Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1867)
- Date
- 1867-06-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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393 gen. — Bald verbreitete sich das Gerücht, ich sei als geheimer Sendbote David's nach der Türkei gekommen; aber ich will hier vor dem Schöpfer des Himmels und der Erde die lautere Wahrheit sagen, daß ich mein Wort und meine Wanderung nicht auf eines Menschen Geheiß, sondern auf das Geheiß Gottes, unseres Gottes, vollziehe, und so will ich auch die Erscheinungen mitttheilen, die mir im Traume geworden sind. — (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Bamberg, den 29. Mai. In Nr. 20 des „Israelit" haben Sie die Synagogen - Ordnung unserer Gemeinde einer scharfen Beurtheilung unterzogen. In Ihrer Unparteilichkeit werden Sie dem Schreiber dieses, welcher bei Berathung der S -O. mitgewirkt hat, einige Worte der Entgegnung nicht verweigern. Die Erörterung der theologischen Gründe muß ich allerdings Andern überlassen, da ich mich gerne bescheide, hier kein maßgebendes Urtheil zu haben. Ich kann jedoch nicht in der S.-O. die Luft, aus reiner Willkür zu ändern, finden; der Unbefangene wird vielmehr darin das Streben nicht verkennen, dem Gottesdienste die gebührende Würde zu erhalten und Alles dieselbe Störende fern zu halten. Es kann Niemand leugnen, daß das Getöse durch das massenhafte Abklopfen der Hoschanoth die Würde des Gottesdienstes erheblich beeinträchtigt/) oder man müßte auch das Verbot des Hamanklopfens?) für unwürdig erklären. Sie tadeln ferner die Nichtzulassung der Mädchen unter 9 Jahren zum Gottesdienste; während der Grund doch so einfach ist, daß von denselben in diesem Alter eher eine Störung zu befürchten ist, als daß sie sich beim Gottesdienste betheiligen könnten; früher besuchten ja die Mädchen nie den Gottesdienst, wenn sie auch längst religiös mündig waren. 1 2 3 4 * *) Das Anlegen des Sargenes ist nach Ihren Worten nicht geboten, sondern empfohlen; ein buntes Gemisch von Festkleidung und Sargenes trägt sicher nicht zur ernsten Würde des Gottesdienstes bei.*) Die Sitte hat das Sarge- 1) Anm. der Red.: Durch das Abklopfen der Hoschanoth wird die Würde des Gottesdienstes durchaus nicht verletzt; was zum Gottesdimst gehört, kann dessen Würde nicht verletzen. 2) A. d. R.: Beim Hamanklopfen finden ganz andere Verhältnisse statt. 3) A. d. R.: Es war ihnm aber doch nicht verboten, dm Gottesdimst zu besuchm. 4) A. d. R.: Wollte man da konsequent versahrm, so mußte die Nürnberger Synagogenordnung für die Besucher der Bamb. Synagoge eme Uniform vorschreibm; warum soll das weiße Kleid verbotm sein, «mn schwarze, braune, blaue, grüne, graue Röcke rc. erlaubt sind? nes an den Sederabenden schon längst verdrängt und derjenige, der kein SargeneS anlegt, kann deßhalb doch ein ganz guter Jude sein/) Wenn Sie aber in dem Verbot des RockauSziehens und des Entblößens deS Armes im Gotteshaus nur ein mißverstandenes Anstandsgefühl erblicken, so kann ich das nur bedauern;7) ich halte es für würdiger, daß man beim Gottesdienste dieses vermeide und es ist allbekannt, daß frühe/) fromme Männer, von diesem AnstandSgefühl geleitet, mit Tefillin die Synagoge betraten. Uebrigens ist ja im Synagogengebäude d) ein Zimmer hiefür angewiesen, so, daß auch nicht die geringste Erschwerung bei Erfüllung dieses Gebotes Statt findet. Durch das Bekämpfen so vernünftiger (?) und harmloser (!) Anordnungen gibt man den Feinden der Religion nur Anlaß und Stoff zur Herabsetzung und Verspottung der Ceremonien. Aber ausis Schmerzlichste hat es mich berührt, daß Sie, um das Aufrufen ohne Nennung der Namen zu bekämpfen, kein anderes Kampfmittel angewendet, als die zur Thora Gerufenen mit Verbrechern zur vergleichen, bei denen auch der Name aufhört und die Nummer eintritt. Gewiß, das ist keine würdige Kampfeswei'e, ebensowenig, wenn Sie in einem andern Citat von einem „Gänsemarsch" der Trauernden sprechen.") In heiligen Dingen soll man nicht mit Spott und Hohn und durch Herabziehen in'S Lächerliche kämpfen; man schadet sich und der heiligen Sache.") Es gibt 5) A.d. R.: Das Sargenes am Sederabend war im Westen Deutschlands niemals Sitte. 6) A. d. R.: Wir haben nie das Gegentheil behauptet. 7) A. d. 31.: Wir haben bereits oben bemerkt, daß dasjenige, was, wenn auch nur mittelbar, zum Gottesdienste gehört, den Anstand nicht verletzen kann. 8) A. d. R.: Dieses „früher' bricht über den betreffenden Paragraphen den Stab. 9) A. d. R.: Davon steht aber in der S.-O. das gerade Gegentheil. 10) A. d. R.: Ei, so verzichte man doch auf derartige unangemessene Neuerungen, die zu solchen Vergleichungen Anlaß geben. 11) A. d. R.: Diese willkürlichen Neuerungen sind aber eben nicht heilig: diese sind es, die der heiligen Sache schaden, nicht aber die Bekämpfung derselben, wenn man das Gesetz ver« theidigt und das Widergesetzliche ad absurdum führt.