Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1867)
- Date
- 1867-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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VHL Jahrgang. JW 23 Der Israelit. Ein Gentrat - Grgan für das orthodoxe Iudenlhum. Herausgegebm von Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 5. Juni 5627 (1667). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestms 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. C. oder sl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate li/2 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. .Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition sr.Mo einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Zweimal am Sinai. — Literarischer Bericht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. München. Erlangen. Schoetmar. — Holland: Amsterdam. — England: Cambridge. — Rußland: Warschau. — Indien: Bombay. — Amerika: Cleveland. — Feuilleton: De Pinto von Amsterdam. — O'OHlid -,yi nu Gallerte der Rabbiner. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Vorgänge in Ungarn. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen: Deutschland: Aus Württemberg. — Oesterr. Kaiserst.: Wien. Wien. Eisenstadl. Brody. — Donaufürstenth.: Jassy. — Frankreich: Paris. Paris. — Afrika: Tanger. — Feuilleton: David Rubeni und R. Salomo Molcho. Inhalt der^wissenschaftlichen Beilage: Noch einmal die Bamberger Synagogen - Ordnung. — Die neue von Fischer sund Gelbe) besorgte Ausgabe des Buxtorf'schen Lexicon Chaldaicum talm. et rabb. — HEHIC m IVttffcO Leitend« Artikel. Zweimal am Sinai. Ein und dreißig Jahrhunderte sind bereits verflosien, reich an den verschiedenartigsten Wechselfällen der Weltgeschichte; Länder und Völker, Städte und Reiche haben in dieser Zeit geblüht und geglänzt und sind nach kürzerer oder längerer Zeit den Weg alles Vergänglichen gewandert, sind zum großen Theile spurlos von der Erde verschwunden — seitdem Israel am östlichen Fuße des Sinai gestanden. Vieles hat sich inzwischen umgestaltet, Vieles hat andere Formen angenommen; die Völker, die damals die Welt beherrschten, die viel sväter noch sich in den Besitz der bekannten Erdtheile gesetzt hatten, jene großen und mächtigen Nationen mit ihren gutorganisirten Staaten, mit ihren ^desmuthigen Helden und Legionen, sind sämmtlich ,n Religionen nnd Götzen, die ihre größ- I ten Derber, deren Riesengeist uns heute noch in Er- > staunen setzt, geschaffen, spurlos verschwunden. Nichts erinnert mehr an ihre Größe und Macht, an ihre Herrlichkeit und Bildung als einige Trümmer, die von festerem Wesen als ihre einstigen Inhaber dem Zahne der Zeit noch schwachen Widerstand leisten. Ein Völkchen aber, klein an Zahl und ohne politische Macht, ist ans jenen grauen Zeiten noch übrig, nicht altersschwach und dahinsiechend, sondern noch kräftig und voll Lebens, wie es vielleicht damals nicht war. Vor jener Offenbarung am Sinai, dem größten Ereigniffe der Weltgeschichte, da war dieses Völkchen nichts als eine Sklavenkaste der Aegypter, und wie diese kniete Israel vor den absurdesten Götzen, beugte es das Knie vor dem langbeinigen Sumpfvogel der Nilufer, die buntfarbige Eidechse galt ihm als heilig und der gehörnte Wiederkäuer als das höchste Wesen. So stand es um die damalige Welt; die größten Nationen beugten sich im Staube vor Holz und Stein, vor Jhis und Chamäleon und suchten von diesen Dingen Hilfe und Glück. Noch Jahrtausende später finden wir die., großen Denker der erleuchtetsten Nationen in diesem Jrrthume befangen; nur Wenigen gelingt es, eine annähernd richtige Gottesidee zu fassen, während der größte Theil Gott überall zu finden glaubt, nur nicht da, wo er zu finden ist. Allen Philosophen bis auf den heutigen Tag, mögen sie an der Hand der Natur oder auf andere Art über das Wesen aller Dinge, über das Entstehen des Kosmos nachforschen