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Der Israelit · 1867-05-29 · Heft 22 (29.5.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 22 (29.5.1867)
Date
1867-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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365 bar entgegennehmen, und der Allerbarmer wird auch euren Nothruf zu jeder Zeit vernehmen und sich eurer und eurer Kinder erbarmen, wenn zur Stunde der Noch ihr Ihn rufet. Amen.'" Diese Rede verfehlte nicht, auf die Zuhörer den günstigsten Eindruck zu machen. Feuilleton. Ke Writo von Amsterdam. (Fortsetzung.) IV. .In einer Spelunke in Batavia, wo nur das roheste und gemeinste Gesindel verkehrte, saß allerlei Volk beim funkelnden Weine, den die brennende Sonne Ostindiens gezeitigt hatte; wie überall, wurde auch hier das furchtbare Unglück besprochen, das der zusammenstürzende Vulkan angerichtet hatte. „Weißt Du, Pietro," sagte einer der Strolche zu dem uns schon bekannten ehemaligen Aufseher auf de Pinto's Besitzungen, „daß die ganze Mannschaft der Speranza, die deinen ehemaligen Herrn nach Java gebracht hat, von dem Berge verschüttet worden ist?" „„Und er, der jüdische Hund,"" fragte Pietro zurück, „„ist auch er in den Abgrund der Hölle hinabgefahren?"" „Nicht doch, er hat sich gar nicht von seinen Besitzungen entfernt. Auch der Capitän der Speranza ist wie durch ein Wunder entkommen. Er sucht jetzt neue Mannen, um die Rückfahrt nach Amsterdam anzutreten." Pietro verfiel in tiefes Nachdenken; plötzlich wandte er sich an seinen Zechgenossen. „„Paolo,"" redete er ihn an, „„willst Du 25 spanische Dublonen verdienen?"" „Welche Frage! ob ich will? gewiß will ich! Was ist denn zu thun? Gilt's, Jemanden kalt zu machen?" „„Nein, ich will nur deine Papiere kaufen — ich gebe Dir den ganzen Rest meines Vermögens dafür; mich wandelt die Lust an, künftig als Paolo aus Genua einherzustolzieren!"" „Machst Du Scherz, Pietro, oder bist Du verrückt geworden?" „„Ich bin bei vollem Verstände und scherze auch nicht."" „So hast Du etwas Besonderes vor? Pietro, Du kannst mir vertrauen! Du weißt gewiß 1000 Dublonen zu verdienen, wenn Du 25 für meinen lumpigen Namen geben willst. Pietro, laß mich dabei sein!" Der letzte Theil der Unterredung wurde im leisesten Flüsterton gesprochen; doch schien auch das noch Pietro nicht sicher genug. Er winkte dem Wirthe und ließ sich von diesem für sich und seinen Genossen ein * entlegenes Zimmer anweisen. Dort angekommen verschloß Pietro die Thür, ließ die Fenstervorhänge nieder und enthüllte denn seinem Gefährten die Pläne seiner schwarzen Seele. „„Du weißt,"" redete er seinen würdigen Kameraden an, „„daß ich gleich Dir ein Seemann gewesen, ehe ich Aufseher auf jenem Gute des verdammten Juden wurde. Ich will wieder zur See gehen, und zwar auf der Speranza; dort darf ich natürlich nicht Pietro aus Saragossa heißen; deßhalb will ich mir deinen Namen borgen. Unkenntlich willich mich schon machen. Uebrigens hat mich der Capitän gar nicht und der Jude nur einmal gesehen."" „Und daun?" fragte Paolo gespannt, als Pietro schwieg. „„Nun, was denn?"" lachte dieser, „„dannwill ich nach Amsterdam fahren und bei einem der Mynheers ein Unterkommen suchen!"" „Pietro, wie oft soll ich Dir sagen, daß Du mir vertrauen kannst? Sage mir doch, was Du vorhast und laß mich dabei sein!" „„Wie kannst Du dabei sein, wenn ich mir deinen Namen borge?"" „O, was das betrifft, so habe ich noch einen Namen in Vorrath. Als ich auf der Colomba hierherfuhr, starb ein guter Kamerad; Giovanni hieß er und war aus Ferrara; ich habe seine Papiere an mich genommen." „„Goldjunge, jetzt kannst Du dabei sein; aber, merk' Dirs genau, von dieser Minute an heißt Du Giovanni und ich Paolo'."" „So nenne Du Dich doch lieber Giovanni und laß mir meinen alten Namen." „„Nein, das geht nicht! Siehst Du, ich habe den Giovanni nicht gekannt und weiß mich nicht in seine Person zu fügen. Dich aber kenne ich, und Du sollst Dich wundern, wie ich den Paolo copire; Du sollst manchmal meinen, ich sei wirklich Paolo geworden. Du aber spielst den Giovanni. Dabei bleibt's."" „Nun, meinetwegen! Doch wirft Du mir jetzt endlich sagen, was Du eigentlich vorhast?" „„Ja, das will ich, zumal ich deiner Hilfe dabei bedarf. Aber nicht hier. Wir gehen aus'ö freie Feld, wo kein Unberufener unser Geheimniß erlauschen kann." — V. Im Hafen stand tief bekümmert Jan Matches; er gedachte seiner treuen Mannen und wünschte, er wäre mit ihnen gestorben. Seit einigen Tagen bemühte er sich vergebens, neue Mannschaften anzuwerben; aber kein holländischer, kein englischer, kein dänischer oder deutscher Matrose war zu haben; nichts als Südländer: Spanier und Italiener, gegen die Jan Matthes ein unüberwindliches Mißtrauen hegte. Don Jsak befand sich schon aus dem Schiffe und drängte zur Eile.

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