Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-05-22 · Heft 21 (22.5.1867) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 21 (22.5.1867)
Date
1867-05-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447312--05158-2460650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

352 nahm und sich mit der ganzen Familie taufen ließ, um sich und seine Fensterscheiben unter den Schutz des Taufbeckens zu stellen. I. L. Voskowr'tz, der ihm folgte, war ein nicht wärmerer Freund des Judenthums und der ung. Juden. Ihm dankten die Letzteren, daß die ursprünglich der Pesther Gemeinde aufgelegte Strafcontribution von einer Million der gesammt ung. Judenheit aufgelegt wurde, die erst später durch die Gnade des Kaisers in einen isr. Schulfond umgewandelt wurde. Wir kommen auf die Kämpfe über Verwendung des Schulfonds, über das Herandrängen als Vertrauenspersonen im Vereine mit einigen zumeist gar nicht gekannten und unfähigen Männern, von deren Gesinnung man für die vertretenen, verderblichen Tendenzen nichts zu fürchten hatte u. f. w. ein anderesmal zu sprechen; erinnern nur noch, wie Herr Dr. Meisel, ttadjbem er sich in seiner Denkschüft an den Grafen Pölfy grandios lächerlich gemacht und wie er früher als Präses der Rumpfoeesammlung hinter dem Rücken derselben mit dem Gr. Karoly wegen der Emancipation auf Basis der einen Schüssel rc. verhandelte. — Im Jahre 1864 war der Einstuß des Vorstehers, Herrn Schosberger, bei der damaligen Statthalterei vorwiegend. Er, im Bunde mit noch einigen Wenigen veranlaßte die Einberufung einer Commission zur Ausarbeitung eines Elaborates. Die osficiellen Ung. Nachrichten vom 12. Februar jenes Jahres überraschten die ung, Gemeinden mit der Nachricht, daß einem Erlaße der hohen Regierung zufolge am 30. März eine Commission von israel. Vertrauensmännern bei der Landesregierung zusammentreten werde, um über die Verwendung des Schulfonds, insbesondere über die Errichtung einer Rabbinerschule, über den Modus der jüdischen Schulcontrolle und über die Verwendung der Ueberschüsse u. s. w. Berathung zu pflegen. — Als Vertrauensmänner wurden einberufen vom industriellen Stande: die Herren H. v. Dchoßberger und C. L. Posner aus Pesch, Pappenheimer aus Preßburg, Geiringer (?) aus Stampfen, Singer (?) aus Totis. Dr. Deutsch und Kann aus Debrezin, Wieser (?) aus Szanto (?). Grünebaum aus Temesvür (?); aus dem Nabbinate: die H. H. Steinhard aus Arad, Brüll aus Pefth, Hirsch aus Altofen *). — Es liegt auf der Hand, daß die Auswahl der Vertrauensmänner eine Willkürlichkeit sondergleichen, eine der unberechtigsten, nicht zu entschuldigenden Beeinflussung einer *) Bis zum Zen ithpunkt des Lächerlichen steigt diese Versammlungskomödie, wenn man in den Zeitschriften f-ner Zeit gelesen, dast das geistliche Oberhaupt derjenigen Gemeinde, von welcher der erste Anstotz zum Ganzen gegeben, das; Herr Oberrabbiner Dr. Meisel anfänglich ganz übergangen wurde und man ihn erst viel später im Laufe der Verhandlung als „Industriellen" beizog, uud wie man erst spät den Herrn Kain fand, an dessen Stelle man seinen getauften Bruder irrthümlich zur Kreirung eines Rabbinerseminars emberusen'. I — I hohen Landesstelle war. Wir kommen auch auf diej ses Kapitel ausführlich zurück. Wenn nun aus dem Vorhergesagtem meine anfangs ausgestellte Beschuldigung zur Genüge begründet ist so wollen wir uns an die Besprechung des Memorandums, des jüngsten Productes des Pesther Gemeinde-Vorstandes, wahr und offen, im Interesse der ungar. Judenheit machen. Herr Länyi hat als Privatperson unbestreitbar das Recht auf den Namen eines Ehrenmannes. Sein Eifer für das specielle Wohl der Pesther Isr. Gemeinde dürfte wahrscheinlich auch unantastbar sein. Er betrachtet es aber als eine traditionell überkommene Pflicht, womöglich eine Präponderanz über die ung. Gemeinden zu erringen, als eine Ehrensache, die religiöse Richtung und Tendenz feiner Gemeinde im engern Sinn zum Muster für das ganze Land zu machen, und den Pesther Vorstand zu einem Kirchenrath ä 1a Württemberg oder Consistorium a la Paris zu verwandeln. — Haben wir nun die heiligste Aufgabe, ihm das Gelingen dieses Planes überhaupt unmöglich zu machen, so liegt uns noch besonders die Pflicht ob, über die Mittel, deren er sich bedient, über die Art und Weise seines Vorgehens das verdammendfte Urtheil auszusprechen und mit ' allen Kräften einzustehen für die Wahrung unserer! religiösen Freiheit, für die Wahrung unserer Religion. ■ — Jede Gemeinde, die etwas mehr für den religiösen; Unterricht der Jugend, die für mojn mm nicht Me i Richtung wie die Pesther rel. Gemeinde walten lassen will, i die fürnaon für -uso -ieg nrutwi tnefyv im ©inne I des y"w zu leisten entschlossen ist, aber auch jene! Gemeinden, die mit der Richtung der Pesther princi-! prell übereinstimmen, sich aber die Freiheit, das köstlichste i Gut der Individuen wie der Gesellschaft wahren wollen,! jede Gemeinde, die, abgesehen von der religiösen j Seite, den Aufschwung und die Unabhängigkeit ih-! res Gemeindelebens anstrebt, die sich keine Paragra-! phen-Fesfeln anlegen lassen will, die als Jndividuali- ■ tät die freie Entwickelung ihrer Kräfte pflegen, schützen! und schirmen will, wird dieser Versammlung ferne dlei-; den, oder sie nur, mit einem Proteste gegen die anj gedeutete Richtung zu wirken, beschicken. — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Norddeutschland. (Aus einem Privatbriefe.) Den Sabbat, welcher auf den 4. Mai fiel, verbrachte ich zu Frankfurt a. M.; ich besuchte natürlich die Synagoge der israel. Religionsgesellschaft, wo der Gottesdienst sehr erhebend und anregend

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.