Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1867)
- Date
- 1867-06-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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410 Strauß Sohn hat nebstdem auch dafür gesorgt, daß keine Gefäße verwendet werden, in denen schon einmal trefene Cichorie geröstet oder gegerbt worden ist, und daß die metallenen Gefäße vor dem Gebrauch zur Fabrikation von Cichorie für Israeliten zur Glühe gebracht wurden. Die Veröffentlichung dieses Falles ist dringend und höchst nothwendig, damit fromme Iehudim ihren Bedarf an Cichorie nicht nur auf Peßach, sondern das ganze Jahr hindurch entweder bei I. Strauß Sohn in Heilbronn a. N., welche die alleinige Niederlage von der Fabrik des Herrn Emil Seelig daselbst haben, beziehen, oder aber jedenfalls dafür sorgen können, daß auch in andern Fabriken koschere Cichorie angefertigt werde, yno bwDD onnb Löbens- und nachahmuugSwerth ist es, daß I. Strauß Sohn, ungeachtet der Beaufsichtigtigungskosten und der verwendeten besten Cichoriensorte sowohl Wiederverkäufern als Privaten keinen höheren Preis für die koschere Cichorie ansetzt, als für das dem Israeliten verbotene Fabrikat, letzteres an Israeliten überhaupt nicht mehr abgibt, auch die Papierrollen, die das Surrogat umhüllen, unzweideutig und als koscher bezeichnen und mit einem erlaubten Leim, statt mit Kleister von pon verkleben läßt. (Man sehe die betreffende Anmerkung der Red. im Hauptblatte.) Oesterreichischer Karstrstaat. Wien. Von dem Adreßentwurf des östtrr. Abgeordnetenhauses heben wir folgende für unsere Glaubensgenoffen so wichtige Stelle hervor: „Wir halten es für unmöglich, daß der Staat sich seiner Rechte in Bezug auf die Ausübung der Justrzgewalt und auf die Gesetzgebung in Sachen des Unterrichts zu Gunsten einer, von ihm völlig unabhängigen Macht habe entäußern oder sich des Rechtes begeben können, das Natürlichste aller politischen Rechte, das der Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze, ohne Rücksicht aus vie Confessio«, welcher sie angehören, im vollsten Umfange verwirklichen zu dürfen." Frankreich. Paris. Nicht blos Marquis de Moustier hat der Regierung des Fürsten Karl sein Bedauern wegen der in der Moldau eingeleiteten Judenverfolgungen ausdrücken lassen, sondern der Kaiser hat in der Sache einen eigenhändigen Brief an den Fürsten von Rumänien gerichtet. („Ich lenke die Aufmerksamkeit Ihrer Hoheit", heißt es, wie wir hören, in dem Briefe wörtlich „auf die massenweise Verbannung von Israeliten, zu welcher Ihre Regierung schreiten zu sollen glaubte." Es war Herr Cremieux, das bekannte Mitglied der provisorischen Regierung von 1848, welcher im Namen der Pariser Israeliten die Verwendung des Kaisers für ihre bedrängten Glaubensgenossen an der untern Donau angerufen hatte.) Diese Schritte, fährt die „France" fort, haben den Erfolg gehabt, welchen man ihnen versprechen durfte. Fürst Karl hat sofort Befehl gegeben, die Verfolgungen einzustellen, welche eine so allgemeine Mißbilligung gefunden haben, und die unglücklichen Israeliten, die ihr Heil außerhalb der Grenzen der Donaufürstenthümer gesucht hatten, nach ihren Wohnsitzen zurückberufen. Der „Abend-Moniteur" bestätigt diese Nachricht mit der Maßgabe, daß der Gegenbefehl „in Folge der von Frankreich gemachten Vorstellungen, welchen sich die österreichische Regierung angeschlossen hätte," ergangen sei. Herr Adolph Cremieux berichtet heute in den Blättern ausführlich über die Audienz, welche er beim Kaiser in der Angelegenheit der Israeliten der Moldau am letzen Sonntag gehabt hat. „Der Kaiser war von dieser Tragödie vollkommen unterrichtet, er hatte Depeschen gehabt, welche mit den meinigen übereinstimmten, ich theilte ihm die letzte mit, die Details waren ihm bekannt. Ich fand den Kaiser ebenso entrüstet als erstallnt. Indem ich ihm sagte, daß seine Minister die Intinüve bei unserem Generalkonsul in Bukarest ergriffen hatten, bat ich ihn doch noch um seine persönliche Dazwischenkunft. „Diesen Augenblick," antwortete er mir, „telegraphire ich an den Fürsten Karl, das war schon heute mein Vorsatz. Eine solche Verfolgung in unserm Europa gestatten, heißt sich der Acht der Völker anssetzen." Ich sagte ihm: „Fürst Karl ist von den freisinnigsten Absichten erfüllt, er hat mir erklärt, daß er seine Ehre darein setzen würde, für die Juden seiner Staaten die bürgerliche Gleichheit zu proklamiren. Er hat aus seinen Mitteln eine bedeutende Summe gezahlt für den Wiederaufbau der in den Unruhen des letzten Jahres zerstörten Synagoge. Wer von den Völkern in die Acht erkläret werden muß, das ist der Minister Bratiano, der sich gleichwohl einen Liberalen und Demokraten nennt, welchem aber die öffentliche Entrüstung Rechenschaft für diese Barbarei abforbern wird." Der Kaiser richtete an mich die Frage: „Woher kann denn ein so unglaubliches Ereigniß kommen?" Ich antwortete: „Sire, es gibt so viele Interessen, welchen Unruhen in Rumänien förderlich wären! Ich kann Ew. Majestät nur sagen, daß das rumänische Volk noch vor wenigen Jahren nicht wußte, was Religionshaß ist. Im Jahre 1843 wurde die Gleichheit der Kulte ohne Widerspruch anerkannt." „Ich verspreche Ihnen," wiederholte der Kaiser, „meine sofortige Dazwischenkunft." — „Sire, der von den Mächten garantirte Vertrag von 1858 sichert den Moldauern und Wallachen aller Bekenntnisse dieselben Rechte, dieselbe Fähigkeit für alle bürgerlichen und militärischen Stellen zu. Wer kann also den rumänischen Israeliten dieses Recht rauben? Allerdings