Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1867)
- Date
- 1867-06-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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436 mit solcher warmen Liebe, grenzenloser Großmuth und Selbstverleugnung, wie Sie, unermüdlich und täglich mit erneuerter Kraft für das Wohl der leidenden Menschheit streben und wirken wird, der wie Sie keine andere Lebensaufgabe kennt, als den Segen der Liebe nach allen Seiten hin zu verbreiten, der wie Sie bloß in der Hütte der Armen, am Schmerzenslager der Kranken oder an der Bahre eines scheidenden Bruders angetroffen werden kann. Wir bedauern darum von Herzen jene Unglücklichen, die Sie suchen und nicht finden werden. „Da wir aber den edlen und heiligen Endzweck Ihrer Reise kennen, und wissen, daß nur der Nothruf unserer armen Brüder im heiligen Lande, denen Hilfe und Unter stützung bringen zu können, Sie den Pilgerstab ergreifen, Sie von uns entfernt, so wollen wir Gott anrufen, daß Er Ihr edles Unternehmen gelingen, daß Er Sie bei unfern Brüdern dies- und jenseits des at^ lantüchen Meeres reichlich Unterstützung in der Ausführung Ihres Vorhabens finden lasse, Sie glücklich und wohlbehalten mit Ihrer frommen Gattin nach dem Orte Ihrer Bestimmung geleite und endlich daß Er Sie auch bald zur Freude Ihrer zahlreichen Freunde und Anverwandten wieder glücklich und wohlbehalten mit verjüngten Kräften in unsere Mitte zurückführe. „Indem wir hoffen, daß Sie so wie in Ihrer Heimath auch bei unseren Brüdern in der alten und neuen Welt Anerkennung und überall bereitwillige Unterstützung finden werden, zeichnen wir hochachtungsvoll, Ihre Freunde (folgen die Unterschriften)." Auch wir schließen unsere Wünsche für das Gelingen dieses hochherzigen Planes denen der erwähnten Gemeinde an. Das neuerwachte Gefühl für das Land unserer Väter erfüllt uns mit den schönsten und freudigsten Hoffnungen. Die jrs rwm, die thätige Theilnahme für Zion und dessen Bewohner ist ein erfreuliches Zeichen der Zeck; es sind das die eisten Anfänge eines neusichregenden Nationalbewußtseins, die eine bessere Zukunft für Juden und Judenthum in Aussicht stellen. Die biblischen Verheißungen in Ge?ug ans die letzten Ziele des menschlichen Strrbens. Von ckulin8 Haas. (Fortsetzung.) III. Der Mann. Wenn der Jüngling sein Mannesalter erreicht, wenn er ein Haus, eine Familie bilden und unter einer Menge von Coneurrenten sich seinen Antheil in der Schöpfung erwerben will, so wird ein großer Unterschied in den Geschicken der Menschen bemerkt: Der Eine muß mit leerer Hand sein Geschäft beginnen und ist darauf angewiesen, von dem kärglichen Ertrag seiner Arbeit zu leben, während Andere Schätze von ihren Vorgängern erben, oder, vom Glücke begünstigt, in einem Tage Mehrgewinnen als der emsige Arbeiter in der Zeit seines ganzm Lebens. Ich spreche hier nicht von solchen, die durch Trägheit, Verschwendung oder Schlemmerei in tiefe Armuth versetzt werden, denn diese Selbstverschulder ihres Elends sind als Ausnahmen in der Gesellschaft zu betrachten; aber die Rede ist hier von solchen, die mäßig und fleißig leben, demzufolge sie zwar keinen Mangel leiden, jedoch nicht so wie jene Glücklichen Paläste bewohnen, nicht wie jene im Ueberfluffe, in Glanz und Ehre leben können. Diese Verschiedenheit der menschlichen Geschicke, die den Neid so mächtig anregt, ist doch nur dem äußern Anscheine nach so groß, in der Wirklichkeit aber ist sie gar nicht vorhanden; denn es kann der Arme sich nicht darüber beklagen, er müsse allein alle Arbeit in der Welt verrichten, von der der Reiche befreit sei, da doch dieser ebenso wie er thätigen Antheil an allen Geschäften nehmen muß; er kann sich nicht mit dem begnügen, was seine Vorfahren oder was er selbst sich schon bereits erworben, und wären seine Schätze von noch so großem Umfange, seine Würden noch so ehrenvoll, umsonst! die Vorsehung will es so, ihr Besitzer muß darauf sinnen, muß wie der Arme arbeiten, um Mehreres und Wichtigeres sich anzuschaffen: Künstler, Reiche, Gelehrte und Fürsten, alle arbeiten, alle streben, sich höher emporzuschwingen. Und würde auch einer an die äußerste Spitze des Reichthumes und des Ruhmes gelangen, so müßte er, seinem Begehrungsvermögen zufolge, wie der Prophet den Nebukadnezar schildert, himmelan streben und wetteifern mit dem Allnlächtigen. (Jesajas 14. C.) Was nun die Lebensfreuden betrifft, so ergibt sich Folgendes: wenn ein Prosperimeter entdeckt werden würde, durch den die menschlichen Freuden, der Wärme oder der Kälte gleich, dem Grade nach abgewogen werden könnten, so würde man wahrnehmen, daß hinsichtlich derselben kein Menfchenklasse bevorzugt sei; denn die Erfahrung lehrt, daß der Mensch von der Gewohnheit dirigirt wird, daß sowohl des Lebens Annehmlichkeiten als dessen Widerwärtigkeiten das zu sein aufhören, sobald man ihrer gewohnt wird; sie werden ihm dann zur zweiten Natur, ohne daß sie die Sinne mehr afficiren: der an Delikatessen gewöhnte Gaumen fühlt bei deren Genüsse nicht mehr jenes Angenehme, welches den Mund des Armen so lüstern wässert, der blendende Glanz der Reichen, der den Neid tausender Menschen erregt, erfreuet des Besitzers