Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1867)
- Date
- 1867-06-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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406 Dreijährigen Cyklus, Extermination jeder mesfianischen Gemahnung, jeder leisen Erinnerung an die Wiederherstellung des Opferkultus in Jeruschalajim. Also völlige Verläugnung der Tradition. Da will es sich denn ereignen, daß in dieser frommseligen Gemeinde einem Mitglieds ein Bruder stirbt, der schon längst durch die Taufe dem Christenlhum angehört hatte. Nun verlangt dieses Mitglied, — und warum soll er es nicht, wo ein solcher Geist in die Synagoge eingezogen ist, der alle gottesdienstlichen Verhältnisse umgekehrt hat, verlangen dürfen, — daß feinem als Christ verstorbenen Bruder bei der an den hohen Festtagen stattfindenden Todtenfeier (mc5PJ morn) das Gedächtniß mitgefeiert werde. Die Religionsbehörde kömmt darüber in Conflikt mit dem Gemeindevorstand, welcher letztere einem solchen Ansinnen nicht willfahren will. Dafür ist dieser aber auch, wie man heut' zu sagen Pfiegt, eine Laie, ergo in religiösen Dingen ignorant, und eo ipso inkompetent. Ganz anders aber die Religionsbehörde und zwar deren Vertreter der Rabbiner. Dieser greift zum Talmud und da findet sich denn der famose, für den sonst so finstern Talmud höchst tolerante Satz: »"bj/"k «in Vinter» also ist der als Christ Verstorbene dennoch ein Jude und seiner Ctedächtnißfeier in der Synagoge steht demnach nichts im Wege. Armer Talmud! Welcher Mißbrauch wird mit dir getrieben, wozu mußt du nicht alles herhalten! Aber mögen sie dich auch höhnen und dein inneres Mar? zu vergiften suchen, es wird ihnen dennoch nicht gelingen. So wenig dieser ganze Synagogenkultus zu deinen Grundsätzen paßt, ebensowenig diese neue Erfindung der Reform. Zur Oefsentlichkeit muß ein solches Factum aber doch kommen, damit die Jrrthümer unserer Zeit in das rechte Licht gestellt werden, damit es die Situation, in welcher ein Gemeindeleben sich befindet, gehörig beleuchte. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Wir lesen so häufig von verschämten Armen, jedenfalls ist es seltener, daß ein Reicher in tiefster Verborgenheit Wohlthaten übt und erst, wenn ihm der Schleier des Todes das Erröthen erspart, die ganze Fülle seines edlen Herzens enthüllt. Eine solche Persönlichkeit war die in Preßburg geborene, seit einem halben Jahrhundert in Wien lebende, verwittwete Frau | Nannette Schlesinger, welche am 28. April, 78! Jahre alt, verschieden ist und folgende Legate und! Stiftungen begründet hat: 150 fl. für Arme, 150 fl. für arme Verwandte, am Begräbnißtage zu verteile«; 600 fl. für die am Grabe fungirenden Beamten und den Chor, 150 fl. für den Kaddischsagende«, 400 fl. für die Beerdigungs-Bruderschaft in Eisenstadt, 2000 fl. für die Chebra kad. in Wien (Grabmalstiftung), 38,000 fl. und 20 Stück Actien der Triest er Azienda, woraus 6000 fl. eingezahlt sind, für das Todesco'sche Hospiz in Baden, 500 fl. für den Talmud-Thora-Verein in der Leopoldstadt, 500 fl. für den Pikuach-Nefesch-Verein in Wien, 3000 fl. für den Neconvalescenten - Fond deS israelitischen Spitals in Wien, * 5000 fl. für die israel. Taubstummen - Anstalt in Wien, 1000 fl. für die israel. Kinder-Bewahranstalt in Wien 1000 fl., für den Theresien Kreuzei verein in Wien, *5000 für die israelitische Schule in Eisenstadt, *3000 fl. für den Bickur - Cholim - Verein in Eisenstadt, *2000 fl. für das israelitische Spital in Preßburg, 1000 fl. für den israelitischen Frauenverein in Wien, 500 fl. für den israelitischen Frauenverein in Preßburg, 500 fl. für den israelitischen Frauenverein in Eisenstadt, 3000 fl. für die israelitische Armenanstalt in Wien, 400 fl. für die israelitische Speise- Anstalt in Wien, 1000 fl. für den israelitischen Waisenversorgungs-Verein in Wien, 3000 st. für die Barmherzige Brüder in Wien, 1000 fl. für zehn österreichische Krieger (Invaliden), 4000 fl. für die Kinderbewahr- Anstalt in Preßburg, 500 fl. für den Seelenheilverein in Preßburg, 1000 fl. für die Gemeinde Peruschim in Jerusalem, *2000 fl. für den israelitischen Frauenverer'n in Wien, 5000 fl. für den Handwerksverein in Wien. Summe der für Stiftungen bestimmten Beträge: 87,400 fl. und 20 Stück Actien der Triester Azienda, deren Werth im Testamente nicht angegeben ist; nur wird angedeutet, daß darauf zur Zeit der Codicill-Errichtung (1867) bereits 6000 fl. eingezahlt waren. Dai on entfallen 66,000 fl. nebst den obigen Actien für israelitische Wohllhätigkeits Anstalten in Wien und Baden. Den mit einem Sternchen (*) bezeichnten Anstalten wird der Zinsengennß der ihnen zugedachten Beträge für die Lebensdauer einer von der Erblafferin nahmhaft gemachten Leaatarin entzogen. Mehr als 190,000 fl. sind an einzelne Verwandte und im Dienste der Erblafferin gestandene Personen vermacht worden. Arad. Der Humanitäts-Verein dahier hat der hiesigen Synagoge eine ,-rnn isd mit ump »Vd und ein rons geschenkt. Das ibd, das in Lemberg geschrieben wurde, kostet 250 fl.; die übrigen Geschenke 1350 fl. Die »rrp hat ein reicher Israelit dazu gegeben. In der Komitats-Versammlung zu Uhely sind 10, in der von Zala-Egerseg 7 Juden. (Jüdische Zeitung.) Frankreich. Paris. Dem Rechenschaftsbericht von 1861 bis 1865, dm das Consistorium in Paris jüngst veröffmt-