Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1867)
- Date
- 1867-06-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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428 er den reformirenden Bestrebungen jener Zeiten dadurch den ersten Stoß versetzte, daß er aus den Werken nichtjüdischer, sogar judenfeindlicher Gelehrten des Mittelalters die Autorität der Tradition nachwies. Pleßner war also der erste Vorkämpfer für das orthodoxe Judenthum in deutscher Rede und deutscher Schrift. 1833 erschienen von Pleßner: „Die apokryphischen Bücher in's Hebräische übersetzt und mit einer Einleitung und mit vielen Anmerkungen versehen, nebst einem Anhänge verschiedenen Inhalts." I. Theil. Berlin 1833, im Verlage des Verfaffers. Damals lebte Pleßner schon als Religionslehrer und Prediger in Berlin, wo er ebenfalls für die dort fast ganz erstorbene Orthodoxie segensreich wirkte, bis denn andere verderbliche Einflüße jedes redliche Streben zu Nichte machten und Pleßner selbst das Feld räumte, um in Posen, einer der orthodoxesten Gemeinden Preußens, sich einen neuen Wirkungskreis zu schaffen. In Posen lebt Pleßner noch jetzt, geliebt, geschätzt von seinen Freunden, und geachtet selbst von seinen Gegnern auf religiösem Gebiete. Während seiner Anwesenheit in Berlin gab Pleßner auch noch sein allgemein bekanntes Religionsbuch: nmrvi ntpc m, Berlin 1838, und mehrere kleine Schriften heraus. Seinen eigentlichen literarischen Ruhm begründete jedoch Pleßner durch seine Predigten, von denen, außer zahlreichen Casualreden, erschienen sind: „Materialien zu tieferm Einblicke in das alte Testament oder religiöse Vorträge für Israeliten," 2Bde. Berlin 1840 u. 41, bei Heymann; „Trauungsreden für Israeliten," Berlin 1839. „nopo ttnp oder Festreden und Festvorbereitungsreden auf alle Feste des Jahres." Berlin 4841. „nmrr pa, die kostbare Perle, das Gebet." Berlin 1844. Seit jener Zeit ist von Pleßner nur wenig erschienen. Entweder ist er von Amlsgeschäften zu sehr überhäuft, oder hat ihn, wie so manchen andern großen Mann, die Teilnahmslosigkeit und der Jndifferentismus des israel. Publikums von jeder literarischen Thätigkeit abqeschreckt, oder — und das wäre wohl am besten — beschäftigt sich der Meister mit einer großen Arbeit, der er einen großen Theil seiner Mußestunden widmet und mit der er unsere Literatur noch zu bereichern gedenkt. Doch, wie gesagt, das sind bloße Vermuthungen, und es ist unser und gewiß aller Leser Wunsch, die die Pleßner'schen Geistesprodukte kennen, daß die letztere zur Wahrheit werde. Die moderne Kritik unserer jüdischen Reformblätter hat Pleßner's Werke größtenlheils ignorirt. Was sollte ihnen auch die Recension solcher Werke; loben wollten die Herren nicht, tadeln konnten sie nicht, und darum schwiegen sie lieber. Dafür erfuhren Pleßner's Predigten von der christlichen Kritik, die sonst den Werken von jüdischen Gelehrten nicht sehr hold ist, eine ausgezeichnete Beurtheilung. Prof. Delitzsch in Erlangen nennt sie im literarischen Anzeiger für christl. Theologie, März 1637, 19 u. 20, „einen wirklichen Spiegel des Judenthums, eine umfaffende Kenntniß der synagogalen Literatur" und empfiehlt das Werk allen christlichen Theologen „als einen Speicher geschichtlicher Notizen zu sehr guter Benutzung" u. dergl. m. Sehr oft wurde auch Pleßner der Schleiermacher der Juden genannt; nachzuweisen inwieweit dies gerechtfertigt ist, ist nicht Aufgabe dieser Zeilen. In seinen Predigten sucht Pleßner so viele Schriftstellen als möglich zu erläutern, wodurch sie für Prediger besonders werthvoll sind. Alle seine Werke zeichnen sich durch Gründlichkeit der Forschung, durch eine poetische, schön gehaltene Darstellung und durch eine ungewöhnliche Gedankenfülle aus; und ist auch oft in denselben die Diction hinter dem Gedanken zurückgeblieben, so wird man durch die Fülle herrlicher Ideen für die mehr oder minder kunstgerechte Darstellung reichlich entschädigt. Wir schließen diese Skizze mit dem Wunsche, daß es Pleßner noch lange vergönnt sein möge, zum Segen seiner Gemeinde und Israels zu wirken, damit er der Stolz seiner zahlreichen Breslauer und Berliner Verwandten und Freunde und eine Zierde des orthodoxen Judenthums bleibe. Mögen an Pleßner die Worte des 128. Psalmes, den er selbst so herrlich in's Deutsche übertragen, bald zur vollen Wahrheit werden: Von Zion mag der Segen sein, Schau Salem's Heil hienieden; Sieh Deiner Kinder Kindelein, Sieh Israel in Frieden. G. Karpeles, stuck, tllsol. Stettin. Aus dem Rechenschaftsbericht des nunmehr seit 13 Jahren bestehenden Waisenhauses dahier ersehen wir, daß die Finanzlage desselben sich immer bester gestaltet und daß jetzt das Grundcapital eme Summe von 12,631 Thlr. beträgt. Der Vorstand der n":n «tcmp mnn dahier hat jüngst einen Bericht über das Wirken derselben im verflossenen Jahre veröffentlicht. Der Verein hat jetzt ein Grundcapital von 1800 Thlr. Nordhausen. Als Seltenheit theile ich Ihnen mit, daß sich hier ein jüdischer Kaufmann mit einer zum Judenthum übergetretenen Christin, eines Oeconomen Tochter aus Schasfttädt, in der Kürze ehelich verbinden wird. Die Kreuzzeitung bemerkt dazu: Leider kommen solche Uebertritle jetzt öfter vor. In Berlin sollen allein im vorigen Jahre 11 Christinnen aus gleichem Grunde ihren Glauben verlassen haben. (Kölner Ztg.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Gr. - Wardein, am 3. Juni. Ich kann es nicht unterlassen, den geehrten Lesern Ihres werthen Blattes, denen es nicht ohne Interesse sein dürste, daß