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Der Israelit · 1867-06-26 · Heft 26 (26.6.1867) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 26 (26.6.1867)
Date
1867-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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437 Herz nicht mehr, sobald er ihm zur Gewohnheit geworden. „Notre envie," sagt Larochefaucault, wdure toujours plus longtemps que le bonheur de la personne que nous envions." Der Lastträger, der Landmann und der in tiefen Schluchten seine kärgliche Existenz sich erwerbende Arbeiter werden allmählich mit ihren Mühen befreundet, so daß dieselben nichts Betrübendes mehr für sie haben; aber die Zeit der Ruhe ist für sie schon an und für sich erfreuend, während sie dem Müssiggänger quälende Langweile verursachet, und die einfache Kost, von der Arbeit gewürzt, schmeckt ihm angenehmer, als die ausgesuchtesten Leckerbissen dem Wohlschmecker. Der Arme wird von einem kleinen Gewinnste höchst erfreut, da derselbe ihm die Aussicht bietet, sich seine Bedürfnisse anzuschaffen, während der Reiche bei dem Erwerbe von Taufenden gleichgiltig bleibt, da seine Bedürfnisse ohnehin gedeckt sind. Der Beifallsruf hat für den gefeierten Virtuosen, der Vivatruf hat für den beliebten Volksmann, der Triumphbogen hat für den glücklichen Sieger nichts besonders Erfreuendes, während der gewöhnliche Mensch, dem einmal eine solche Auszeichnung zu Theil geworden, sich an diese Zeit seines Lebens mit Wohlgefallen erinnert. Mit den Kränkungen im Leben hat es dieselbe Bewandtniß im verkehrten Maßstabe: Die im Genuffe und in Ehre lebenden Individuen sind gegen Leiden sehr empfindlich, die geringste unangenehme Berührung macht sie eine Zeit lang unglücklich, während der Arme selbst gegen harte Schicksalsschläge nicht sehr empfindlich ist. In dem vielfältigen Streben, Ringen und Erwerben wird der Mensch manchmal zur einstweiligen Ruhe gewiesen. Auf's Krankenlager hingeworfen, eingenommen von seinen Schmerzen, erscheint die Welt ihm in einem ganz andern Lichte als in seinem gesunden Zustande. ' Vom Lebensrausche ernüchtert, scheint die Welt ihm nicht mehr als eine Glücksleiter, auf der er die Aufgabe hätte, die höchste Stufe zu erklimmen; nicht mehr sieht er mit Verachtung auf alle die hinab, die an derselben hinter ihm zurückgeblieben; in tiefer Demuth schaut er auf seine Nebenmenschen hin und die Nichtigkeit des Ecdenglanzes fängt an, ihm einleuchtend zu werden. Jetzt erst erkennt er den hohen Werth jener Güter, mit denen die Schöpfung ihn ausgerüstet, wie im Vergleich mit diesen alle Erdenschätze zu einer Chimäre zusammenschrumpfen, wie nichtig z. B. aller Reichthum im Vergleiche gegen das Augenlicht, gegen die Fähigkeit sich fortzubewegen und überhaupt gegen die Gesundheit sei. Jetzt, am Rande des Grabes, bietet dem Menschen sich die Gelegenheit dar, das Trugbild des Erdenglanzes zu erkennen, das wahre Lebensziel zu erblicken und zu erreichen; sodann hätten die über ihn gekommenen Leiden ihren wohlthätigen Einfluß ausgeübt, indem sie ibn von seinem Wahne geheilt und seinem Ziele zugeführt. So sagt Jjob oupd iy sifiooa raim npsj ms . . . C’ncc1? irmi *k'sj nnts6 mpm . . . -!?ys’ rhu ds . . . n*on -n-n uvro nntEQ myn .mnn nnitf ’jo iipsj Bei Vielen aber bleibt diese natürliche Ermahnung ohne allen Erfolg. Von der Strömung der gemeinen Welt hingeriffen, gerathen sie wieder in ihre vorige Bahn, verwirren sich wieder im Labyrinthe des Lasters. Bei Solchen ist das Erkranken ganz zwecklos für sie selbst, aber desto heilvoller für die übrige Welt; denn die Krankheit des Menschen veranlaßte die Anatomiker, die Beftandtheile des Menschen und feine künstliche Constructron zu erspähen , den reichhaltigen Heckschatz, den die Schöpfung in die Kräuter gelegt, zu erforschen und durch Ergründung der inner« Schichten der Natur ein neues Feld der Gotteserkenntniß zu eröffi nen. So muß der Unvernünftige für dos Heil Anderer leiden. Nach vielen Erlebniffen, nach einer Menge süßer und bitterer Eifahrungen, ergrauet der Mensch und geht allmählich seinem Ende entgegen. Hier bemerken wir zwei verschiedene Arten von Alten: die einen sind solche, deren Leben für die Ewigkeit berechnet war; diese blicken mit Zufriedenheit auf die Vergangenheit, und das sich ihnen nahende Ende erwarten sie in Unerschrockenheit und unbesorgt. Von der Hitze der Jugend befreit, allen Eitelkeiten überhoben, führen sie ein ehrbares Leben, welches das graue Haar kennzeichnet und eine Allerszierde bildet, die jeder unverdorbene Mensch achtet und verehrt. Mit innerer Zufriedenheit und Selbstachtung tragen sie die ihnen von der Natur gegen ihre jüngeren Lebensgenoffen ertheilte Auszeichnung und gerathen nie auf den Gedanken, dieselbe verbergen zu wollen. Eine ganz andere Bewandtniß hat es mit jenen Alten, die bloß für das Zeitliche leben, diese nehmen mit Bedauern es wahr, wie sie für den Genuß immer weniger geeignet werden, und wie die Heranwachsende Jugend, denen sie keuchend nachhinken, hohnlächelnd auf sie herabblickt. Das graue Haar sowie die andern Attribute des Alters suchen sie sorgfältig zu verbergen, da es ihnen selbst davor graut. Wahrlich, ein solches Alter ist ein wahrer Jammer: „Des cheveux blaues," sagt atalie, „Nsana dignit6 exite le rire ou le mepriB". (Forts, folgt.)

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