Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1867)
- Date
- 1867-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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419 Jochanan ben Sakkai: „Stirbt Einem die erste Frau, so ist es, als ob der Tempel in seinen Tagen zerstört worden wäre;" 10) und endlich findet die Heiligkeit und Göttlichkeit des Ehebundes Ausdruck in den Worten Samuels ben Nachman: „Für alles gibt es Ersatz, nur nicht für die Frau der Jugend. u)" Aus dem Nachschlagen der Quellen für den Judaismus ergibt sich uns also in Bezug auf die alte Ehe ein ganz anderes Resultat, ja ganz das Entgegengesetzte von dem, was Herr Roman uns sagt. Die angeführten Sätze auf allgemeine Lehren zurückgeführt, der kurze Inhalt des Gegebenen wäre: Die Ehe ist von Gott gestiftet, darum göttlich, heilig, für die Lebensdauer berechnet; Gott hat das Weib dem Manne geschenkt, darum muß dieser dasselbe Hochhalten, schätzen, ehren, lieben. Die Frau ist der theuerste Besitz des Mannes. Der Mann ist der Herr des Hauses, innige Liebe soll aber vor Mißbrauch der Herrschaft hüten; Gott richtet und bestraft jeden Mißbrauch, namentlich den, welchen der Mann von dem ihm übertragenen Herrenrecht macht." — Possierlich ist, wie Herr Rönan dem Christenthum das Verdienst der Emancipation des kleinen Gewerbes vom jüdischen Vorurtheil vindicirt; Herr Rönan will nämlich in der Mischnah Kethuboth 7, 10 gelesen haben, daß das Ledergewerbe für unrein galt, daß die Gerber in besondern Stadttheilen wohnen mußten und nicht besucht werden durften. Nun aber habe Petrus bei einem Gerber Quartier genommen und durch solche Vorurtheillosigkeit die kleinen Gewerbe — veredelt. Possierlich im höchsten Grade! Im Talmud werden nur gewiffe Aussprüche gethan, die sich auf den Geruch, den das in Rede stehende Handwerk zur Folge zu haben pflegt, beziehen. Wenn nun Petrus eine gegen derartige Düfte abgestumpfte Nase hatte oder sich darüber hinwegsetzte, so bedeutet das: „Veredelung der kleinen Gewerbe". In der Thal, klassisch! — Selbst dasjenige, was Herr R6nan bei den Juden als gut anerkennen muß, sucht er aus unedlen Motiven abzuleiten. Er rühmt die Todesverachtung der Juden, die für ihre Religion sterben oder ein langes Martyrium erdulden — allein das Motiv ist ihm (man höre und staune!) Unduldsamkeit!!! Ein solcher Unsinn ist mehr als lächerlich, er ist boshaft und läßt sich bei dem sonst nicht judenfeindlichen Character des Herrn Rönan nur aus Folgendem erklären: Herr Renan bestreitet bekanntlich dem Christenthum die göttliche Grundlage; um es nun andrerseits wieder zu heben, sucht er dem Judenthum schlechte Seiten abzugewinnen; es ist, wie wenn Jemand sagt: „Es ist wahr, die Tochter taugt nichts; aber im Vergleich mit der Mutter ist sie noch ehrenwerth". Bei einiger Sachkenntniß jedoch wird mau bald einsehen, daß die hier besprochene Darstellung des Herrn Rönan eine auf Unkenntniß und Vorurtheil beruhende ist; Herrn Dr. Sulzbach aber sind wir dankbar dafür, daß er diese Seite der Rönan'schen Schriften so lichtvoll dargelegt hat. — Die biblischen Verheißungen in Äe?ug auf die letzten Ziele des menschlichen Sterbens. Von Julia» Haas. (Fortsetzung.) n. D r e Liebe. Mit dem Alter des Jünglings und der Jungfrau beginnt der Frühling des menschlichen Lebens, Gefühle erwachen, die zu neuem Leben erwecken. Siehe, wie emsig, wie ernsthaft sie plötzlich geworden sind, die bis jetzt so träge und flatterhaft gewesen? WaS ficht die Kinder so mächtig an, was hat sie so ernsthast gestimmt? Es ist die Liebe, die in ihren jugendlichen Herzen erwacht, die so mächtig auf sie wirkt. Die Menschheit, mit roher Kost und kärglicher Bekleidung sich begnügend, würde sich einer Trägheit hingeben, die alle göttliche Geschenke in der Natur unbenutzt und unbeachtet ließe; aber die Liebe regt daS Leben auf, durchwühlt die Erde, durchsucht das Meer und beobachtet das Gestirn; jeder von der Liebe angeregte Mensch sucht Vermögen und Ansehen zu erwerben, und strebt so, ein nützliches Glied der Gesellschaft zu werden. Eo arbeitet Jeder dem Schöpfungsziele zu, befördert das allgemeine Wohl, indem er irgend ein kleinliches Ziel zu verfolgen glaubt. Nun hat der Stoß von innen die Trägheit überwunden und die Menschen rennen durch- und übereinander, der Fleiß wird verdoppelt, die Aufmerksamkeit geschärft, und das Ergebniß davon ist die Entstehung dieser schönen Welt. Die Menschheit hat ein Werk vollbracht, das jeden Beobachter in Staunen versetzt: verpestete Luft ist gereinigt, sumpfiger Boden ist in lachende Städte und wilde Steppen sind in herrliche Fluren umwandelt worden. Aber wer hat den Plan zu dieser schönen Welt entworfen? Wer hat Palästinas Religion, Hella'- Kultur und Englands Gewerbfleiß nach den entferntesten Wellgegenden hin verpflanzt? Wer hat die KriegSwuth der Vorwelt erstickt und wer den europäischen Fürstenrath gebildet? Wer hat die dichten Wälder gelichtet, wer ziehet das Eisenbahnnetz um die Erde herum und wer bereitet den ewigen Frieden vor? Die Menschen! Ja, die Menschen, von innerm Drang 10 11) Sanhedrin f. 22 a.