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Der Israelit · 1867-06-12 · Heft 24 (12.6.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 24 (12.6.1867)
Date
1867-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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405 nicht wenig, die auch zu religiösen Zwecken opferwillig sind. Es bedurfte z. B. unlängst nur einer einfachen Anregung, und überraschend schnell waren 5000 fl. parat, um die Gemeindepflege vor Verlust zu schützen, den sie hätte erleiden müsien, wenn das erste Angeld an dem Hauskaufschilling zu einer Synagoge durch den Verkauf von Obligationen hätte gedeckt werden müsien, die eben niedrig standen, weil die Luxemburger Frage noch unerledigt war. Der Wille ist gut. Es bedarf nur einer guten, religiösen und energischen Leitung fr 40,-11. Viele Orthodoxe in Württemberg wären bereit, dem Verein now" beizutreten, wenn im Lande Einer zur Entgegennahme der Beiträge sich öffentlich bereit erklärte oder dazu bestellt würde. Wir schlagen hiezu vor die Herren S. Leoy in Stuttgart, I. Jgersheimer in Lehren, Maier u. M. Löwe in Freudenthal, Selz in Niederstetten, M. Strauß in Heilbronn, L. Berlinger in Berlichingen u. a., die auch anregend hiefür wirken und weitere Kräfte beiziehen sollten. na» now iriDtp\ Berlin, im Mai. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat sich für die Wahl des Dr. Geiger zum Rabbiner ausgesprochen. Es ist nunmehr abzuwarten, ob die Repräsentanten-Versammlung diesen Vorschlag des Vorstandes zum Gemeindebeschlusr erheben wird, wozu 2/z der Stimmen erforderlich sind. Wenn „die Gegenwart" von ihrem Standpunkte aus diese Wahl als eine besonders glückliche bezeichnet, von der man sich den segensreichsten Erfolg verspricht, so läßt sich ihr Nichts erwiedern. Wenn sie aber in dem betref senden Artikel sich bemüht, die Befürchtung oder die Hoffnung zu zerstreuen, „Geiger würde in practischer Beziehung als Mauernbrecher auftreten," so werden die dort citirtcn Worte Geiger's am allerwenigsten die Einen beruhigen und die Anderen enttäuschen. Geiger will nämlich — wie er dort redend eingeführt wird — sehr sorgsam den Unterschied zwischen dem Standpunkt des Schriftstellers und dem des Rabbiners gewahrt wisien. Wie kann aber (was schon ein Inserat in der National-Zeitung kurz berührt) der Schriftstell er, welcher die Authencität der göttlichen Lehre in Abrede stellt wie Geiger in der Urschrift fast auf jeder Seite, zugleich als Rabbiner, als Prediger auftreten wollen, um die Wahrheit der göttlichen Gebote der Gemeinde an's Herz zu legen und zur Bethätigung eines jüdisch-religiösen Leb ns im Sinne und im Geiste der Thora aufzurufen? Welche gesunde Menschenvernunft kann diesen Widerspruch gelten lasten! Spricht doch der Schriftsteller Geiger im vorigen Jahrgänge seiner Zeitschrift S. 84 unumwunden und offen es aus: „die religiösen umfasienden Ideen müsien als tiefern Gehalt betont werden, das gesetzlich practische Leben zum Theil als wandelbarer Ausdruck, zum Theil als überlebt gelten. Das Judenthum wird Wesen, Grundlage, erschöpfenden Ausdruck nicht mehr in verbotenen Speisen, Schlachtregeln, strenger Sabbatfeier uyd dergl. finden. Es wird dies Alles als geschichtlich geworden, als zeitlichen, nur theilweise noch gellenden Ausfluß ewiger religiöser Ideen betrachten." So weit der Schriftsteller Geiger; daß aber der Rabbiner Geiger auch nicht anders handelt, wie er denkt und sich ausspricht, davon hat seine Thätigkeit innerhalb der Gemeinden zu Breslau und Frankfurt a. M. vielfach Zeugniß abgelegt, wie dies auch jene Vorschläge bekunden, welche zur Zeit von dem wahren Gotteskämpfer Dr. Hildesheimer in diesen Blättern gehörig ge- und verurheilt worden sind, nämlich am ru»n ctjo statt des Schofars moderne Instrumental-Musik und am noD statt der 4 Arten inländische Blumen einzusühren. Paßt nicht auf solche Doppelrolle eines jüdischen Geistlichen treffend das Wort des Propheten (Jeremia 8, 8.): „Wie möget ihr sprechen: Weise sind wir und die Lehre des Ewigen ist bei uns I Fürwahr, zum Trage haben die Schriftsteller die Lehre verfälscht. *)" — Wie verhält sich aber der noch jüdisch-religiös gesinnte Theil der Gemeinde, jenem Vorschläge des Vorstandes gegenüber? Immer noch so passiv wie bei der vorjährigen Wahl des Dr. Aab. Worin diese unverzeihliche Passivität ihre verderbliche Quelle hat, darüber lasten Sie mich ein anderes Mal n"\* eingehend reseriren. n"o"N Berlin. Kurz vor dem Peßachfeste heirathete dahier ein Mann die Wittwe seines Bruders, obgleich diese ein Kind vom ersten Mann hat. Dr. Emanuel Ritter, Prediger der Reform-Gemeinde, hat die Trauung vollzogen. — Entsetzlich! (Hamagid) Aus Mecklenburg - Strelitz, im Mai. Es ist wunderbar, wie die Reform, deren eigentliches Wesen ja darin besteht, aus sich selbst heraus mit Hintcnansetzung und Verläugnung der Tradition und dadurch selbst des schriftlichen Gesetzes ihre Institutionen zu schaffen, wie sie, sich wenig kümmernd um unsere heiligen Codices, mit einem sie volo, sic jubeo rc. die altehrwürdigen Ordnungen im Leben wie im öffentlichen Kultus beseitigt, um ihren Mummenschanz mit obligatem Phrasengeklingel dafür zu substituiren, sich wiederum, wenn sie sich in Verlegenheit sieht, zum Talmud wendet, um an einem von ihr mißverstandenen Satz desselben den Nachweis für die Zulässigkeit eines neuen Eingriffs in den jüdischen Kultus zn urgiren. In Strelitz hat bekanntlich die Reform den vollendetsten Ausdruck in der Synagoge gefunden. Da haben sie, die frommen Seelen, den ganzen Apparat eines wohlzugestutzten, nach allen Regeln der Mode eingerichteten Gottesdienstes, Orgel, deutsches Gebet, *) Vgl. die trefflichen Bemerkungen des Michlol Jofi zur Stelle.

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