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Der Israelit · 1867-06-19 · Heft 25 (19.6.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 25 (19.6.1867)
Date
1867-06-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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427 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Lübeck, im Sivan. Sie haben schon in diesen Blättern von den guten Aussichten berichtet, die unsere Glaubensgenossen in Oesterreich haben, emancipirt zu werden. Thatsächlich kann ich Ihnen nun berichten, daß in dieser Beziehung schon ein bedeutender Schritt vorwärts gethan worden ist. Dem constitutionellen Gebrauche gemäß will nämlich Herr v. Beuft ein Ministerium bilden, welches von der Majorität des Reichstages unterstützt wird. Dasselbe soll schon in kurzer Zeit in's Leben treten; die Zustimmung des Kaisers hiezu soll bereits gewonnen sein. Die mit verschiedenen Abgeordneten gepflogenen Unterhandlungen sind geschlossen, und wird die Ernennung Herbst's zum cisleithanischen Finanzminister, des Grafen Alfred Potoki zum Ackerbauminister, des Handelskammerpräsidenten Winterstein zum Handelsminister als nahe bevorstehend bezeichnet. Was speciell die Berufung des letztgenannten Herrn in's Cabinet betrifft, so ist dieselbe vornehmlich auch darum von Bedeutung, weil seine Ernennung — Winterftein ist Jude — den Beweis liefert, daß mit den früher in confessioneller Beziehung vorherrschenden verrotteten Ansichten nunmehr endlich gebrochen werden soll. — Im Mecklenburger Landtag steht der Versassungsentwurf für den Norddeutschcn Bund zur Verhandlung. In der Sitzung vom 3. Juni fragt v. Oertzen-Brunn bei Artikel 3, ob Juden auch Mecklenburgische Rittergüter kaufen können; Pohle-Schwerin sagt, so lange ein Mecklenburger Jude das nicht dürfe, könne es auch ein Preußischer nicht. Pogge-Blankenhoff: die Sache sei im Parlamente zur Sprache gekommen; nach dem Handelsverträge mit Frankreich hätten französische Juden das Recht zum Ankauf solcher Güter, nicht aber deutsche (!!!) — Wie die „Zeitung für Norddeutschland" meldet, ist der Banquier Ezechiel Simon*) aus Hannover, der bekannte treue Anhänger des gestürzten Welfenhauses, seiner Haft in Berlin gegen eine Caution von 10,000 Thalern entlassen worden. — So betrübend auch die Vorgänge zu Jassy sind, so fördern sie doch andrerseits wieder die erfreuliche Thatsache zu Tage, daß jetzt keine barbarische und rohe Bevölkerung in irgend einem Winkel Europas mehr Judenhetzen und *) Anm. der Red.: Der in Rede stehende Banquier heißt Israel Simon und ist Chef der Firma Ezechiel Simon; derselbe ist ein streng orthodoxer Jude, ein äußerst rechtschaffener Kaufmann und ein überaus wohlthätiger Mann; so hat er aus eigenen Mitteln in Hannover ein Waisenhaus errichtet. Herr Obercommerzienrath Simon ist der reichste Mann des ehemaligen Königreichs Hannover; sein Vermögen wird auf dreizehn Millionen Thaler geschätzt. — Judenverfolgungen heraufbeschwören kann, ohne von den Mächten Europas daran verhindert zu werden. Gott verläßt sein Volk nicht und erweckt ihm stets Helfer und Beschützer. ’ib rvao BreSlau, am Rüsttage des Schabuothfestes. Wenn es für jedes Volk und jede Nation, die zu den civilisirten Völkern gehört, erhebend und belehrend ist, das Andenken berühmter Männer zu feiern, so ist dies bei uns Juden gewiß der Fall; denn die jüdischen Männer unseres Jahrhunderts, die Orthodoxie und Wissenschaft vereinen, die das nn in«n -wk sid 7t n« run ,tdi auf ihre Fahne schreiben, sind leider von geringer Anzahl, und der unerbittliche Tod hat diesem herrlichen Strahlenbunde schon manche edle Perle entrissen. Wie erhebend ist daher für jeden frommen Israeliten das frohe Bewußtsein, in seiner Mitte noch Geisteshelden zu sehen, die würdig den Platz unserer Vorfahren ausfüllen. Dieses freie Bewußtsein manifestirt sich am besten bei den Jubiläen und Geburtstagen solcher Männer, wo denn zahlreiche Glückwünsche und Adressen dem Jubilar den Dank und die Anerkennung seiner Mitbürger darbringen. Doch nicht jede Per'önlichkeit ist geeignet, Dankesadressen und Beglückwünschungen entgegenzunehmen; manchem großen Manne verbietet es die Bescheidenheit, und im stillen Kreise der Seinen feiert er sein herrlichstes Fest. Einen solchen 70jährigen Geburtstag feierte vor wenigen Wochen einer der begeistertsten Vorkämpfer des orthodoxen Judenthums, eine Zierde der ganzen europäischen Judenheit, einer der vorzüglichsten Prediger unserer Zeit, der würdige Prediger der israel. Gemeinde zu Posen, Salomon Pleßner. Die Bescheidenheit dieses Mannes ging so weit, daß er absichtlich vorgab, er feiere erst seinen 69. Geburtstag, um allen Ovationen zu entgehen. Der gelehrte Schwiegersohn Pleßner's, Herr vr. Hirschseld, hätte gewiß in diesen geschätzten Blättern von diesem Ereignisse Anzeige gemacht, wenn er nicht etwa unangenehme Folgen für den würdigen Mann befürchtete. Da nun jedoch bereits mehrere Wochen vorüber und diese Nachricht sich auch in weitern Kreisen verbreitet hat, so glauben wir, daß es gewiß für die Leser des „Israelit" sehr interessant sein wird, eine Betrachtung über die segensreiche Thätigkeit Pleßner's anzustellen. Salomon Pleßner wurde 1797 zu Breslau geboren, widmete sich zuerst dem Kausmannsstande, da er aber ein großes Talent und viele Fähigkeiten besaß, widmete er sich später der jüdischen Theologie. Nach erlangter Befähigung zum Rabbiner predigte er mehrere Jahre hindurch in der Synagoge der orthodoxen Gemeinde zu Breslau. Im Jahre 1825 erschien sein erstes Werk: „Wort zu seiner Zeit, oder die Autorität der jüdischen Traditionslehre, als des mündlichen Gesetzes"; Breslau bei Hirsch Sulzbach; indem

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