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Der Israelit · 1867-06-05 · Heft 23 (5.6.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 23 (5.6.1867)
Date
1867-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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387 „ Seid Ihr ein Christ, Capitano?" „„Narrischer Kerl,"" enlgegnete Jan Matthes lachend, „„sehe ich etwa aus wie ein Türke?"" „Wenn Ihr ein Christ seid, warum dient Ihr einem Juden?" „„Ich bin ein Lutherischer,"" entgegnete der Capitän gutmüthig, „„und nach unserm Glauben kann jeder rechtschaffene Kerl selig werden." "M „Ihr seid ein Ketzer, Capitano?" „„Herr,"" brauste Jan Matthes auf, „„'bedenkt wer Ihr seid und wer ich bin, und laßt solche Redensarten unterwegs!"" Aber der Steuermann ließ sich nicht irre machen. „Capitano," sagte er ernst, „Ihr müßt katholisch werden!" Jan Matthes lachte aus vollem Halse. „„Ich muß katholisch werden! Wollt Ihr mich etwa zwingen, Steuermaun? Laßt doch die Rarrenspoffen!"" „Keine Narrenspoffen," fiel hier der zweite Steuermann ein, der sich unterdeß genähert hatte, „Ihr müßt Eure Ketzerei abschwören, Capitano!" „„Jungens,"" rief dieser jetzt ernstlich böse werdend, „„seid Ihr verrückt geworden? noch ein derartiges Wort, und ich laffe Euch in Ketten legen!"" „Ihr, nimmermehr!" rief Pietro, zog ein Pistol hervor und drückte es auf Jan Matthes ab. Mit lautem Aufschrei sank dieser zu Boden. Die Kugel war durch den Kopf gefahren, und das Gehirn des unglücklichen Mannes spritzte weithin aufs Verdeck. Kaltblütig schauten die Matrosen zu; kaltblütig nahmen Pietro und Paolo den noch zuckenden Körper und schleuderten ihn ins Meer! In diesem Augenblicke stürzte Perez aufs Verdeck. „Was geht da vor?" rief er zitternd vor Angst. „Wer hat geschossen? Wo ist der Capitän?" — Pietro hatte drei Matrosen herangewinkt und sagte zu ihnen: „Geht hinunter und thut, was wir längst verabredet haben!" Dann wandte er sich an Perez und fragte ihn: „Seid Ihr ein Christ, Perez?" „„Sicherlich, doch."" „Seid Ihr ein katholischer Christ?" „„Gewiß, aber. „Warum dient Ihr einem Juden?" „„Mein Vater hat schon seinem Großvater gedient und mein Großvater seinem Urgroßvater! allein... „Nun gut, das soll Euch vergeffen sein! Doch wollt Ihr jetzt mit uns halten, Perez?" „„Um Gott, was habt Ihr gethan und was wollt Ihr noch thun?"" „Den Hund von Capitän haben wir den Haifischen zu freffen gegeben, der verdammte Jude soll ihm bald Nachfolgen — schon liegt er gefesselt im Schiffsraum. Wollt Ihr mit uns halten, Perez, so sollt Ihr Theil haben an der Beute; wo nicht, so möge» Euch ebenfalls die Haifische freffen!" Ms Perez das hörte, fing er laut an zu jammem und zu klagen. Er warf sich Pietro zu Füßen und umfaßte kaut «einend dessen Knie. „„Gnade, Gnade!"" rief er. „„£>, tobtet midj und schonet meines Herrn!"" „Hoho," lachte Pietro, indem er Perez von sich stieß. „Wer hat den Pietro geschont, als mich der Jude von feiner Besitzung jagte?" „„Also doch Pietro,"" seufzte Perez. „„Gott, meine Ahnung!"" „Gelt, haben wir Dich betrogen, alter Schlaukopf? Aber jetzt entschließt Euch rasch, wollt Ihr mit uns hatten, so wollen wir Euch verschonen, weil Ihr die de Pinto's kennt, und wir Euren Rath brauchen können." „„Ich will mit Euch halten!"" sagte Perez rasch. In Gedanken fügte er hinzu: „„Vielleicht kann ich Euch Schurken irreführen und meinen guten Herrn retten."" Die drei Matrosen kehrten zurück und berichteten, daß sie den ehmaligen Schiffsherrn in Ketten gelegt und in den untern Raum gesperrt hätten. Jetzt hielten die Meuterer eine Berathung. Ihr Plan war glücklich ausgeführt. Was ürllten sie nun rhun, wohin sollten sie sich wenden? Pietro schlug vor, den ehemaligen Schiffsherrn zu tödten und dann nach Englisch - Amerika *) zu segeln, das Schiff dort zu veräußern und den Raub zu theilen. Sein Vorschlag fand die unbedingte Zustimmung aller seiner Genossen. Da forderte Pietro den alten Perez auf, auch seine Meinung zu sagen. „Wenn ich Euch aufrichtig rathen soll," sagte Perez," „so kann ich diesem Vorschläge nicht beiftimmen. Die de Pinto's stehen mit der englischen Regierung in Geschäftsverbindung und werden Alles aufbieten, den Tod meines ehemaligen Gebieters zu rächen. Wenn Ihr nicht zu den Menschenfressern geht, und da können uns die neuerworbenen Schätze nichts nützen, — in den Colonien findet Ihr kein sicheres Asyl. Ich schlage Euch vor, nach Spanien zu gehen und dort Euren Gefangenen der Inquisition zu übergeben. Die Voreltern der de Pinto's stammen aus Spanien, wo sie früher als Marannen **) gelebt haben; die Inquisition wird ihn noch heute als Maraimo betrachten und ihn zum Tode verurtheilen. Ihr aber waschet Eure Hände in Unschuld." „„Dein Rath ist gut, Alter,"" rief Pietro, „„und wir werden ihn befolgen. Also auf, nach Spanien, meinem Heimathlande!" *) Nunmehr die vereinigten Staaten von Nordamerika. **) Scheinchristen.

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