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Der Israelit · 1867-06-12 · Heft 24 (12.6.1867) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 24 (12.6.1867)
Date
1867-06-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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403 mütterliche Liede, von der das Weib unwiderstehlich hingerissen wird, der sie Genuß und Ruhe freudig hinopfert. So wird die Mutter an Liebesbanden zu ihrer Pflicht geleitet, an die Pflicht denkt sie hierbei nicht im Entferntesten, so wenig der Vogel daran denkt, wenn er seinen Küchlein das hohe Rest erbaut; sie folgt blos dem unwiderstehlichen Zuge ihres Herzens, indem sie das strenge Gebot der Vorsehung erfüllet. Sehen wir nun, wie dem Kinde das Sprechen beigebracht wird. Die Sprache besteht bekanntlich aus einer zweckmäßigen Vermischung verschiedener Laute, die durch Ausstoßung der Luft: durch die Kehle an den Gaumen, an die Zahne, an die Nase, durch verschiedene Bewegung der Zunge und der Lippen entstehen, ebenso wie durch zweckmäßige Vermischung der Töne die musikalische Harmonie gebildet wird. Sollte nun dem Kinde beigebracht werden, wie es die Cprachorgane zu bewegen habe, um z. B. das Wort „Schöpfer" hervorzubringen, da müßte es folgendermaßen belehrt werden: den Laut an die Zähne stoßend, durch die Lippen fahren zu lassen und sie schnell dann zu schließen. Hierbei müßte noch beobachtet werden, daß die Zunge nicht mehr und nicht weniger sich dehne, damit nicht anstatt „Schöp" schap oder schip gehört werde, ferner daß sie nicht zu stark und nicht zu schwach sich bewege, damit sie nicht söp oder sip spreche, endlich daß die Lippen nicht zu stark und nicht zu schwach sich schließen, daß nicht schöw oder s ch ö b gehört werde. Bei der zweiten Sylbe hätte man ebendasselbe auf andere Weise zu beobachten; so daß eine aus zahllosen Wörtern bestehende Sprache einem Kinde beizubringen, eine der schwersten Aufgaben der Welt wären. Siehe aber! das Kind, kaum hat es das Wort gehört, so spricht es dasselbe schon regelrecht nach, ohne um die Bewegung der Sprachorgane sich im Geringsten zu kümmern. Wir selbst nehmen es ja auch erst dann wahr, welche Organe an der Aussprache eines Wortrs Theil genommen haben, wenn dasselbe bereits ausgesprochen wurde. Jetzt wirst sich von selbst die Frage auf, wer denn diese Organe regelt und ordnet, den gehörigen Laut hervorzubringen; warum müssen jahrelang die Finger eingeübt werden, daß sie den zur Harmonie nöthigen Ton anstimmen? warum nicht die Lippen, die Zunge, warum müssen nicht auch diese dazu gewöhnt werden, dm richtigen Laut auszusprechen? Es ist dieses eine der staunenswürdigsten Erscheinungen in der mmschlichen Natur, wie der Wille unseres Geistes elektrisch auf unfern Körper wirkt, denselben mechanisch leitet, und der Mensch entblödet sich nicht, seine Wstenz mit den ihm selbst unbegreiflichen Fertigkeiten dem Wirken eines blinden Zufalles zvzuschreiben? Zur Anspornung, zur Thätigkett hat die Schöpfung verschiedene Gefühle, Triebe und Wünsche in des Menschen Herz gelegt, als: Liebe, Haß, Hab- und Ehrgier, Schamhaftigkeit, Hoffnung, Furcht, Mitleid, Neid, Eifersucht u. dergl. Bei dem sich entwickelnden Kinde find schon Spuren aller bie’cr Gefühle vorhanden. Die Erzieher können manche derselben ausbilden und andere unterdrücken, und so ihre Zöglinge zn moralischen oder morallosen Menschen bilden, jenachdem sie die edlen Gefühle ausbilden oder unterdrücken. Aber enge hat die Vorsehung die Pflicht der Tugmdübnng mit dem Wohl der Menschheit verflochten; so daß der Vater, will er in seinem Elende sich von seinem Sohne nicht verlassen sehen, will er in seinem Wohlstände sich nicht in demselben einen Beförderer seines frühen Todes erziehen, ihn zur Gottesfurcht strenge anhalten muß; diese wird ihn zu einem treuen Sohne und zugleich zu ein-m nützlichen Gliede der Gesellschaft machen. Ebenso der Staat; soll die Dynastie eine feste, dauerhafte sein, soll die gesellschaftliche Ordnung nicht oft durch schädliche Umwälzung gefährdet werden, so muß die Religion geachtet und gepflegt werden. Dieses lehrt die Geschichte und die tägliche Erfahrung. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz. Dem Handelsbericht des engl. Konsuls in Jerusalem entnehmen wir Folgendes über Palästina: ,,Der Handel in Palästina ist ganz gering und selbst in Jerusalem kaum in Betracht zu ziehen und sind die Verkehrsftraßen überall öde. Von England werden Baumwolle und einige Lebensmittel eingeführt und zwar vom Ersteren jährlich für 20,000 L. Englische Kaufleute finden sich im ganzen Lande nicht. Von andern Ländern ist der Import ganz unbedeutend. Oliven-Oel und einige Getreidearten werden ausgeführt. Baumwolle wird nur in der Umgegend von NabluS (odeO gepflanzt. Bon dem Thierreiche findet man daselbst: Pferde, Kameele, Maulesel, Esel und Schafe; Ochsen sind in geringer Zahl vorhanden. Unter den 200,0(0 Einwohnern sind 160,000 Mohamedaner, 30,000 Christen und 10,000 Juden. Fabriken sind keine errichtet. Obgleich das Land reich an Metallen ist, so geschieht doch nichts für das Bergwerkswesen. Auch der Ackerbau ist sehr vernachlässigt und noch in einem Zustande, wie er vor 100 Jahren in andern Ländern war. Eisenbahnen find noch keine gebaut worden; bloS durch den Telegraphen ist Jerusalem mit Europa in Verbindung gesetzt." —

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