Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1867)
- Date
- 1867-06-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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386 noch ist, davon mag folgendes Curiosum ei« Beispiel geben. Vor einiger Zeit starb die Fürstin, die Mutter der Regentenfamilie des Fürstenthums Lippe-Detmold. Wie natürlich, war nach dem Programme auch die sämmtliche evangelische Geistlichkeit zum Leichenzuge eingeladeu. Am zum Leichenbegängnisse bestimmten Tage versammelte sich nun dieselbe vor dem Schlosse zu Detmold, und auch der Landrabbiner, Herr vr. Fahrenbach, hatte sich im Talar unter dieselbe begeben. Kaum jedoch war die hohe Leiche aus dem Schlosse gebracht und hatte der Oberhofprediger Koppen den Landrabbinen bemerkt, als sich auch seine Gesichtsfarbe veränderte und seine priesterliche Stirn sich mit düstern Falten überzog. „Was muß dem Oberhosprediger passirt sein," fragten die anwesenden Geistlichen, „daß er so betrübt aussieht?" — Doch die Sache sollte sich bald aufklären. — Vor Beginn des Leichenzuges trat der genannte Hosprediger zum Landrabbinen Vr. Fahrenbach und redete ihn an mit den Worten: „Herr Fahrenbach, (!) Sie müssen austreten, Sie gehören nicht unter uns!" Welches Aufsehen dieses unter den Tausenden von Anwesenden machte, können Sie Sich gewiß denken. Doch hören wir weiter. Als der Herr Landrabbiner trotz dieser Worte dennoch nicht aus der Reihe trat, ging der gewissenhafte Hofprediger zum Hofmarschall (Graf Isenburg) und stellte diesem die Sache vor. Und als auch dieser dem Landrabbinen mittheilte, daß er, der Landrabbiner, auf „allerhöchsten Befehl" Folge zu leisten habe, stellte sich derselbe hinter die Fronte. Ich überlaste den geehrten Lesern des „Israelit", sich gefälligst die Glossen zu diesem Curiosum selbst zu machen. I. Oppenheim^ Lehrer. Holland. Amsterdam. Unser Glaubensgenosse, Herr M. C. de Vries jr. ist von Sr. Maj. dem Könige von Holland zum Ritter der Eichenkrone ernannt worden. (N. Weekblad.) England. Cambridge. Am 3. Mai ertheilten die Professoren an der Universität dahier unserem Glaubensgenossen, Herrn Numa Eduard Hartog, ein Stipendium von 60 L. (960 fl.), welche Summe er 5 Jahre nach einander erhält. Da der Empfänger ein Israelit ist, wurden die bei Gelegenheit der Verkeilung gebräuchlichen religiösen Ceremonien in der Kapelle unterlassen. (Jew. Chron.) Rußland. Warschau. Frau Wittwe Rosalie Flato dahier, Besitzerin einer Mineralwasser-Anstalt, hat zur Erinnerung an ihren verstorbenen Mann 15,000 Rubel (1 Rubel — 1 fl. 38 kr.) den Armen verschrieben. (Marsch, jüd. Zeit.) Indien. Bvmbay. Unter den von dem verstorbenen David Sassoon zu Bombay gegründeten Wohlthätigkeitsanstalten ist auch eine der enalischen Regierung in Indien überwiesene Gabe von 6000 L. (72,000 fl.) zu bemerken, welche zur Errichtung einer mechanischen Fabrik, in der eine große Anzahl armer Einwohner ihre Existenz finden, benützt werden sollen. Am 20. Februar d. I. wurde von dem Gouverneur selbst. Sir Bartle Frere, der Grundstein zu diesem Etablissement gelegt und die Statue (?) des Gründers mit großer Feierlichkeit enthüllt. (Arch. Jsr.) Amerika. Clevelaud. Eine große Reise, die zur Erfüllung eines ähnlichen religiösen Gebotes wohl noch niemals nach so weiter Ferne gemacht wurde, ist von einem „Mohel" in Clcveland, im Staate Ohio, unternommen worden. Derselbe wurde telegraphisch benachrichtigt, daß in Lake Superior, 1200 eng. Meilen von hier entfernt, ein Kind in den „Abrahams- Bund" ausgenommen werden soll. Trotz der strengen Kälte und des hohen Schnee's reiste der Mohel dorthin, um den göttlichen Befehl zu erfüllen. Wir brauchen wohl kaum zu erwähnen, daß derselbe sich seine Reisekosten nicht bezahlen ließ. (Jew. Chron.) Feuilleton. De Uinto von Amsterdam. (Fortsetzung.) VI. Capitün Jan Matthes hatte in den ersten Wochen der Fahrt keine Ursache, mit der Bemannung seines Schiffes unzufrieden zu sein; es waren lauter geschickte Seeleute, die pünktlich und sorgfältig ihre Pflicht thaten. Schon war ein vorüberziehender Sturm glücklich überstanden; jetzt gab es wieder schönes Weiter, und Don Jiak freute sich der rasch voranschreitenden Reise; er zählte die Wochen und Tage, die ihn noch von den Seinigen trennten. Eines Tages stand Jan Matthes auf dem Verdecke; nicht weit von ihm befand sich der Steuermann am Steuerruder. Dieser fragte plötzlich: