Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-06-26 · Heft 26 (26.6.1867) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 26 (26.6.1867)
Date
1867-06-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447317--05251-2460748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

440 anerkannten Rabbinern zustand, so gebt der Antrag der Repräsentanz dahin, daß von der Gesammtgememde noch eine oder zwei Capacitäten als Rabbiner und Prediger ausgenommen werden sollen, denen das Recht der Trauung Vorbehalten bleibt; die andern hingegen hätten sich blos mit ihrem Predigeramte zu begnügen und in Rabbinatssunktionen nicht einzugreifen. Dieser Vorschlag erregt zwar die Mißbilligung derjenigen Vorstände, welche ihren angcstellten Predigern bei der Ausnahme versprochen, ihnen die Rabbinatsrcchte zu verschaffen, hat aber der Natur der Lache nach den Beifall aller Verständigen. Bei dem hoben Alter der beiden Mitglieder des Rabbinatscollegiums ist es durchaus nothig, daß Männer angestellt werden, welche tüchtig genug sind, in Ritualangelegenheiten als Autorität zu entscheiden und welche die verschiedenen obwaltenden Mißstände kräftig und mit voller Energie zu beseitigen Willens sind, auch die Macht des Wortes zur Genüge besitzen, um bei Gelegenheit den religiösen Sinn im Volte aufzufrischen. Lemberg 26. Mai. Die Polnische Nationalpartei hat hier mit Hilfe einiger Polnisch gesinnter jüdischer Gelehrten einen Verein ins Leben geritfen, der sich die Polonisirung der jüdischen Bevölkerung durch systematische Verbreitung Polnischer Sprache und Gesinnung unter derselben zur Ausgabe gestellt hat. Nach den Pereinsstatuten soll diese Ausgabe erreicht werden 1) durch Polnische Reorganisation der jüdischen Schulen; 2 ) durch Besoldung von Privatlehreru der Polnischen Sprache; 6) durch Aussetzung von Prämien für die in der Polnischen Sprache sich auszeichnenden Schüler; 4) durch Einrichtung Polnischer Lese-Bibliotheken; ö) durch Grüudung einer Polnischen Leitung für die Juden. Die zur Erreichung dieser Zwecke nöthigen Geldmittel werden durch Beiträge der Vereinsmitglieder aufgebracht. Die Vereinsmitglieder zerfallen in fünf Klaffen; l) Gründer, 2) Förderer, 6) ordentliche, 4) correspondirende, 5) Ehrenmitglieder. Die Gründer und Förderer, die größtentheils Polen sind, zahlen einen monatlichen Beitrag von 50 resp. 25 fl.; die ordentlichen Mitglieder zahlen ein Eintrittsgeld von 2 fl. und einen monatlichen Beitrag von V2 st. Die jüdische Bevölkerung, die Jahrhunderte hindurch unter dem schwersten Druck ihre Deutsche Muttersprache mit bewundernswürdiger Zähigkeit festgehalten hat, ist empört über diesen Angriff auf dieselbe und bietet Alles auf, um das Ministerium zu bestimmen, den Statuten des Vereins zur Polonisirung der Juden ihre Genehmigung zu versagen. Doch befürchtet man. daß diese Bemühungen durch den Einstuß des Gr. Goluchowski und des polnischen Reichsrathsklubs paralysirt werden möchten. Aus Apostag, 9. Juni wird berichtet: I» Duna-Egyhaza, einem Dorfe nächst Apoftag, wollte (es ist wörtlich zu nehmen) bei einem Israeliten Namens Salomon Fleischer Feuer entstehen: es entzündete sich nämlich ein in einer Ecke seines Hofraumes befindliches Häufchen Stroh — am hellen lichten Tage. Von Vorübergehenden bemerkt, wurde das entstehende Feuer im Keime erstickt. Die Insassen des Dorfes ergingen sich aber in Kombinationen über die Ursache des Feuers: das Nefultat diefer Kombinationen war — die arge Mißhandlung des Hrn. Salomon Fleischer. DE auf Hunderte angewachsene Menge riß ihn aus seiner verbarrikudirten Stellung, zertrümmerte Thüren und Fenster, schleppte ihn bei den Haaren in den Hofeaum und traktirte ihn dort mit Stockstreichen so lange, als sich die Leute nur an ihn drängen konnten, bis er bewußtlos liegen blieb. — Die Juden von Duna-Egyhaza entflohen nach allen Richtungen der Windrose. Von einer Bestrafung der Excedenten ist bis heute Nichts bekannt. (Fcdbl.) Triest. Der „ Osserv. tr." veröffentlicht den WorEaut der i;n Aufträge des Landesausschusses von den HH. Pr. v. Baseggio und Dr. Formiggini verfaßten Petition an das Ministerium, wodurch dem Beschlüße des Triester Landtages gemäß dem Grundsätze der Gleichstellung der verschiedenen Glaubensbekenntnisse imGenusse der bürgerlichen und politischen Rechte die vollständige praktische Anwendung erwirkt werden soll. Nach einigen allgemeinen Erwägungen heißt es darin: „Und um so wünschenswerther ist die praktische Anwendung des großen Princips der vollständigen Gleichstellung in dieser Stadt Triest, in welcher, wegen ihrer eigenthümüchen Stellung als Handels- und Schifffahrtsemporium, nothwendiger Weise die Angehörigen verschiedener Glaubensbekenntnisse beisammen wohnen, deren jedes gleiches Recht auf Schutz von Seiten des Staates und der Gemeinde hat." Italien. Florenz. Der Ausschuß des israelitischen Congresses zu Ferrara hat eine neue Generalversammlung von Repräsentanten aller jüdischen Gemeinden Italiens nach Florenz zusammenberufen. Zweck der Versammlung ist, Mittel ausfindig zu machen, wie der bedrängten Lage der Gemeinden aufzuhelfen ist und bei Gelegenheit der Ordnung der Beziehungen zwischen Staat und Kirche, von der Regierung Staatssubvention zu Gunsten des israelitischen Kultus zu erwirken. (Gegenwart.) Frankreich. Paris. Die medicinische FaciPtat hat neulich 6 neue. Professoren, unter denen unser Glaubensgenosse, Herr Dr. See ist, ernannt. Die Wahl fiel auf den»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.