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Der Israelit · 1867-06-05 · Heft 23 (5.6.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 23 (5.6.1867)
Date
1867-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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382 und hieraus ihre Schlüsse ziehen, am Anfänge bleibt ihnen immer die ungelöste Frage über das Entstehen des Urstoffes. Ein Jeder weift die Fehler des Vorgängers auf, und das, was noch vor wenigen Jahrzehnten als die höchste Wahrheit gegolten, es wird jetzt als lächerlich verhöhnt. So können wir bis zum Entstehen des menschlichen Denkens zurückgehen und werden immer dasselbe Schauspiel antreffen. Israel allein kann sich rühmen, daß seine Gesammtheit nie, seitdem sie am Sinai gestanden, solchen Verirrungen anheimgefallen; wenn auch Viele den rechten Weg verließen, so ist doch die Gescuumtheit nie vom rechten Wege abgeirrt. Durch die Gnade Gottes wurde uns das Wesen des Weltlenkers, die Bestimmung des Menschen auf Erden kund, und diese beiden Endpunkte waren die Richtschnur des jüdischen Lebens. Wohl bedurfte es großer Vorbereitungen, ehe dieses Israel, das vor den Göttern Aegyptens gekniet, reif für die göttliche Offenbarung geworden. Nichts Geringes war es, diese durchgreifende Umgestaltung, dieses Brechen mit seitherigen Sitten und Traditionen, diese durchaus verschiedene Denk- und Handlungsweise, kurz ein anderes Leben für drei Millionen, zu bewerkstelligen. Die sichtliche Fügung Gottes zeigte Israel, daß es sich seither auf Irrwegen befand; sie machte ihm klar, daß eine Umgestaltung nothwendig sei, wenn die Zukunft ihm gehören sollte. Zwischen Meereswogen, durch der Wüste brennenden Sand zog eine Nation, ohne Mundvorrath, unkundig des Weges; ungeübt in den Waffen wird es heimtückisch von dem Wegelagerer Amalek, „ der vom Schwerte lebt" überfallen — über alle diese Mühseligkeiten und Gefahren hinweg leitet es die sichtliche Vorsehung Gottes. Voll von Gottvertrauen, gestärkt im Glauben an den Weltschöpfer, sinden wir Israel am Sinai, bereit, das Gottesgesetz zu empfangen, ein Gesetz mit dem und durch das es die Welt erleuchten soll, die noch in den Banden des Aberglaubens und des schrecklichen Götzendienstes schmachtet. Diesen Zweck des Gesetzes thut Moscheh dem Volke mit den Worten kund: „Und Ihr sollt mir ein auserivählteZ Volk sein, von allen Völkern, denn mir ist die ganze Erde, h'pud Drv'ro pND o D’cyn *?2Q,U und Israel übernimmt einstimmig diese Aufgabe. Es übernimmt es, die Schranken dieses Gesetzes, das zu empfangen es bereit ist, als die Grenzen seiner Bewegungen zu betrachten. Wollt Ihr die Verbreiter der reinen Gotteserkenntniß werden, so müßt Ihr entsagen lernen, Ihr müßt Euch von dem Bisherigen losrerßen, nicht dürft Ihr Euch mischen unter die Völker, nicht dürft Ihr mehr Euren Gelüsten freien Lauf lasten; so ruft Gott Israel zu. — Nicht eine Nation auf Erden konnte sich mit diesem Gesetze befreunden, kein Volk wollte den irdischen Genüflen entsagen im Hinblick auf eine dereinstige Belohnung nach dem Tode. Esau kann das runn -rnicht in Einklang mit feiner Lebensweise bringen, ihm ist das mordende Eisen zum Bedürfniß geworden, von dem er sich nicht losreißen will, ihm ist das Gesetz nicht fürs praktische Leben; Jsmael will das nicht behagen, dieses Gesetz ist ihm zu beschränkend, vielleicht auch nicht zeitgemäß; jeder hat eben etwas auszusetzen, das ihm nicht behagt. Israel allem setzt nichts aus, es fügt sich in den göttlichen Willen, denn es sieht sich dadurch auf die Bahn zur Vervollkommnung gebracht. Dem festen Willen und Bestreben Israels, ein gottgeweihtes Volk zu werden, ebneten sich die Pfade. Mit dieser Gotteserkenntniß durchzog es die Wüste, überwand es alle Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellten, für daffelbe eroberte es mit dem Schwerte das gelobte Land. Jahrhunderte vergingen; abwechselnd zwischen Gesetzestreue und Glück, zwischen Abfall und Knechtschaft. Wer nennt die Namen aller jener Heroen des Selbstbeherrschens, jener Riesen an geistiger Kraft, die am sonnigen Firmamente der jüdischen Geschichte, treu diesem Gesetze, erstrahlten! Nachdem Josua Palästina erobert, bildete Israel eine Republik, die Verfassung für alle Verhältnisse des Lebens fand sich in dem Gottesgesetze. Als später durch den Volkswilleu Könige über Israel herrschten., erwies sich dieselbe Verfassung als musterhaft. In der Treue zu diesem Gesetze regierten jüdische Könige und machten Palästina zu einem Mufterstaate, in besten Innern ein jeder ruhig „unter seinem Weinstock und Feigenbäume saß;" Angriffe von Außen wurden so kräftig abgewiesen, daß alle Nachbarn nach der Freundschaft der jüdischen Monarchen strebten und in Handelsverbindungen, inSchutz- und Trutzbündniffe traten. Nachdem ein David in der Befolgung dieser Gesetze und für dieselbe seine unsterblichen Psalmen gesungen, nachdem er die herrlichsten Gedanken, die er durch dasselbe gewonnen, in ein noch herrlicheres Gewand gekleidet; nachdem dieser königliche Sänger, der eben so gut verstand, das Schwert zu führen, als der Saite seiner Harfe die lieblichen Lieder Zions zu entlocken, seinem Gotte solche Lieder gesungen; nachdem sein Nachfolger, der weise Koheleth, seine Sittensprüche gelehrt und seine tiefen Gedanken offenbart, finden wir Israel unter unfähigen Königen, deren Unglück ihrem Abfalle vom Gottesgesetze entspricht. Mitten durch dieses Dunkel der Nacht des Abfalles und Götzendienstes führt uns die leitende Hand der Geschichte wiederum an den Sinai. Hier finden wir den einzigen Eiferer für Gesetz und Recht, den göttlichen Propheten Elijahu, einsam und verlassen, verfolgt und verstoßen, mißmuthig und verzweifelt in der Wüste. Ihm, dem einzigen, dem. noch das Herz treu schlägt für den Gott Israels und seine heilige Lehre, ihm strebt ein götzendienerisches Weib, das der verblendete Achab zur Königin über Israel erkoren, nach dem Leben. Was mochten wohl diesem Elijahu für

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