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Der Israelit · 1867-05-29 · Heft 22 (29.5.1867) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 22 (29.5.1867)
Date
1867-05-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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368 an Statuten fehle, die die Verhältnisse der Gemeinde« gegen einander, gegen die Staatsbehörden reglen, welchen Einfluß die Gemeindemitglieder bei der Wahl des Vorstandes haben sollen und die den Rechten der Rabbinen, Lehrer und Gemeindebeamten eine präcise Norm geben. — Nun treten die Klagen deutlich hervor und wir erkennen endlich genau die Absicht des Vorstehers und werden wirklich etwas mehr als verstimmt. — „So konnte es geschehen, daß ein Komitatsleiter dm mit großer Majorität der Gemeinde gewählten Vorstand seines Amtes entsetzte und an dessen Stelle die Candidaten einer kleinen Fraction einsetzte, welche sich zufällig der Gunst des durch keinerlei Gesetz beschränkten uud daher allmächtigen Regierungsorgans zu erfreuen hatte." — Das ist ein einzelner Fall einer willkürlichen Beeinflussung des Comitatsleilers, der uns unbekannt ist, sich aber wahrscheinlich auf die eigene Gemeinde Pesth bezieht. — Mehr Bedeutung hat die folgende Anklage, der die frühere nur als Folie und Einleitung zu dienen^ hat. — „So konnte es geschehen, daß anderwärts eine kleine Fraction der Gemeinde die Gewählten der Majorität anzuerkennen sich weigernd, ihren Verband mit der Gemeinde ganz abgebrochen und unter allerlei Vorwänden eine eigene Gemeinde bildet." — Der Herr Vorsteher in Pesth hat nun gewiß die separate, behördlich sanctionirte orthodoxe Gemeinde in Stuhlweißenburg gemeint. Er gibt sich den Anschein, als wenn die Ausscheidung der orthodoxen Mitglieder in Stuhlweißenburg lediglich aus Caprice geschehen, aus Störrigkeit manche Gemeinde-Mitglieder die Gewählten der Majorität anzuerkennen sich geweigert, also der ganze Streit nur die Bedeutung einer Vorstandsambition und Neckerei habe, daß aber diese Minorität aus religiösen Bedenken, ganz abgesehen von allen Persönlichkeiten, weil sie den Glauben ihrer Väter erhalten wollte, aus einem Verbände getreten, der ihn gefährdete, davon schweigt das Memorandum geflissentlich. — Weiß es der Vorsteher in Pesth nicht, daß diese Minorität von Gemeinde-Mitgliedern ihre religiösen Klagen einer beträchtlichen Anzahl der größten rabbimschen Autoritäten des In- und Auslandes vorgelegt, und diese ihre rabbimschen Gutachten dahin abgaben, daß es der größte Gewissenszwang wäre, wenn die Minorität den Reformgelüsten der Majorität unbarmherzig überliefert würde? Daß diese Minorität nicht etwa neue Wünsche hegte und neue Normen für ihre Gemeinde-, Cultus- und Schulangelegenheiten begründen wollte, sondern nur die ererbte hergebrachte Weise, wie sie auch in den meisten Gemeinden Israels noch heute zu Recht bestehen, für sich in Anspruch nahm? Hofft etwa der Pesther Herr Vorsteher, daß der nunmehrige, edeldenkende, freiheitsbegeifterle Herr Cultusminifter verläugnen werde das Princip, das die kön. ung. Hofkanzlei <1. 6. 6. November 1862 Z. 13901 in ihrer diesfälligen Entscheidung ausgesprochen : „daß der freien Religionsübung und der möglichsten Religions- und Gewissensbefriedigung halber, mit der Bedingung, daß die Bildung einer neuen Secte nicht beabsichtigt wird, in religiöser Beziehung die Trennung verschiedener jüdischer Genossenschaften von anderen wohl gestattet." —? — (Schluß folgt.) ZeLtungSnachriehten und Correspondenzen. Deutschland. ZNninz. Welch sonderbare Idee die Spanier unserer Zeit noch von den Juden haben, erfahren wir aus einem in dem „Athenäum" veröffentlichten Auszug eines spanischen Romans: „Der Held dieses Romans ist Herr Stein. Derselbe stürzt aus Mattigkeit und tödtlich verwundet vor dem Thore eines verfallenen Klosters nieder. Hier wird Stein von Marie und dem Bruder Gabriel wahrend seiner langen und gefährlichen Krankheit verpflegt. In Folge dieser sorgfältigen Pflege wurde er wieder hergestellt, und zwar gerade am Tage, an welchem die gute alte Frau ihr letztes Geflügel getödtet und der Bruder Gabriel seine letzte Citrone gepflückt hatte. Marie und Gabriel stellten verschiedene Betrachtungen an über das Geschäft, welches dieser Invalide wohl getrieben haben mochte. Ist er wohl ein Soldat? Nein, das ist nicht möglich, denn sein ganzes Gepäck besteht nur aus einer Flöte. Ist er ein Schleichhändler? Auch nicht, denn nach der ganz richtigen Bemerkung der Frau muß man, um Schleichhandel zu treiben, Stoffe, Kleinodien oder Geld haben, und solches hat. ec nicht. Plötzlich siel Gabriel die Idee ein, in seinen deutschen Büchern einmal nachzuforschen und machte die Bemerkung, daß sie einem Hebräer gehörten. Ein Hebräer! Heilige.rief Marie, hältst Du ihn wirklich für einen Fnden? Da erwachte stein, und fein erster Ausruf war aus Deutsch: „Gott, wo bin ich?" Die alte Frau sprang plötzlich in die Mitte des Zimmers. Der Bruder Gabriel schloß das Buch, weit die Augen anfreißend, bei diesem neuen Lärm. — „Welche Sprache spricht er? Es ist ohne Zweifel die hebräische. Gott stehe uns bei. Aber höre, wenn es ein Jude wäre, müßten wir doch einen Schwanz bei ihm bemerkt haben wie bei den bösen Geistern." — „Marie," erwiederte Gabriel, „der Prior hat mir gesagt: Die Erzählung, daß die Juden Schwänze haben, ist nichts als ein thörichter Aberglaube, indem sie mit den Teufeln ganz und gar nichts gemein haben." — „Gabriel," versetzte ernsthaft die alte Frau, „seit der letzten Eon-

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