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Der Israelit · 1867-06-19 · Heft 25 (19.6.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 25 (19.6.1867)
Date
1867-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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420 angeregt, bringen Großes und Schönes hervor; aber Niemand hat das Ganze vor Augen, Jeder hat das winzige Ich zum Ziele, durch das er zur Vollführung irgend eines Werkes von der Vorsehung geleitet wird; nur der Meister beabsichtigt der Gesammtheit Wohl, die einzelnen Künstler sterben, andere treten an ihre Stelle, setzen fort ihrer Vorgänger Werk, nur der Meister bleibt ewig und mit ihm die verschönerte Welt. Damit aber die Liebe, dieser mächtige Anreger der menschlichen Kräfte, nicht Unheil unter den Menschen stifte, daß ihr zu früher Genuß sie nicht verkrüppele, ihre öftere Pflege sie nicht entkräfte und die Eifersucht sie nicht entvölkere, hat die Alloernunft der Keuschheit eine Stütze geschaffen, die wunderbarer als der Regenbogen am Firmamente ist: es ist dieses die Schamhaftigkeit. Welch' ein subtiles Gefühl, dessen einzige Bestimmung ist, der schwachen Moral eine mächtige Stütze zu werden, die, wenn die Religion vernachlässigt, die Sittlichkeit unbeachtet ist, doch immer an der Seite der Keuschheit verharret! Die Liebe, durch das Ehegesetz geregelt, bildet den Grundstein des gesellschaftlichen Lebens, des häuslichen Glückes, des Familienbandes und den Grundstein der sittlichen Erziehung der Jugend. Welches Ziel aber verfolgen die in den Ehestand tretenden Individuen, welche Absicht veranlaßt sie, ihre Geschicke von denen Anderer abhängig zu machen? Da gibt es der Ursachen gar viele: Liebe, Reichthum, Lebensstütze. Bequemlichkeit u. dergl. Andere wieder lasten alle sich ihnen darbietenden Vortheile unbeachtet und bleiben unverehelicht, dennoch aber wird das Ziel der Vorsehung durch die, verschiedene Vortheile verfolgenden Personen vollständig erreicht. Ob aber die Eheleute ihre Absicht erlangen, ob der Vergängliche, der den dritten Theil seiner Lebenszeit bereits überschritten, ob er die ihm auf Erden noch bestimmte Frist in Bequemlichkeit, in Wohlhabenheit, in Ehre, oder in Bedrängniß, in Armuth und in Verachtung zubringen wird, ob das irdische Glück ihn oder er dasselbe früher verlasten wird, ist für den, der die Ewigkeit überblickend, das zeitliche Leben als eine bloße Vorbereitung zu einem bessern betrachtet, ein Nichts, unwerth jeder ernsten Beachtung. Daß aber Jemand eine andere Meinung vom Leben hat und das irdische Dasein als sein einziges betrachtend, blutige Thränen weint, wenn er anstatt der gesuchten Perle eine Glaskoralle gefunden, wenn er anstatt der Freude nur Jammer getroffen, das thut dem Ganzen keinen Abbruch; mag es der Alberne immerhin beweinen, daß er den kindischen Sieg nicht errungen; er befördert dennoch, wenn auch unbewußt, des Kreises Schwung, in welchem der Weise seinem Ziele immer mehr sich nähert und seines Daseins sich erfreuet. _ (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. In Württembergischen Blättern lesen wir, daß unser kürzlich verstorbener Mitbürger, Herr M. L. Rosenstein (Israelit), seinem Geburtsorte Braunsbach ein Se^at von fl. 20,000 ausgesetzt hat, indem er fl. 10,000 der dortigen israel. Gemeinde uno fl. 10,000 der evangelischen und katholischen Gemeinde behufs der Armenunterstützung überwiesen hat. (Frf. Ztg.) Berlin. Unter den bei dem Hause der Abgeordneten während dieser Session eingegangenen Petitionen befindet sich, wie uns mitgetheilt wird, ein Gesuch von Gottschalk und Genoffen zu Wangerin. die jüdischen Einwohner dieser Stadt von Entrichtung des dort üblichen Jahrgeldes für den Superintendenten und des sogenannten Rectorgroschens für den Prediger zu i entbinden; sowie eine Petition des Vorstands-Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde zu Rakel, L. A. Kallmann, daß die Jnspection über die dortige jüdische Elemen-! tarschule dem evangelischen Geistlichen entzogen, und dem Rabbiner Dr. Cohn daselbst übertragen werde. (Gegenwart.) Bad Homburg, im Juni. Unser Kurort ist noch ziemlich leer, doch sind schon verschiedene Gäste, unter ihnen der in weitesten Kreisen bekannte, edle Menschenfreund, Herr Jos. Hirsch aus Halberstadt, hier. Für die Leser des „Israelit", die bereits so viel und so Wesentliches zum Wohle unserer armen Brüder im heiligen Lande gethan, wird es von Jntereffe sein, zu erfahren, daß sich auch auf hiesigem Platze ein Comitä für Beiträge zur Errichtung von Pilgerwohnungen im heil. Lande gebildet, und daß dieses gelungen, ist vorzüglich der Anregung des Herrn Hirsch zu dank n. Derselbe machte als Mitglied des Centralcomitä's mehrere hiesige Einwohner darauf aufmerksam, von welcher Wichtigkeit der Bau von Wohnungen sei, und mit regem Jntereffe wurde die segensreiche Entwickelung vernommen. Alsbald constituirte sich unter dem Vorsitze des Herrn K. B. Rothschild dahier ein Comite, bestehend, außer dem Präsidenten, aus Herrn Rabbiner Fromm, Herrn B. I. Goldschmidt, Herrn Regierungsadvocaten Binge und Herrn Kaufmann Jacobson. Das Comits wird es sich zur Aufgabe machen, von der hiesigen Kultusgemeinde regelmäßige Spenden für den fraglichen Bau zu erzielen. Herr Goldschmidt wird so freundlich sein, die Emkassirungen zu besorgen und die Gelder Ihnen, geehrter Herr Redacteur, zu übermachen, zugleich mit dem Namensverzeichniß der Spender, um solches im „Israelit" zu veröff-ntlichen. Die Gründer des Somit« s betheiligten sich sofort durch ansehnliche Gaben,

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