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Der Israelit · 1867-05-22 · Heft 21 (22.5.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 21 (22.5.1867)
Date
1867-05-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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353 auf mich wirkte. Diese große Synagoge war sowohl am Freitag-Abend, wie Sonnabend Morgens, Nachmittags und Abends förmlich überfüllt, und auch Sonntag Morgens war der Gottesdienst ungemein zahlreich besucht; wie man mir erzählt hat, können bereits 19 Mitglieder keine Plätze haben, so daß man an einen vergrößernden Umbau zu denken genöthigt ist.*) — Zu meinem Bedauern predigte Herr Rabbiner Hirsch an jenem Sabbat nicht, so daß es mir nicht vergönnt war, diesen berühmten Mann sprechen zu hören. — Nach dem Schluffe des Sabbat-Morgen-Gottesdienstes führte mich die Neugier in die resormirte Synagoge, an der Herr Dr. Geiger Rabbiner ist; dort beginnt der Gottesdienst nicht so früh, so daß ich noch gerade recht kam. Die Synagoge ist ein imopsantes Gebäude, allein sie war fast leer. Die Anwesenden, etwa 20 Herren und 30 Damen, verloren sich in dem großen Gebäude; als aber Herr Dr. Geiger zu predigen begann, eilten auch diese wenigen Andächtigen zur Thüre hinaus, so daß nur drei oder vier Personen zurückblieben und Herr Dr. Geiger buchstäblich vor leeren Bänken predigen mußte — pyrn n»po p«! — Einem solchen Schauspiele beizuwohnen, verspürte ich keine Lust, und deßhalb schloß ich mich der allgemeinen Auswanderung an!/ — Das ist geregelter, veredelter Gottesdienst, das ist Weckung des Andachtsgefühls, das ist Gewinnung der Indifferenten durch veredelte Formen! O, kommt nach Frankfurt a. M. alle ihr vom Reformschwindel Befallenen und überzeugt euch von der Anziehungskraft des echten, unverfälschten Judenthums und von den Erfolgen der sogenannten Reform! Wie Sie wiffen, verehrter Freund, bin ich ein enthusiastischer Verehrer der Musik; trotzdem hat die Orgel in der Geiger'schen Synagoge — ich bin Kenner, es ist das ein ganz vorzüglich gebautes Instrument — einen abstoßenden Eindruck auf mich gemacht; das christliche Instrument paßt einmal nicht zu jüdischen Gebeten. Beten wir lieber unser Schma Jisroel aus vollem Herzen — ohne Instrumentalbegleitung. A. M. Frankfurt a. M., 10. Mai. Gestern Mittag verschied nach viermonatlichen Leiden der Director der israel. Realschule, Dr. Sigismund Stern. Seine hervorragende pädagogische Bedeutung gereichte nicht nur der Anstalt, weicherer zwölf Jahre Vorstand, zu nachhaltiger Förderung, auch in den weitesten Lehrerkreisen wirkte er anregend durch Wort und Schrift. Durch das Vertrauen feiner Mitbürger in manches öffentliche Ehrenamt berufen, hat er auch über die Schule hinaus, befouders als mehrjähriges Mitglied der gesetzgebenden Versammlung, eine segensreiche Thätigkeit entfaltet. In einer Reihe historischer Werke, vornehmlich über Gegenstände der deutschen *) Anm. der Red.: Es geht uns in Mainz ebenso. j Geschichte, bestrebte sich Stern mit bestem Erfolg, die j Resultate der Wissenschaft durch edle Popularität zum j Gemeingut der Gebildeten zu machen. Einem gleichen > Ziele waren seine öffentlichen Vorlesungen gewidmet, I welche durch meisterhafte Darstellung und sittliche j Wärme sich lebhaften Anklanges erfreuten. In noch | nicht vollendetem 55. Lebensjahre ist Stern dieser | reichen Wirksamkeit durch den Tod entrissen worden; sein Hintritt erregt die allgemeinste Theilnahme. — > Herr Dr. S t e r n war vor seiner Berufung nach Frank-! furt a. M. zweiter Prediger der Reformgerminde zu .Berlin. Bei sonst vorzüglicher Begabung, fehlte es j ihm gänzlich an jüdischem Wiffen. In religiöser Be-! ziehung verhielt er sich zum Judenthum nur negirend! und leugnete viele Grundwahrheiten der jüdischen Re-! ligiou. Es wird ihm vielleicht zum Lobe gereichen, daß er sowohl in Berlin wie in Frankfurt nichts verdorben hat, weil in beiden Stellungen die Vorgefundenen Zustände derart waren, daß nichts mehr verdorben werden konnte. Frankfurt a. M. Einem hier umlaufenden Gerüchte zufolge ist Herrn Baron v. Rothschild, unserm Reichstagsabgeordnetcn, ein Sitz im Herrenhause zugedacht. Magdeburg, den 7. Mai. Auf die etwas sarkastische Anmerkung des Eorrect. d. Bl. zu meiner Mittheilung vom 15. April: „Von der eigentlichen Wirksamkeit des Rabbinen, von der njmn im engeren Sinne scheinen diese Herren zu abstrahiren, ein min n*mn wäre in Magdeburg auch wohl Luxus," fühle ich mich im Interesse der Wahrheit dringend zu nachstehender Replik veranlaßt, deren Aufnahme in Ihr gesch. Blatt Sie gewiß nicht verweigern werden. Unter „Wahrung aller religiösen Interessen innerhalb der Gemeinde", vie Herr Dr. Rahmer in seiner Antritts-Rede als einen Hauptbestandtheil der Wirksamkeit eines Rabbinen darstellte, ist allerdings auch die Entscheidung ritueller Fragen nsmn zu verstehen, obgleich er dieselbe, wie vielleicht auch noch mancher andere orthodoxe Rabbiner bei gleichem Anlaß nicht besonders hervorhob. Die hiesige Gemeinde ferner, mag sie auch der tatsächlichen Ausübung unserer hl. Religionsgesetze zum größten Theile nachstehen, wie das ja leider eine allgemeine traurige Erscheinung in unserer vom Materialismus beherrschten Zeit ist, hegt dennoch die größte Pietät gegen einen frommen Rabbincn, wie überhaupt gegen gründliche Talmudkenntniß und hat dieses in unverkennbarer Weise mehrmals bei Gelegenheit der Rabbinerwahl gezeigt. Wenn hier seltener als vielleicht anderswo Vorkommen, so fehlen sie doch nicht ganz und gar, wovon ich mich in der jüngsten Zeit selbst überzeugen konnte. Daß sich aber auch Herr Dr. Rahmer seines hohen und heiligen Berufes als Rabbiner 'min p’inrP njffip may Tinn^ 'ffnpn vollkommen bewußt ist,

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