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Der Israelit · 1867-06-12 · Heft 24 (12.6.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 24 (12.6.1867)
Date
1867-06-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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407 licht hat, entnehmen wir Nachstehendes über den Wohlthätigkeitsstnn der Pariser Israeliten: Das Kapitel über die Wohlthätigkeitsanstalten zeigt eine schöne und herrliche Anordnung. Glaube und Liebeswerke reichen sich in inniger Umarmung die Hand. Kaum wird man bei den übrigm isr. Gemeinden und in den Kulten der andern Völker Aehnliches finden. Wenn man die beträchtlichen Zahlen von 203,708 Frs., dieim Jahre 1864 und 224,588 Frs., die im Icchre 1865 gesammelt wurden, ins Auge faßt, so wird man über den Wohlthätigkeitssinn der Israeliten in Paris von Bewunderung ergriffen und tief bewegt von ihrer zärtlichen Fürsorge für ihre leidenden Brüder. Die Subscriptionen haben sich vergrößert und die im „Univ. isr.“ veröffentlichten Gaben von 21,920 Frs. im Jahre 1861 find im Jahre 1864 auf 49,592 Frs. gestiegen. Den früheren drei Schenkungen der Familie Rothschild mit 16000 Frs. wurden noch andere Fondationen von denselben hinzugefügt. Die im Jahre 1865 vertheilten Unterstützungsgelder, welche theils in monatlichen, theils in besonderen Betragen an In- und Ausländern, an Reisenden, an arme Familien während der Trauer, an Arbeiter zum Ankauf von Handwerkzeug uud an Wöchnerinnen für Medikamente, Mazzoth u. s. w. verausgabt wurden, erreichten die Summe von 96,845 Frs. 550 bedürftige Familien sind vom Count« als Solche zur Unterstützung eingeschrieben; monatliche Geldunterstützungen zwischen 3 und 40 Frs. werden unter 350 Familien vertheilt; außerordentliche Hilfe an den Feiertagen in Nissan und Tischri wurde 550 Familien geleistet. Mehr als 12,000 Kilogramm (240 Ctr.) Mazzoth wurden jedes Jahr unter allen denjenigen, die es verlangten, vertheilt; Miethgeld wurde für 230 Familien bezahlt. 15—16,000 Kinder werden jährlich einmal vollständig gekleidet. Wie groß und schön sind diese Thaten! Welche edle und heilige Gefühle in den Herzen der isr. Gemeindemitglieder zu Paris! Welche Aufopferung ohne Grenzen von Seiten dieser Männer und Frauen, welche der Schutzengel der Armen, der Krankenwärter derjenigen, welche auf dem Schmerzenlager seufzen, die Führer und Leiter der kleinen Kinder und die Väter und Mütter der Waisen sind! Das ist jüdische Liebe. In dem Waisenhaus wurden von 1857 bis 1865 80 Kinder ausgenommen. In dem Hospitale können 63 erwachsene Kranken, 45 Kinder, Wöchnerinnen oder Ammen, 35 Greise und 10 Invalide Aufnahme finden. Die Ausgaben haben im Jahre 1865 eine Höhe von 126,497 Frs. erreicht, wovon 1476 Frs. für Kultuskosten. Aus der am Ende des Berichts angefügteu allgemeinen Tabelle der Einnahmen und Ausgaben während der 5 Jahre, ersehen wir, daß das jährliche Budget der iör. Gemeinde zu Paris mehr als 500,000 Frs. beträgt. (Univ. Isr.) Feuilleton. Ke Mnto von Amsterdam. (Fortsetzung.) VII. Der JnquisitionSrichter zu Cadix, ein Geistlicher, hatte sich eben von seiner Siesta erhoben, als ihm zwei Seeleute, die eine wichtige Mittheilung zu mache« hätten, gemeldet wurden. Der Richter winkte zustimmend und alsobald traten Pietro und Paolo ein. „Hochwürdiger Herr," sagte Pietro, „ich bin ein Schiffscapitän, heiße Pietro und bin aus Saragossa gebürtig; dieser hier heißt Paolo und ist ein Genueser. Wir kommen von Ostindien, wo wir für eigene Rechnung Farbekräuter und Gewürze geladen haben. Wir haben eine gute &at}vt gemadjt und deßhalb 100 spanische Dublonen für die Kirche gelobt. Diese ^umme wollten wir Euch übergeben." Gleichzeitig fing er an, die Goldstücke auf den Tisch zu zählen. „„Gott segne Euch, meine Kinder,"" sagte salbungsvoll der Priester, „„Ihr seid wackere Seeleute, die Gott und seine heilige Kirche im Herzen tragen!"" Nachdem Pietro das Geld völlig aufgezählt hatte, fuhr er zu reden fort: „Wir haben, hochwürdiger Vater, Euch noch eine Kleinigkeit mitzutheilen. Wir haben in Ostindien einen Passagier ausgenommen. Unterweges erfuhren wir jedoch, daß derselbe eine Jude sei, und zwar ein aus Spanien entflohener Maranne. Wir Haben ihn sogleich in Ketten gelegt; er steht zu Eurer Verfügung. Ihr könnt an Bord schicken und ihn holen lassen." „„Gott segne Euch zwiefach, meine Kinder, daß Ihr das Eure dazu bettragt, dre Ketzer von der Erde zu vertilgen; ich will gleich die Anzeige machen und ihn morgen schon adholen lassen."" Die beiden Schurken erbaten sich noch den Segen des Priesters, den dieser ihnen freudig ertheilte, uud entfernten sich. Der JnquisitionSrichter aber schrieb sofort einen Brief an den Gouverneur von Cadix, in welchem er um die Einbringung des gefangenen Marannen bat. Dann schellte er; ein Diener erschien und trug den Brief an seine Adresse. Kaum hatte sich der Diener mit dem Briefe entfernt, als ein anderer eintrat und einen Fremden meldete. Wiederum nickte der Richter zustimmend, und Perez erschien, bleich und zitternd. '„Hochwürdiger Herr," sprach er, mühsam Athem holend, „es waren zwei fremde Seeleute bei Euch, die einen gefangenen Marannen angezeigt haben."

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