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Der Israelit · 1867-06-19 · Heft 25 (19.6.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 25 (19.6.1867)
Date
1867-06-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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423 Paris. Durch Deeret vom 20. April ist Herr Löonce Lehmann, Doctor der Rechte, zum Advokaten beim Staatsrath und Caffationshof ernannt worden. Wir heben diese Ernennung mit besonderer Befriedigung hervor, weil Herr Lehmann, obgleich noch ganz jung, schon eine bedeutende Stellung unter den Juristen in Paris einnimmt, aber auch weil er ein gesinnungstüchtiger Glaubensgenosse und Mitglied des Wohlthätigkeits-Comit^s ist, weil er aufrichtig seinem Glauben anhängt. Er folgt Herrn Lächere, welcher seine Demission gegeben, im Amte. Diese Stelle wurde früher von Herrn Crämieux, dem ersten Juden, welcher am Kaffationshof plaidirt hat, eingenommen, und wird nunmehr von einem andern Juden, der seit mehreren Jahren dessen intimster Sekretär war, bekleidet. (Univ. Jsr.) Metz. (Curiosum.) Während des letzten Maimarktes war dahier ein niederländisches Theater unter der Leitung des Herrn Kuntznaar. Die Gesellschaft besteht nur aus Juden und zwar aus orthodoxen Juden. Das Theater war von Freitag Abend bis Samstag Abend wegen des Sabbats geschlossen und die Akrobaten haben in frommer Weise den Samstag dazu benützt, den Gottesdienst zu besuchen. Diese Truppe beobachtet ganz streng die religiösen Vorschriften des Judenthums. Eine solche religiöse Treue auf den Reckbänken ist zu bewundern. (Univ. Jsr.) England. London, den 3. Juni. Die Zahl der hier angestedelten deutschen Juden hat sich in den letzten 20 Jahren so sehr vermehrt, daß sie sich nun eine eigene Synagoge gebaut haben. Sie enthält gegen 700 Plätze und wurde vorgestern mit entsprechenden religiösen Ceremonien und einer von Dr. Friedländer gehaltenen deutschen Rede festlich eingeweiht. London, 4. Juni. Im Unterhause erwiderte Lord Stanley auf eine Frage Hrn. Layard's, ob die Regierung gegen die Mißhandlungen der Juden in den Donaufürftenthümern remonstrirt habe: „Von vielen Mitgliedern der hi sigen jüdischen Gemeinde erhielt ich Vorstellungen über die schwere Unbill und Verfolgung, denen die Juden in jenen Provinzen ausgesetzt feien. Diese Vorstellungen sind wie ich zu glauben Grund habe, wohl begründet, und habe ich dem britischen Generalconsul in Bukarest telegraphisch die Weisung zugehm lassen, er möge, da es sich hier um eine rein menschliche und nicht politische Frage handle, in höflicher aber starker Weise über diese Angelegenheit Vorstellungen machen. Dies ist wie mir gemeldet wird, geschehen und ich hoffe, daß die Wirkung für die Betreffenden eine wohlthätige sein werde." (Hört!) Türkei. Konfkanlinopel. Die allbekannte isr. Familie Camondo in Konstantinopel hat vor kurzer Zeit wohlverdiente hohe Auszeichnungen erhalten. — Die Herren Abraham und Nissim Camondo sind mit dem Medjidis Orden 2. Klasse dekorirt worden, und der König von Italien hat den Herrn Abraham Camondo in den Grafenstand erhoben. (Univ. Jsr.) Afrika. Tunis. Zu unserem größten Bedauern haben wir mitzutheilen, daß unter der jüdischen Bevölkerung in Tunis die Cholera ausgebrochen ist. Die jüdische Bevölkerung ist daselbst sehr stark und herrscht unter denselben große Armuth; ebenso ist das Judenviertel nicht als sehr gesund zu nennen. (Jew. Chron.) Feuilleton. Ke Uwto von Amsterdam. (Fortsetzung.) IX. Nach der Abreise Don Jsak's von Amsterdam war das Verhättniß Don Abraham's zu seiner Schwiegertochter ein viel liebvolleres geworden. Jeden Abend nach dem Abschlüsse des Geschäftes suchte Don Abraham Viola auf, und dann war fast der einzige Gegenstand ihrer Unterhaltung der abwesende Sohn und Gatte. Jedesmal, wann ein Brief von ihm einlief, war ein Festtag im Hause de Pmto's; als die Nachricht von dem Einsturze des Vulcans und dem Tode der Mannschaft eintraf, war Don Abraham um seinen Sohn aufs Aeußerste besorgt, und nur der Gedanke tröstete ihn, daß Jan Matthes gerettet war und Alles aufbieten würde, seinen Sohn sicher heimzuführen. Als aber Monat auf Monat verrann, als andere Schiffe die Meldung von der längststattgehabten glücklichen Abfahrt der Speranza brachten, von dieser selbst aber keinerlei Nachricht einlief, da erreichten die Sorge des Vaters und die Angst der Güttin den höchsten Grad. Viola suchte, wiewohl selbst tiefbeküminerten Herzens, ihrem Schwiegervater Muth einzuflößen, der sich die bittersten Vorwürfe machte und sich stets anklagte, er habe seinen Sohn ins Verderben getrieben. An einem trüben Winterabende kam Don Abraham zu seiner Schwiegertochter und erzählte ihr von einem glänzenden Geschäfte, welches das Haus de Pinto soeben mit dem Könige von Schweden abgeschloffen hatte. „Doch, was hilft mir das Alles," fügte er seufzend hinzu, „da mein Sohn wahrscheinlich am Meeresgrund gebettet liegt oder gar von einem gieri-

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