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Der Israelit · 1867-06-05 · Heft 23 (5.6.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 23 (5.6.1867)
Date
1867-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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884 ten Gottesrvorte, bis daß da erfüllt sein wird die Verheißung: „D'D25B D’b D»03 HJH pMTI HStboi, UNd es wird voll werden die Erde der Erkenntniß, wie das Wasser das Meer bedecket." Hirsch Grünebaum. Literarischer Gericht. Jane, die Jüdin. Erzählung in 3 Bänden von Philipp Galon. Berlin 1867. Verlag von Otto Zanke. Philipp Gal6rr erfreut sich in der romanelesenden Welt eines ausgezeichneten Rufes. Seine Romane gehören zu den gelesenften Modewaaren sowohl auf dem Pulte der vornehmen Dame, als auch in der Hütte der armen Näherin, die durch den Schweiß der Arbeit sich das nöthige Geld für die Anschaffung dieser Werke erwirbt. Es ist hier nicht am Platze, über diese Modelaune des Publikums sich des Weitern auszulassen, und die schöngeistige Thätigkeit Galän's hätte auch weiter für diese Blätter keine Wichtigkeit, wenn er nicht sein neuestes Roman-Sujet dem Judenthume entlehnt hätte. Wir treffen in diesem Romane lauter gute Bekannte aus der verflachenden Romanliteratur unserer Zeit, eine schwarzgelockte Jüdin, die sich in einen schönen Chriftenjüngling verliebt-sich taufen läßt und ihn heirathet. Darüber wäre nun, wie gesagt, kein Wort zu verlieren, wenn dieser Roman nicht Ansichten vertreten würde, die aller Vernunft und Erfahrung sinkt zuwiderlaufen. Da, wo Jeder ruhig seines Weges geht und auf irgend eine Weise sein Publikum zu belehren oder zu unterhalten sucht, da thue er es selbst auf Kosten des Judenthums; wo sich aber etwas mit Prätension an die Spitze drängt und falsche Wahngebilde einer krankhaften Poesie dem Publikum als wahre Erzählung vorgelegt werden, da müssen derartige literarische Ungezogenheiten energisch gerügt werden. Die jüdische Presse wird stets, wenn sie auf das Vernunftwidrige solcher Machwerke eingehen und das jüdische Publikum davor warnen wird, ihre hohe Mission ganz erfüllen. — Philipp Galsn führt uns in diesem jüngsten Erzeugnisse seiner ziemlich produktiven Muse eine schwedische Jüdin, Jane Normanson, als die Heldin des Romanes vor. Diese wird von ihrem Vater, da sie sich weigert, einen aufgedrungenen Mann zu heirathen, verstoßen und verflucht. Darauf nimmt sie ihre Zuflucht zu einer in Hamburg wohnenden Tante. Am Versöhnungstage erscheint sie im Gotteshause des Tempelvereins; dort sieht sie ein junger christlicher Doktor, Remhold Strahl, und verliebt sich sogleich in sie. Doch beim Nachhausegehen verliert er sie im Gedränge aus dem Auge und ist darüber ganz untröstlich. Inzwischen stirbt auch Janes Tante und sie zieht sich von der Welt zurück in ein kleines Sommerhäuschen in Ovelgönne; dort trifft sie nach langem vergeblichem Suchen der Doktor. Jane erkrankt, der Doktor stellt sie natürlich wieder her, zum Danke dafür verliebt sie sich in ihn, und endlich-geht sie zu seiner Religion über und heirathet ihn. DaS ist der Inhalt des ganzen Romanes, über den wir noch Folgendes zu bemerken haben: PH. GalLn läßt nämlich den Dr. Reinhold Strahl mit einer tüchtigen Dosis Judenhasses ausgerüstet, auftreten. „Das Judenthum ist engherzig," hören wir zu wiederholten Malen aus seinem Munoe. Im Neformtempel zu Hamburg wird er durch das Absingen des deutschen Liedes, „O Seele, was betrübst Du Dich," von diesem Jrrthume geheilt. Dennoch sind ihm die hebräischen Gebete in der Synagoge nicht recht. Jane selbst widerlegt Gm diese Ansicht: „Wir Juden beten Hebräisch, da doch ein großer Theil unseres Volkes, Gott sei Dank, diese Sprache versteht, und Ihr nehmt dennoch Anstoß daran, während doch fast die ganze Christenheit ihre Andacht in lateinischer Spache verrichtet, da doch gewiß der größte Theil der Beterinnen diese Sprache nicht versteht." Der Doctor ist nun natürlich ganz überzeugt von der Richtigkeit dieser Ansicht. — Sehr schön spricht auch Jane in der Erzählung ihrer Lebensgeschichte von der Erziehung jüdischer Mädchen, von dem jüdischen Familienleben, von der Sittlichkeit unserer Ehen und von ihren und ihres Vaters orthodoxen Gesinnungen. Wir müssen gestehen, daß uns diese Partie sehr befriedigt hat.*) — Allein wie unnatürlich ist es, daß auf einmal Jane, die Zionstochter, die fromme Beterin im Tempel zu Hamburg, die orthodoxe Tochter des orthodoxen Vaters — aus bloßer Liebe zu „dem schönen Gesichte und dem reizenden, eines Königs würdigen Händchen" — — zur Gottesleugnerin und später-zur Christin wird. Und ihr Vater, den sie immer den „starren orthodoxen Juden" nennt, und ihr Mann, „der positiv glaubende Christ," o höret und staunet! sie fragten nicht einmal, sie wünschen es gar nicht, daß Jane Christin werde. Und sie wird es doch: „Mein Gott ist dein Gott und meine Religion die deine, wie groß muß *) Anm. des Correctors: Auch ich wurde durch den Titel veranlaßt, diesen ebenso langweiligen wie in sich unwahren Roman zu lesen. Es ist ebenso unmöglich, daß ein orthodoxer Jude seine Tochter hilflos in die Welt hinausstößt und verflucht aus keinem andern Grunde als den, daß sie sich weigert, einen von ihm ausgesuchten Gatten zu nehmen, wie es anderseits unmöglich ist, daß dieser orthodoxe Jude später auf die Fürsprache eines chr. Freundes hin die Einwilligung zur Vermählung seiner Tochter mit einem Christen gibt und bei dieser Gelegenheit den Fluch in Segen umwandelt Der ganze Roman beruht auf einer völligen Unkenntniß des eigentlichen Judenthums und verräth nur eine genaue Bekanntschaft mit dem Hamburger Tempel, dessen Besucher eben nur noch dem Namen nach dem Judenthume angehören.

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