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Der Israelit · 1867-06-19 · Heft 25 (19.6.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 25 (19.6.1867)
Date
1867-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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424 gen Hai ist verschlungen worden! O, ich habe seinen Tod zu verantworten. Von mir hast Du das Leben deines Gatten zu fordern!" Und der unglückliche Greis barg sein Gesicht in beide Hände. „„Sprecht nicht so, theurer Vater,"" entgegnete Viola, „„mir sagt eine untrügliche Ahnung, daß mein Jsak noch lebt!"" „Noch lebt? Ja, es ist möglich, wenn Seeräuber die Speranza gekapert und meinen Sohn als Sclaven verkauft haben. Ich will Schiffe ausrüsten und sie nach Tunis und Tripolis, nach Algier und Marocko senden, meinen unglücklichen Sohn zu suchen." Da öffnete sich die Thüre und ein Diener trat herein. „„Herr,"" sprach er, „,,eS ist ein Mann draußen, der Euch eiligst zn sprechen wünscht."" „Laß ihn hereintreten! O, daß er Nachricht von meinem Jsak brächte!" Kaum hatte sich der Diener entfernt, so öffnete sich die Thüre wieder, und mir lautem Aufschrei stürzten Don Abraham und Viola auf den eintretenden Perez zu. „Perez, bist Du's wirklich, Perez, wo ist mein Sohn?" rief ihm Don Abraham entgegen. „„Perez, wo habt Ihr meinen Gatten? O, führt ihn eilig uns zu!"" rief fast gleichzeitig Viola aus. „Ach, mein Sohn ist tobt, ich sehe es an Deinem kummervollen Antlitz, Perez!" sagte betrübt Don Abraham. „„Rein,"" rief dagegen Viola, „„er ist nicht todt, o, sagt es uns, Perez, daß er noch lebt!"" „ Ja, noch lebt er!" stieß Perez mühevoll hervor. „„Gott sei Dank, er lebt noch!"" jubelte Viola. „Noch lebt er!" rief Don Abraham schmerzlich, „also ist sein Leben bedroht; geschwind, sage uns eilig, wie wir ihn retten können!" „Beruhigt Euch, lieber Herr," entgegnete Perez, „und laßt mich ruhig und ausführlich erzählen; nachher mögt Ihr sehen, was zu thun ist." Nachdem Perez sich ein wenig erholt hatte, begann er seine lange und traurige Erzählung. Der treue Mensch hatte in Madrid einen Geschäftsfreund de Pinto's ausgesucht und ihn beauftragt, alles Mögliche zur Rettung Don Jsaks zu versuchen, sein Schicksal zu erleichtern oder doch für die Hinrichtung Don Jsak's, wenn sie beschloffen werden sollte, Aufschub zu erhalten; dann war er Tag und Nacht gereist und war soeben in Amsterdam angekommen. Don Abraham und Viola hingen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit an seinem Munde. Als Perez seine Erzählung beendet hatte, war Don Abraham ruhig. „Wenn mein Sohn sterben muß," sagte er, „so stirbt er für die Heiligung des göttlichen Namens — der schönste Tod, den ein Mensch sich wünschen kann. Er hat Recht gethan, daß er sich geweigert hat, sein Leben durch eine heillose Lüge zu erkaufen. UebrigenS will ich Alles aufbieten, ihn aus der Gefahr zu retten." „„Und was denkt Ihr zu thun, Vater?"" fragte Viola. „Vor Allem werde ich zum Erbstatthalter*) fahren," entgegnete Don Abraham, „und die diplomatische Vermittelung der Niederlande in Anspruch nehmen." Bereits graule der Morgen, als die Drei sich trennten. Noch an demselben Tage fuhr Don Abraham zum Erbftatthalter nach dem Haag; dieser empfing den ersten Kaufherrn des Landes mit ausgesuchter Höflichkeit; mit großer Theilnahme hörte er der Erzählung von Don Jsak's Schicksale zu; doch vermochte er nicht dem unglücklichen Vater viel Trost zu verheißen. Die diplomatische Verwendung der Niederlande sei in diesem Falle voraussichtlich ganz erfolglos, und Spanien den Krieg zu erklären, stände nicht in seiner Macht. „Wollt Ihr Eurem Sohne helfen," fügte der Prinz hinzu, „so muß es durch Lisi geschehen. Euer großes Vermögen gibt Euch ja viele Mittel an die Hand, und wenn ich Euch darin nützen kann, so bin ich gern bereit." Ganz trostlos kehrte Don Abraham nach Amsterdam zurück und berichtete seiner Tochter von seinem erfolglosen Schritte. Viola ließ sich die Worte des Erbstatthalters auf'S Genaueste wiederholen. Plötzlich sprang sie auf und rief: „Vater, ich werde meinen Gemahl unter göttlichem Beistände erretten! Aber jetzt erlaubet mir, daß ich mich zurückziehe, damit ich über meinen Plan weiter Nachdenken und ihn als einen fertigen Euch vorlegen kann." Am andern Tage enthüllte Viola ihrem Schwiegervater den Plan, den sie sich ausgedacht hatte. „Thörichtes Kind," sprach Don Abraham, „soll ich auch Dich noch opfern, nachdem ich meinen Sohn verloren habe? Ich dulde nicht, daß Du Dich solchen Gefahren aussetzeft!" Aber Viola ließ nicht nach mit Bitten, bis sie die Einwilligung ihres Schwiegervaters erlangt hatte. Als diese endlich ertheilt war, da wurden in größter Eile alle Vorbereitungen zur Ausführung getroffen. (Fortsetzung folgt.) *) Holland war früher eine Republik, an deren Spitze ein Prinz aus dem Hause Oranien als Erbstatthalter stand. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Ro u x'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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