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Der Israelit · 1867-06-26 · Heft 26 (26.6.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 26 (26.6.1867)
Date
1867-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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438 geitungsnachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. München, H, Juni. Das englische Unter- Haus hat am 29. Mai einen hocherfreuten Beschluß gefaßt. Mit 200 gegen 156 Stimmen wurde nämlich in zweiter Lesung die Bill angenommen, welche bestimmt, daß die Universitäten Oxford und Cambridge nicht allein von Mltgtredern anderer Religionsgenossenschasten besucht werden dürfen, sondern daß auch die reichen Stiftungen dieser Hochschulen ein Gemeingut der Studirenden ohne Unterschied des Glaubens sein sollen. Wenn man bedenkt, welch' unermeßliche Schätze die Bibliothek der Ersteren an Manuskripten und andern Werken besitzt — ich erwähne nur die „Section Oppenheim" — so kann dieser Beschluß nur geeignet sein, unseren israelitischen Glaubensgenoffen die größte Genugthuung zu gewähren, und uns mit Dank gegen den Allgütigen zu erfüllen. Rabb.-Cand. Skutsch. □ Stuttgart. Für das hier neuerrichtete (unbesoldete) Consulat für Oesterreich wurde der hiesige Banquier Th. Dreifuß als Ehrenconsul daselbst ernannt. — Aus dem Rabbinatsbezirke Frankenthal, im Juni. Wenn es einerseits die Aufgabe dieser für Juden und Judenthum so heilsam wirkenden Blätter ist, den feindlichen Elementen entgegenzutreten und sie zu bekämpfen, so ist es anderseits nicht minder wichtig, den Muth und die Ueberzeugungstreue anzuerkennen und redliches Streben zu ermuntern. Unser verehrter Bezirksrabb., Herr Dr. Salvendi, sucht das theilweise in Lethargie versunkene Judenthum hiesiger Gegend mit Kraft und Energie zu regeneriren. Welche Schwierigkeiten sich ihm dabei entgegenthürmen. davon macht sich ein Fernstehender kaum einen Begriff. Angriffe und Verfolgungen in öffentlichen Blättern, Verleumdungen und Verdächtigungen im eigenen Bezirk und all die andern schmutzigen Waffen, deren sich die Fanatiker der sogenannten Reform zu bedienen pflegen, werden in Bewegung gesetzt, um dem redlich Strebenden die Herzen zu entfremden. Allein es gelingt nicht — Herr Dr. Salvendi gewinnt täglich mehr Boden für seine segensoolle Wirksamkeit, und der Kern der jüdischen Bevölkerung steht zu ihm in Liebe und Verehrung. Unlängst benutzte man die Synagogenweihe in Neustadt a. d. H., um Herrn Dr. S. herabzusetzen und seinen Antipoden, den ultraneologen Dr. Grünebaum von Landau, auf den Schild zu erheben; man verfehlte jedoch vollkommen feinen Zweck. Gerade der öffentliche Tadel, mit dem man Herrn Dr. S. zu beleidigen dachte, mußte ihm in den Augen jedes Unbefangenen zum Ruhme gereichen, indem man dadurch Gelegenheit hatte, den Muth und die Ueberzeugungstreue des Mannes, der nicht heuchelt und nicht schmeichelt, zu bewundern, während Herr Dr. G. ob des ihm gespendeten Lobes hätte erröthen müffen; denn anerkennenswerth ist es, wenn ein Rabbiner in Gegenwart eines dem Judenthume fremden oder entfremdeten Publikums das heilige Religionsgesetz vertheidigt „zu verkünden meinem Volke sein Verbrechen und dem Hause Israels seine Sünde" — während der Beifall der Menge billig zu haben ist um ein Paar Tagesphrasen, wenn man den Leidenschaften schmeichelt und das, was unbequem geworden, als „veraltet" über Bord geworfen haben will, wenn man gegen „Werkheiligkeit und abgestorbenes Ceremonienwesen" vor einem Publikum zu Felde zieht, das großenteils den Sabbat nicht heiligt und die Speisegesetze nicht hält — wahrlich, der Lorbeer ist da billig zu holen, aber am Ende der Tage wird er theuer bezahlt werden müffen! Dem ehrenwerthen, gesinnungstüchtigen, überzeugungstreuen Dr. Salvendi hingegen, rufen wir aus vollem Herzen ein pow pin, „Sei stark und fest!" zu. □ Köln, im Juni. Das hier neuerrichtete (unbesoldete) Generalkonsulat für Oesterreich ist dem Banquier Ed. Oppenheimer als Honor. Generalkonsul dahier übertragen worden. Das neuerrichtete zu Breslau wurde dem königl. preuß. Commissionsrath Kaufmann Dr. PH. I. Coh en als Honor. Consul daselbst übertragen. Kreuznach, 7. Juni. Im Jahre 1648 sandte die königliche Regierung zu Arnsberg ein' Rescript an die jüdischen Lehrer des Regierungsbezirks, des Inhaltes, daß denselben unter Strafe verboten sei, eine der Tracht der evangelischen Geistlichen ähnliche zu tragen, weil dadurch die evangelische Religion verspottet würde. Als alle Gegenvorstellungen bei der Regierung nichts fruchteten, bewirkte man eine -Interpellation bei dem Landtage, in Folge deren der königl. Minister Herr v. Ladenberg auf die gegnerischen Gründe einging und der königl. Regierung befahl, das Rescript zurückzunehmen. Es war nämlich von den jüdischen Lehrern bewiesen worden, daß die Juden schon im Tempel die vorgeschriebene Tracht hatten, daß also ein solches Kleid keine Nachäffung ihrerseits sei. Was nun die Beschimpfung oder Verspottung der evangelischen Geistlichkeit durch diese Tracht betreffe, so sei es doch undenkbar, daß das kleine Häufchen der Juden seinen Cultus dazu verwenden sollte, den einer großen Ma-

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