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Der Israelit · 1867-05-29 · Heft 22 (29.5.1867) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 22 (29.5.1867)
Date
1867-05-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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366 „Ja," hatte der Capitän gesagt, „wenn's noch ordentliche Kerls wären, aber lauter Galgengesichter! „„Und ihre Papiere?"" fragte Don Jsak. „Das ist es ja eben; wenn ich sie nach ihren Papieren fragte, da lachten sie und meinten, ich solle mir eine papierene Bemannung anschaffen. Es war eben nichts als Lumpengesindel!" — „„Und wie werden wir heimkommen?"" „Bleiben wir lieber in Batavia, ehe wir solche Lumpen aufs Schiff nehmen!" Don Jsak seufzte und schwieg. Jetzt nun stand Jan Matthes im Hafen und schaute nach seinen Agenten aus, die ihm Matrosen und Offiziere zuführen sollten. Endlich kam ein solcher, von zwei Seeleuten gefolgt. „Capitän," sagte der Agent, „ich führe Euch zwei Herren zu, die als erster und zweiter Steuermann bei Euch eintreten wollen!" „Wie heißt Ihr?," fragte der Capitän, nachdem er den Gruß der Fremden erwidert hatte. „Ich heiße Giovanni Marino," nahm der Eine das Wort, „und habe als zweiter Steuermann die Fahrt auf der Colomba hierher gemacht; ich bin aus Ferrara, und mein Kamerad hier, Paolo Lamberti, ist aus Genua. Wenn Ihr mich als ersten Steuermann annehmt, so könnt Ihr ihn als zweiten verwenden. Er hat zwar noch kein Steuer geführt, ist aber ein anstelliger Junge!" „Habt Ihr Eure Papiere zur Hand?" „„Hier sind sie, Capitano!"" „Die Papiere sind in Ordnung, und auch Ihr gefallt mir, habt doch Seemannsgesichter — nicht solche Galgenphvsiognomien wie das Lumpenpack, das sich mir seit zwei Tagen angeboten hat. Doch muß ich erst auf der Colomba Erkundigungen einziehen!" „„Die Colomba, Capitano, ist seit acht Tagen wieder auf hoher See?"" „Und warum seid Ihr nicht auf der Colomba geblieben?" „„Wir konnten uns mit dem knickerigen Capitano nicht vertragen, der unfern Lohn schmälern wollte. Wir dachten: bleiben wir in diesem schönen Lande und suchen uns hier ein Unterkommen! Da kam das Unglück mit dem Vulkan, bas die ganze Insel in Aufregung versetzt und auch uns dies schöne Land verleidet hat. Nun hörten wir, daß Ihr Leute sucht, Capitano, und wir beschlossen, mit Euch zu segeln, wenn Ihr uns gut bezahlt."" „Daran svll's nicht fehlen, Ihr Herren! Ich bin glücklich, eine so gute Erwerbung gemacht zu haben. Hätte ich doch erst die übrige Bemannung!" „„Wir können Euch vielleicht dienen, Caprtano. Wir -kennen eine Anzahl tüchtiger Seeleute, die sich hier niedergelassen haben, seit neuster Zeit sich aber vor den Vulkanen fürchten und gern dieses gefährliche Land bei guter Gelegenheit verlassen möchten."" „Topp," rief der Capitän vergnügt — „das macht sich ja über alle Erwartung. Allein, Ihr Herren, kommt zuvor mit aufs Schiff; wir haben den Rheder an Bord; dem möchte ich Euch doch zuvor vorstellen!" Don Jsak war hoch erfreut, als sich ihm die frohe Aussicht bot, nunmehr die Heimreise bald antreten zu können. Seine Sehnsucht nach Vater und Gattin war, nachdem er seine Geschäfte besorgt hatte, aufs Höchste gestiegen; er gab natürlich zu allen Dispositionen seines braven Capitäns sofort seine Zustimmung. . Als die beiden Steuerleute ihm vorgestellt wurden, war der alte Perez gegenwärtig; Perez wollte einige Aehnlichkeit zwischen dem zweiten Steuermanne, der sich Paolo Lamberti nannte, und dem ehemaligen Aufseher Pietro bemerkt haben; das machte ihn mißtrauisch. Er folgte den Beiden, und im Hafen fragte er einen ihm begegnenden Hafenaufseher: ^Kennt Ihr die Beiden, die sich dort entfernen?" „„Den Einen kenne ich nicht,"" sagte der Hasenaufseher, „„aber der Andere heißt Paolo Lamberti, und war ehedem zweiter Steuermannn auf der Colomba." " Natürlich zerstreute diese Auskunft den Verdacht des treuen Dieners vollständig; hätte er, statt nach Beiden zugleich, nur nach Pietro allein gefragt — wie viele Leiden wären ihm und seinem Herrn erspart geblieben! Am Ausgange des Hafens rieben sich die beiden Schurken vergnügt die Hände. „Das war doch ein capitaler Einfall," sagte Pietro, „den Alten erst durch einen ganzen Haufen Kerls mit Galgengesichtern und ohne Papiere mürbe zu machen! — Daß er so leicht in den Köder beißen würde, hatte ich mir nicht vorgestellt. Freue Dich, Giovanni, wir sind gemachte Leute! Das Schiff des Juden mitsammt seiner reichen Ladung ist bald unser!" „„Wollen wir nicht in die Schenke gehen und unfern Erfolg mit einer Flasche Xeres feiern?"" sagte der ehemalige Paolo. „Nicht doch, Bruder! Xeres können wir später noch genug trinken; jetzt gilt's Mannschaften anzuwerben, auf die wir uns verlassen können." Drei Tage nachher ging die Speranza mit voller Bemannung in See. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. GottSleben in Mainz. w

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