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Der Israelit · 1867-06-05 · Heft 23 (5.6.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 23 (5.6.1867)
Date
1867-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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385 nicht der Gott sein, den du anbetest". O, wie rührend, wie idyllisch! Fühlt man sich nicht da mit dem Autor in das goldene Zeitalter der unschuldigen Schäfer und Schäferinnen versetzt und erinnern nicht diese Worte an den edlen und herrlichen Character der biblischen Ruth! Doch das hat ja der Verfasser gar nicht bezweckt. Philipp Galen hat auch nicht sein Bild aus einer orthodoxen jüdischen Familie genommen, ihm schwebte eine jener modernen Zerrgestalten vor, die die Liebe über den Glauben setzen und durch das Lesen unzähliger Romane derartigen Calibers, wie der vorliegende, diese leeren Ideale von Liebe ohne Religion, von Liebe ohne Gott im Taufbecken zu verwirklichen suchen. Aber auch die Zeit dieser Träumereien ist, dem Herrn sei's gedankt, vorüber. Der gebildete Jude wird jederzeit stark genug sein, eine gute Erziehung seiner Töchter nicht durch verderbliche, aufregende Romanlektüre, sondern durch gesunde, geistige Nahrung zu erzielen und viele solcher Charactere, wie der des Judenmädchens Jane, werden im Judenthume bald nicht mehr zu finden sein. Das ist nun Alles, was ich über diesen Roman PH. Gal^n's zu bemerken habe. Diese Zeilen werden ihren Zweck vollständig erreicht haben, wenn in dem geschätzten Leserkreise des „Israelit" auch nur eine vom Geiste echter Religiosität durchwehte Familie, die vielleicht diesen und ähnliche Romane, des lockenden Aushängeschildes halber, ihren Kindern in die Hand gegeben hätte, durch diese Zeilen zur Einsicht gekommen wäre, daß sie dadurch früher oder später ihre Töchter dem Moloch eines verderblichen GessteL der Nivellirung zum Opfer bringen, was gewiß keine redliche jüdische Mutter beabsichtigt. Für jene, die ihre Kinder statt in die Religionsschule in die Leihbibliothek schicken, haben wir nicht geschrieben. Sie gehören auch nicht zum Leserkreise dieser Blätter. Das Buch des Herrn Philipp Galän wird in einer künftigen Literaturgeschichte aller Judenromane, deren Zahl leiver Legion, seinen verdienten Platz einnehmen, für uns orthodoxe Juden wenigstens hat dieses Werk, sowie alle Romane in diesem Genre keine andere Bedeutung als drei Bände-Makulatur. Gustav Karpeles. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. □ München, 16. Mai. Es ist bekannt, daß bereits vor längerer Zeit der berühmte Chemiker, Frhr. Justus v.Liebig, kgl. Professor hier und Vorstand der bayr. Akademie der Wissenschaften, die Erfindung gemacht, auf chemischem Wege aus dem Rindfleische mehrere der wichtigsten Bestandtheile haltbar auszuziehen. (Liebig^s Fleischextract.) Die verschiedenartigsten Gelehrten haben sich nun mit dem Nutzen und der Verwendung dieses Produktes, das gegenwärtig in Südamerika in ungeheuren Quantitäten fabricirt wird, eingehend beschäftigt. Einige Bestandtheile des Rindfleisches, wie Stärke u. s. w., behauptet Prof. Vogel (im Staatsanzeiger für Württemberg), fehlen dem Fleischextracte. Darf dieses chemische Nährproduct von Israeliten gebraucht werden oder nicht? — (Es liegt klar am Tage, daß dieses Nahrungsmittel nur dann genommen werden darf, wenn es die Aerzte zur Abwendung von Lebensgefahr verordnen. — Red.) □ München, 23. Mai. In Dreißigacker (Franken) ereignete sich ein bedauernswerthes Brandunglück. Kleine Kinder spielten mit Zündhölzchen und warfen sie brennend weg. Unter 145 Wohngebäuden, die hiedurch niedergebrannt sein sollen, soll auch die Synagoge ein Raub der Flammen geworden sein. — Ern hiesiger israel. Bürger, Herr N.. hat sich dafür, daß sein Sohn, Lehrling in einem hies. Geschäfte, Samstags frei ist, vertragsmäßig verbindlich gemacht, die Summe von zweihundert Gulden als Entschädigung (!) zu bezahlen. Auf meine hierüber geäußerte Verwunderung versicherte mir die Mutter, daß dem so sei, und bezeichnete mir als Ursache, ihr Sohn habe keinen andern Platz, wo er am Sabbat frei wäre, erlangen können; die Hälfte sei bereits erlegt, die andere Hälfte müsse (vertragsmäßig) am Ende der Lehrzeit bezahlt werden. Gewiß ein Beweis, welche Opfer der echte Israelit noch zu bringen bereit rst, wenn es sich um die Heiligung des Gebotes handelt, welches eine der Grundsäulen des Judenthums ist. — Ich behalte mir vor, auf dieses Mlßverhältniß zwischen Chef und Lehrling zurückzukommen. □ Gelangen. Der „Nürnberger Correspondent" vom 17. d. berichtet des Näheren über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Erlangen an Herr Pros. vr. Herz, wozu sich am 13. d. eine Deputation der beiden städtischen Kollegien in dessen Wohnung verfügt hatte. Der I. Bürgermeister Ör. Papellier hielt eine die Verdienste und den edlen Character des Mannes hervorhebende Ansprache. Prof. Herz erwiederte in bescheidenen Worten. Der Vorstand des Gemeinde Kollegs, Kaufmann Bencker, versicherte Herrn vr. Herz, daß nie ein Antrag freudigere Zustimmung in seinem Kollegium gefunden habe, als der auf Verleihung des Ehrenbürgerrcchts an ihn. Schoelrnar, im Mai. „Doch wie die Menschen, so sind ihre Priester, „Ihr äuß'res Thun ist Heller Sonnenschein'. „Doch in dem Her en ist es schwarz und düster, „Nicht Menschlichkeit — nicht Liebe schließt es ein." Wie groß daS Rischuß in einigen Zwergstaaten

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