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Der Israelit · 1867-06-12 · Heft 24 (12.6.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 24 (12.6.1867)
Date
1867-06-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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412 schaffung von 200 Männer - und Frauenkleidern für den Winter benützt. Diese Kasse hat eine Einnahme von 1500 Rubel. Aus der Krankenkasse erhalten arme Kranke je nach Umständen größere oder kleinere wöchentliche Beiträge, ebenso werden die für dieselben nöthigen Wächter bezahlt. Arme Wöchnerinnen werden je nach den Verhältnissen und der Zeit unterstützt. Arme Frauen, die ihre Kinder nicht säugen können, erhalten, um sich eine Amme anzuschaffen, monatlich 2 Rubel 55 Kopeken; dieselben müssen jedoch jeden Monat ein Zeugniß bringen, daß ihre Kinder noch am Leben sind. Eine Summe von 500 Rubel wird unter Arme, welche Bäder besuchen müssen, vertheilt. Der Armenkasse fließen jährlich 2500 Rubel zu. Im Ganzen werden auf diese Weise jedes Jahr 13,000 Rubel gesammelt. An jüdischen Steuern gehen jährlich 42,000 Rubel ein. Der Oberrabbiner bezieht einen Gehalt von 5000 Rubel, jeder der 12 d\j»h einen solchen von 200 -250 Rubel. Die Ausgaben für das Hospital betragen 5000 Rubel. Mögen unsere Glaubensgenossen in andern Städten in dem edlen und aufopfernden Streben der Israeliten in Warschau eine Aufmunterung zur Errichtung ähnlicher Institutionen finden. (Libanon.) Feuilleton. Pavid Puberri und Jl. Salomo Wolcho. Von Abraham Tendlau. (Fortsetzung.) Ich sah — und siehe, ein ehrwürdiger Greis mit schneeweißem Barte stand mir gegenüber und sprach: „Komme mit mir in eine der Ruinen von den Ruinen Jerusalems!" — Ich ging mit ihm dahin und dabei dünkte es mich, daß ich schon eine lange Zeit auf dem Wege sei. Auf dem Wege aber sah ich drei Bäume, alle einer Wurzel entsprossen, ihre Zweige aber theilten sich nach allen Seiten, und auf den Zweigen saßen Tauben, viele weiße Tauben, ihre Jungen aber waren anders, von aschgrauer Farbe/) und waren zahlreicher als die weißen, doch zeigte es sich bald, daß diese Farbe ebenfalls anfangs weiß gewesen war und sich erst in die aschgraue verwandelt hatte. Mitten unter ihnen aber saßen noch andere Tauben, schwarze, jedoch geringer an Zahl als die weißen. ^) Nahe bei den weißen Tauben war ein großes viereckiges Feld, mitten durch 7) „gawon deschcn.“ Grätz (IX. S. 265) fyat „ grün", wohl Nach dechenim weraanannira. — 8) Die weißen Tauben sollen wohl die Treugebliebenen in Israel bezeichnen; die aschgrauen die Scheinchristen, die im das Feld floß ein großer Strom, und jenseits der Stromes befand sich ein zahlreiches Volk, kriegsgeübte Männer, Ritter hoch zu Pferd, versehen mit allerlei Kriegsgeräthen, mit Schwertern, Spießen, Bogen und sonstigen Waffen, die metallene Kugeln mit Feuer schossen. Die Absicht dieses mächtigen Heeres aber war, die Bäume zu fällen, und ich hörte, wie sie riefen: „Die Bäume sind uns verpfändet, darum laßt uns sie fällen und niederwerfen!" — Aber sie konnten den Bäumen nichts anhaben, weil der Strom sie von denselben schied; indeß trafen sie die schwarzen und auch die aschgrauen Tauben, so daß sie zu Boden stürzten und große Raubvögel heranflogen und sie gänzlich aufzehrten. — Ich sah die große Niederlage, welche die schwarzen und grauen Tauben erlitten. — Jetzt nahten sich mir Männer und frugen mich, was das zu bedeuten habe. — Ich sagte: „Dieses Volk hat die Tauben erschlagen, die zur Erde gestürzt, und jetzt möchte es auch die schönen weißen Tauben erschlagen, die doch dazu beitragen, daß der Baum nicht verdorre." — „ Laß uns," sprachen die Männer zu mir, „zu ihrem Schutze eine Wand, eine Mauer um sie errichten!" — „Thun wir so!" antwortete ich. — Wir bauten nun eine Schutzmauer aus Erde und Brettern nahe'beim Flusie; aber die Kriegsleute ließen nicht ab, nach den Tauben zu zielen und sie zu tödten, und als sie die Mauer sahen, die wir zu ihrem Schutze aufbauten, da schossen sie mit Feuermörsern nach der Mauer, um sie zu zerstören, und erschlugen auch einige Männer, die mir halfen. Sogleich stürzten die Raubvögel herab, ihr Fleisch zu verzehren, wie sie mit den Tauben gethan. — Jetzt schoflen sie mir mit einer Feuerwaffe eine eiserne Kugel in die Brust, so daß mich die Kugel durchdrang und im Rücken wieder heroorkam; ich suchte meine Kraft zu sammeln und mich aufrecht zu erhalten, allem ich vermochte es nicht und stürzte nieder ausrufend: „Wehe mir, daß die Raubvögel auch mein Fleisch verzehren sollen, so wie sie das Fleisch der Männer verzehrt, die mit mir waren! daß ich nicht unter meinen Brüdern begraben werden soll!" — Dennoch blieb ich bei vollem Sinne, und ich sah, geschloffenen Auges, abermals große Erscheinungen und sprach: „Wahr ist, was sie gesagt, als ich noch am Leben war, daß der Mensch nach dem Tode größere Dinge schaut als im Leben!" — Ich sah, ein Theil der weißen Tauben, die sich auf dem Baume befanden, nahm eine aschgraue Farbe an, indeß von den aschgrauen wieder weiß wurden. — Die Männer aber, die mir beistanden und noch am Leben waren, führten mir eine gewifle Frau zu, um mich zu heilen. — „Wer ist die Frau?" fragten Einige. — Und ich vernahm: „Es ist die und die Frau! — die Frau von dem und dem Manne!" — Herzen noch Anhänglichkeit an das Jndenthum hegten und sich nach einer Rückkehr sehnten; die schwarzen aber sind dieoöllig entfremdeten Neuchristen. — 3

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