Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1867)
- Date
- 1867-05-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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355 werden, einbringen. — Und wenn es auch, was wir nicht in Abrede stellen können, im ungarischen Reichstage Männer gibt, die unfern Glaubensgenossen keine allzu großen Sympathien entgegenbringen, und die vielleicht gegen die einzubringende Ministervorlage Opposition machen werden, so haben wir doch von dem Liberalismus und dem Gerechtigkeitssinne der beiden Häuser des Landtags eine viel zu hohe Meinung, als daß wir auch nur einen Augenblick daran zweifeln könnten, daß die Ministervorlage nicht angenommen werden sollte, zumal die h. Landtage sich in ihren frühern Adressen in dem Sinne ausgesprochen haben, daß es eine der ersten Aufgaben ihrer Legislative sein wird, durch ein Gesetz die Gleichberechtigung aller ungarischen Bürger, ohne Unterschied der Religion, zu sichern. Auch können wir dem sich neubildenden Vereine „raicr non? rron", welcher G. s. D. auch hier bei uns in Zipsen zahlreiche Anhänger findet, in Ungarn ein günstiges Resultat prognostiziren. Nicht nur die sociale Gleichstellung haben wir in nächsterZeit zu erwarten, sondern, was uns noch weit mehr ist, auch die in Ungarn für die Anhänger der verschiedenen chr. Confesfionen unbeschränkt gewährte Gewissensfreiheit und Anerkennung, auch auf das Judenthum ausgedehnt zu sehen. So entnehmen wir einer an die ev.-ref. Superintendenz gehaltenen Rede des ungarischen Cultusministers Baron Eötvös folgende bedeutungsvolle Stelle, mit welcher der Herr Minister seine Rede beendigte: „Nicht Jndifferentismus in Religionsangelegenheiten, wie ihn Manche in neuerer Zeit vom Staate wünschen, sondern gleiche Achtung jeder Religion, gleicher Schutz der vollen Freiheit jeglicher Confession ist der Grundsatz, welchen die Regierung in ihren Verhältnissen zu den verschiedenen Glaubensbekenntnissen sich vorgezeichnet hat; dieser Grundsatz entspricht einerseits am besten dem Gesetze, welches für alle im Jahre 1848 recipirten Religionen volle Gleichberechtigung und Reciprocität ausspricht und anderseits befördert er am besten die Interessen der einzelnen Confesfionen und des gemeinsamen Vaterlandes." Nichts Anderes als eben die praktische und konsequente Durchführung des in dieser Ministerrede proclamirten Grundsatzes: „gleiche Achtung jeder Religion, gleicher Schutz der vollen Freiheit jeglicher Confession" ist es, was wir erstreben, nnd was die man naty nmar erringen helfen soll. — Und wie ich aus einer ziemlich verläßlichen Quelle mir zukommenden Nachricht entnehme, sieht der Herr Cultusminister die Wünsche der jüdischen Umsturz-Partei, der Neologie, welche so gern den Liberalismus als ihr Monopol betrachtet wissen möchte, keineswegs als maßgebend für die Israeliten Ungarns an; der Herr Minister, der mit jüdischen Angelegenheiten als echter Judenfreund, wie dies vielfach dessen belletristischen Werke, wie auch eine noch in den dreißiger Jahren von ihm herausgegebene Broschüre Über die Emancipation der Juden bekundet, bewandert, weiß es sehr wohl, daß bei dieser Partei das eigentliche Judenthum mit einer starken Dosis von sogenannter Freigeister ei versetzt, nicht unverfälscht zum Ausdruck kommt, und daß nur diejenigen, die unbeirrt an dem Glauben ihrer Väter, an ihren Sitten und Traditionen festhalten, und eben keinen Jndifferentismus an den Tag legen, Anspruch darauf machen können, das eigentliche historisch bekannte Judenthum zu repräsentiren, welcher Richtung übrigens auch die Majorität der ungarischen Judenheitn"a huldigt. — Es soll demnächst, wie wir hören, ein gebildeter orthodoxer Rabbiner vom Herrn Cultusminister zur Besprechung über jüdische Angelegenheiten und Interessen eingeladen werden. Mögen daher unsere Brüder in Ungarn sich recht zahlreich an der vnv man betheiligen, damit wir die uns günstige Zeit nützen und ein heilsames Werk vollbringen können, dessen Segnungen sich auf viele Tausende unserer Glaubensbrüder erstrecken. Mit Gottes Hilfe werden wir gewiß den mp ria», ein von vielen Gefahren bedrohtes Palladium unserer heiligen Religion, retten! M. A. R. Syrien. Beirut. In hiesiger Stadt haben mehrere Prolelyten unter dem Namen „Oelzweig-Schule" ein Institut errichtet, welches leider von vielen jüdischen Kindern besucht wird. Wir entnehmen das Folgende einer Missionär- Zeitung und hoffen, daß unsere Glaubensgenossen in dieser Stadt die große Gefahr einsehen werden, welcher sie ihre Kinder aussetzen, indem sie dieselben in ein Institut dieser Art schicken: „22. Jan. Es freut mich mittheilen zu können, daß die Wirksamkeit unserer „Oelzweig-Schule" durch ihre verbesserte Einrichtung und durch ihren vortrefflichen neuen Judenlehrer immer mehr im Wachsen begriffen ist. Unsere Judenkinder lernen auf Arabisch diejenigen prophetischen Stellen, die sich auf den Messias beziehen und die christlichen Kinder die Kapitel im neuen Testamente, welche die Ankunft desselben bestätigen. Gestern fand unsere halbjährliche Prüfung statt. 56 Kinder waren anwesend , unter denen 25 Jüdinnen und 1 Muhamedanerin sind. Das war ein köstliches Vergnügen für mich. Einige jüdische Damen und drei der vornehmsten Juden in Beirut wohnten der Prüfung bei und zeigten großes Interesse. Die Prüfung war kurz; die Geschichte der Patriarchen und die Geburt von Christus wurde von den Kindern sehr hübsch in Verbindung gebracht. Unser junger jüdischer Convertit hat die Kinder das de-