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Der Israelit · 1867-06-12 · Heft 24 (12.6.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 24 (12.6.1867)
Date
1867-06-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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408 „„ So ist es!"" „Hochwürdiger Vater, Ihr seid ein Priester Gottes, ein Diener der heiligen Kirche — o, helft die Unschuld retten und die Bösewichter bestrafen. Die beiden Männer sind Räuber und Mörder!" „„Was sagt Ihr?"" rief der Richter entsetzt. Und Perez erzählte ausführlich Alles, was sich ereignet hatte. „„Die Schurken!"" sagte der Pater, als Perez seine Erzählung vollendet hatte, „führen Gott und die heilige Kirche im Munde, und sind niederträchtige Näuber und Mörder! Ich begebe mich sofort selbst zum Gouverneur, um ihre Verhaftung zu veranlassen. Ihr müßt mich begleiten!"" „Und mein armer Herr?" „„Habt keine Sorge! ihm geschieht kein Leid, wenn er in den Schooß der Kirche zurückkehrt."" „Zurückkehrt? Er ist doch niemals Christ gewesen. Er ist als Jude geboren; sein Urgroßvater war es, der aus Spanien entsioh." Der Jnquisitionsrichter zuckte die Achseln. „„Darüber zu entscheiden,"" sagte er, „„steht mir nicht zu; das ist Sache des Tribunals."" „Herr," rief Perez verzweiflungsvoll, „die de Pinto's sind sehr reich. Eine Tonne Goldes würde Don Abraham gern für das Leben seines einzigen Sohnes zahlen." „„Wollt Ihr mich mit einer Tonne Goldes bestechen, wie es die Schurken mit 100 Dublonen versuchten? Nicht für alle Schätze Indiens weiche ich von dem ab, was meine Pflicht erheischt. Uebrigens hängt die Sache nicht mehr von mir ab; ich habe bereits dem Gouverneur Anzeige gemacht."" VIII. An demselben Nachmittage saßen Pietro und Paolo in einer Schenke bei einer Flasche Teres und freuten sich ihres Erfolges. Da trat ein Herr zu ihnen und fragte sie höflich nach ihren Namen. Kaum hatten sie diese genannt, so winkte der Herr dem Wirthe; dieser führte sechs Polizeisoldaten herein, die sofort bte überraschten Bösewichter in chre Mitte nahmen und nach dem Gefängniß abführten; auf ähnliche Weise wurde fast die ganze Bemannung der Speranza, die sich in der Stadt zerstreut hatte, gefangen genommen. Auf dem Schiffe selbst erschien eine Polizeiwache, angeblich, um den gefangenen Juden abzuholen. Derselben gelang es leicht, die Schiffswache zu überrumpeln und sammt der übrigen Mannschaft ins Gefängniß abzuführen. Don Jsak wurden die Ketten abgenommen, worauf er vorläufig ein anständiges Gefängniß im Jnquifitionstribunal angewiesen erhielt. Die ganze Angelegenheit ward dann nach Madrid berichtet, woher bald die Weisung kam, daß die Gefangenen fämmtlich dorthin transportiri werden sollten. Auch Perez mußte sich dahin begeben; die völlige Wahrheit seiner Aussage ergab sich aus den Angaben Don Jsak's und aus den Papieren, die sich auf dem mit Beschlag belegten Schiffe vorfanden. Die sämmtliche Bemannung der Speranza wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt; Pietro und Paolo sollten aufs Rad geflochten ihr verbrecherisches Leben enden. Perez wurde als vollkommen schuldlos befunden und sofort in Freiheit ersetzt; für Don Jsak wurde die Bestimmung getroffen, daß er sich taufen lassen und als Mönch in ein Kloster eintreten müsse. Als man Don J^ak diese Bestimmung mittheilte, erklärte er sofort, lieber sterben als den Glauben feiner Väter verleugnen zu wollen; vergeblich sandte man die gelehrtesten und beredtsten Geistlichen zu ihm, ihn zum Glaubenswechsel zu überreden; auch Perez kam und bat ihn fußfällig, zu thun wie seine Väter gethan und zum Scheine das Chriftenthum zu bekennen, bis sich eine günstige Gelegenheit zur Flucht bieten würde. „Stets," sagte Don Jsak, „habe ich es meinen Voreltern verargt, daß sie der Versuchung nicht widerstanden, daß sie nicht gern und freudig, Leben und Eigenthum zur Verherrlichung des göttlichen Namens hingegeben haben. Ich will nicht in den gleichen Fehler verfallen. Gelobt sei Gott, der mich würdigt, Seinen großen Namen zu heiligen auf Erden!" „„Und Euer Vater und Eure Gattin?"" Da brach gewaltsam ein Thränenstrom hervor aus Don Jsak's Augen. „Gott," rief er, „Allbarmherziger, laß mich nur noch einmal den geliebten Vater, die theure Gattin Wiedersehen, und ich will ja gerne sterben. Aber solltest Du beschlossen haben, daß mein Auge sie auf Erden nicht wieder schauet — auch dann geschehe Dein heiliger Wille! Doch ihrer würdig will ich bleiben, verharren unerschütterlich in der Treue zu ihnen un.d zu Dir!" Als Perez den Kerker verließ, weinte er bitterlich. Er lief vom Morgen bis zum Abend zu allen einflußreichen Personen, ohne den geringsten Erfolg. Endlich reiste er hoffnungslos ab, um Don Abraham und Viola die Trauerbotschaft zu bringen. Als die Jnquisitionsrichter sahen, daß Don Jsak unerschütterlich bei seinem Entschlüsse beharrte, da ließen sie ihn in den schauerlichsten, finstersten Kerker werfen, um, wie sie sagten, den Starrsinn des Juden zu brechen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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