösus und freigebig wie Timon von Athen, als er noch im Besitze seiner Reichthümer war." „Seht da die Equipage des Jnfanten," rief ein Dritter, „der Wunderprinz sitzt darin. Der Jnfant hat ihm seine Equipage zur Verfügung gestellt!" Alles eilte auf den Balcon, um den fremden Prinzen zu sehen, der im offenen, von sechs Maulthieren gezogenen Wagen sitzend, nach allen Seiten hin freundlich die ehrerbietigen Grüße der gaffenden Menge erwiderte. Der Prinz fuhr nach seinem Hotel; folgen wir ihm dorthin. Im Vorzimmer des Fürsten warteten mehrere Priester, deren Segen er empfing. Dann begab sich der fremde Fürst, Prinz Heinrich von S chaumburg nannte er sich — er war in der protestantischen Religion geboren und erzogen, war aber erst unlängst in Rom zum Katholicismus übergetreten — in sein Gemach, wo er jeden der Priester einzeln empfing. Für Jeden hatte er ein freundliches Wort, für Jeden eine bedeutende Gabe für sein Kloster oder andere Stiftungen. Von Allen zuletzt erschien unser Bekannter, Pater Josä. „Sorge dafür Johann," sagte der Fürst zu seinem deutschen Diener, „ daß wir ungestört bleiben." Der Diener entfernte sich. „Euer Name ist Jole, ehrwürdiger Vater?" redete Prinz Heinrich den Geistlichen an, nachdem der Diener sich entfernt hatte. „„So heiße ich, Durchlaucht. Don Henriquez de la Fonteira sandte mich zu Euch."" „Ihr kennt unsere Pläne?" „„Ich kenne sie."" „Seid ihr bereit, sie zu unterstützen? Geld steht Euch zu Diensten, soviel Ihr begehrt." „„Ich brauche kein Geld; seit vierzehn Tagen ist mein Freund, Don Juan de Castro, Beichtvater des Königs geworden; er ist einer der Unfern."" „Dem Himmel sei Dank. Wie denkt Don Juan, uns nützlich sein zu können." „„Er wird den König für Euren Plan zu gewinnen suchen. Ihr aber, Durchlaucht, seid vorsichtig, erwägt jedes Eurer Worte und fahrt fort, freigebig gegen die Kirche zu sein und ehrerbietig gegen deren Vertreter."" „Ich danke Euch; ich werde Euren kostbaren Rath befolgen. Ihr wollt schon gehen?" „„Ich darf keinen Verdacht erregen; zuvor gebt auch mir etwas Geld für die Armen, damit mein Gang zu Euch vor meinen Genoffen gerechtfertigt erscheine."" Prinz Heinrich that, wie Pater Josä verlangt hatte. „Geht mit Gott, ehrwürdiger Vater," sagte er dann, „meine heißen Gebete geleiten Euch." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Stedaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf»SchnellpressendruS von I. GottSleben in Mairy.

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