Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1867)
- Date
- 1867-06-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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392 lich nach Paris an Rothschild und Cremieux um Fürbitte bei der Regierung gewendet. (N. Fr. Pr.) (Herr Crämieux hat uns bereits das Resultat seiner erfolgreichen Bemühungen mitqetheilt; wir werden den betreffenden Bericht in nächster Nummer veröffentlichen.) Frankreich. Paris, 28. Mai. Der „Moniteur" sagt bei Besprechung der gegen die jüdische Bevölkerung Rumäniens ergriffenen außerordentlichen Maßregeln, dieselben seien auf desfallsige Vorstellungen von Seiten Oesterreichs und Frankreichs sofort zurückgenommen worden. Paris, 28. Mai. Der „Etendard" schreibt: Privatdepeschen aus Jassy melden sehr bedauernswerthe Thatsachen. Eine heftige Verfolgung wäre dort gegen die Israeliten eingeleitet und eine große Zahl derselben mit Gewalt nach einem unbekannten Bestimmungsorte deportirt worden. Die isr. Gemeinde von Paris, deren Hilfe angerufen wurde, soll bei den Ministern des Innern und des Aeußern, und beim Kaiser selbst Schritte gethan haben, um den Schutz Frankreichs für ihre Glaubensgenossen von der Donau zu erwirken. Afrika. Tanger. Man schreibt dem „Moniteur" aus Tanger vom 23. Mai, daß, nachdem eins Bande von Bergbewohnern des Riff die schwersten Gewaltthätigkeiten gegen Israeliten, die sich nach Tetuan begaben, und namentlch an der Person eines gewissen Abraham Pariente, Dolmetscher und Schützling des österreichischen Viceconsulats, der lobt auf dem Platze blieb, geübt hatten, das österreichische Generalkonsulat in Tanger sich dieser Angelegenheit bemächtigt hat und die Lösung derselben offtciell bei der marokanischen Regierung betreibt. Feuilleton. David Aubeni und W. Salomo Wolcho. Von Abraham Tendlau. (Fortsetzung.) Erstes Sendschreiben Salomo Molches von Monastir aus an R.Joseph Taitasak in Salonichi. °) .... Und nun will ich Eurer Ehrwürden, meinem gegebenen Versprechen gemäß, mittheilen, was 6) Der bekannte Verfasser mehrerer, besonders exegetischer Werke; nicht zu verwechseln mit R. Jehuda Taitasak. — mich zu meiner Auswanderung aus Portugal veranlaßt hat. — Nachdem der heldenmütige und sromme Mann, R. David Rubeni, an den königlichen Hof von Portugal gelangt war, da schaute ich im nächtlichen Traume furchtbare Gesichter, eines anders als das andere, und ich würde viel Zeit zu ihrer Erzählung gebrauchen, wäre es mir auch gestattet, sie mitzutheilen. Alle Gesichte aber zielten dahin, daß sie mir befahlen, vor Allem in den Bund Abrahams einzutreten. — Fast jeden Tag erschien ich vor meinem Herrn und Meister R. David, den Gott erhalte! und theilte ihm mit, was ich in meinem Traume gesehen, um mir seinen Rath zu erbitten; denn mir kam es vor, als ob nur auf seine Veranlassung diese Dinge all sich mir zeigten. Doch er zeigte sich schweigsam und verschlossen mir gegenüber und sprach: „Ich weiß von allem Dem nichts. Was bin ich denn, daß Dir durch mich die furchtbaren Erscheinungen, die Du siehst, zukommen sollen?" — Ich dachte, er wolle nur deshalb mir nichts mittheilen, weil ich noch nicht leiblich in den Bund Abrahams getreten sei, und entfernte mich schweigend. — In stiller, tiefer Nacht nun gab ich willig und opfermuthig mein Blut hin und nahm, ohne irgend eine Beihilfe, das Bundeszeichen an. — Wohl litt ich unsägliche Schmerzen, wohl schien alle Kraft zu schwinden; aber der Allbarmherzige, Er, der zuverlässigste Arzt, Er ließ mich in kurzer, kaum glaublicher Zeit wieder genesen. Sobald ich mich von meinem Schmerzenslager erhoben, ging ich zu R. David und sprach zu ihm: „Jetzt mein Herr, darfst Du offen mit mir sprechen; denn ich habe bereits das Gebot meines erhabenen Schöpfers erfüllt, bin wie jeder Jsraelite in den Bund Abrahams getreten." — Mit finsterem Blick fuhr er mich an und sprach: „Was habe ich verschuldet, daß Du mich und Dich in so große Gefahr gebracht! Wenn der König es erfährt, so wird er sagen, daß ich Dich beredet, solches zu thun, und doch habe ich nichts davon gewußt, ist es mir nie in den Sinn gekommen!" — Diese Worte setzten mich um so mehr in Erstaunen, als ich immer noch der Ueberzeugung war, daß er nur aus Verschlossenheit so zu mir spreche. — Jetzt, nachdem ich das Bundesmal mir angeeignet, schaute ich noch größere und gewaltigere Dinge als vorher; es offenbarten sich mir große und tiefe Geheimnisse in der Weisheit der heiligen Kabbala, die Schätze der Weisheit wurden mir eröffnet und mein Sinn in der Lehre unseres Gottes erleuchtet. Jetzt auch ward mir der Befehl nach der Türkei zu gehen, und zugleich die Erlaubniß gegeben, die Veranlassung dazu bekannt zu machen, sowie alle Entgegnungen, Fragen, Forschungen und Untersuchungen von Seiten Israels zu beantworten und, wo nöthig, zu berichti- > r