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Der Israelit · 1867-05-22 · Heft 21 (22.5.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 21 (22.5.1867)
Date
1867-05-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 21 des Israelit. Leitender Artikel. Die Vorgänge in Ungarn. n. Die israelitischen Gemeinden Ungarns sind am Festtage der geistigen und leiblichen Freiheit nnn uhpöj mit einer Bescheerung des Pesther Vorstandes überrascht worden, die für den Verständigen nichts weniger als erfreulich sein kann. Es hat der Vorstand der Pesther Religionsgemeinde ein Memorandum an Seine Excellenz den Herrn Cultus-Minister eingereicht und auf Grund der dort angedeutelen Thatsachen die dringende Nothwendigkeit zur Einberufung einer Landesversammlung eruirt und auch die Erlaubniß von dem Herrn Cultusminister erhalten , sämmtliche Gemeinden Ungarns zur Beralhung einzuladen. — Wer Augen hat, der sieht, daß schon lange nicht ein so schnödes Schriftstück in jüdischen Gemeindeangelegenheiten die Presie verlaßen wie dieses Memorandum, das in der Morgenröthe der Landesfreiheit, der jüdischerseits erhofften Emancipation, wie ein dunkles Gewölke den Horizont trübend, von dem Vorstande der größten israel. Gemeinde des Landes zur Publication gelangte. — Doch hoffen wir zu dem Allmächtigen, — b'zb Dbim-n , D’snyn Pd ppo nriy rinn1? iny n« N’yiDn ’m« daß die israel. Gemeinden Ungarns gewarnt durch den Pesther Vorstand selbst, der unklug genug seine Intentionen zu früh unverholen darlegte, der Gefahr entgehen werden, die ihnen von der Vertretung der ersten d. h. zahlreichsten Gemeinde des Landes drohet; ja wir hoffen, daß der ehrs. Vorstand der Pesther Gemeinde selbst zur Einsicht gelangen werde, daß er seine dem Judenthume so gefährlichen Tendenzen, die nie praktisch verwirklicht werden, selbst verleugnen und von sernern tückischen Verfolgungen und Verleumdungen abstehen werde. — Bevor wir auf das merkwürdige Schriftstück näher eingehen, müffen wir die Thatsache constatiren, daß seit drei Decennien die leitenden Männer der Pesther isr. Gemeinde es darauf abgesehen haben, eine Präponderanz über die Schwestergemeinden des Landes, über die Juden Ungarns überhaupt, auf welche Weise immer zu erringen. Sie haben aber den Kampf nicht mit ehrlichen .Waffen des Geistes geführt, sondern vorzüglich nur ihre Stellung als die zahlreichste, materiell weit überlegene, als die den höchsten Centralbehörden nahestehende Gemeinde, mißbrauchen wollen, um die anderen, besonders die religiösgesinnten Gemeinden des Landes zu bevormunden, — und besonders seitdem durch die glückliche Entwickelung des Handels, so wie der zahlreichen Ansiedlung der I Israeliten Ungarns in Pesth, der Schwerpunkt des Landes dorthin verlegt wurde, hatte diese Gemeinde die Ambition, alle übrigen zu beherrschen und nach eignem Ermessen zu leiten. Die ehemalige Vorstände in Preßburg und Allofen, von welchen besonders die ersteren die größten Verdienste um das Land hatten, L'2'pri wie -lynysEjr? t£n*n crrcN /_i unyo '-i 2c. wollten nie ihren, durch große Mühe und Kosten gewonnenen mächtigen persönlichen Einfluß, trotzdem ihnen auch die geistige Präponderanz, der Glanz der alles überragenden überwältigenden Preßburger Jeschiba zur Seite stand, zur Ausbeute ehrgeiziger Bestrebungen benützen. — Ihre reinen Absichten ließen keinen verwerflichen Ehrgeiz aufkommen. — Als die frommen D,Dj->r abgelöst wurden durch die neologischen Vertreter, die Hrn. Ullmann, Kumwalder, I. L. Boskowitz, da schwand der religiöse Funke aus dem Centralpunkt der jüdischen Landesvertretung und wir hatten bei diesem nutzlosen Ausflackern des Strohfeuers stets Wache zn halten, daß es nicht zum verheerenden Brande werde. Es ist bereits in dielen Blättern Erwähnung geschehen, wie im Jahre 1846 der Vorstand der Pesther Gemeinde im Bunde mit dem zum größten Theil ganz unfähigen Landes-Comitö, bestehend aus Rohproductenhändlern, das Judenthum verschachern wollte, wie man ein Religionsbüchlein, das mit der ungarischen Uebersetzung nicht mehr als 19 Seiten in klein Oktav faßte, und das ostensibel zur Wiederholung für Gewerbslehrlinge echt kaufmännisch auf sehr kurze Lieferungszeit fabricirt wurde, „als Grund- > läge zur moralischen Bildung der israel. Jugend im j ganzen Lande anzuwenden, es auch Rabbinen und j Volkslehrern zum Unterricht, zur Anwendung bei > Predigten, Trauungen, Confirmationen und derlei Gelegenheiten" besonders zu empfehlen, und „die in diesem so schön und umfassend ausgearbeiteten Werke ausgesprochenen Lehren, Ansichten und Grundsätze als „unsere oovtessio fidei" ausgeben wollte; so wurde das strafbarste Spiel mit den heiligsten Interessen der Religion getrieben. — Den meisten Juden in Ungarn ist es noch in lebendigster Erinnerung, wie Herr Kunewalder, seinerzeit Vorsteher in Pesth und eo ipso Präses der jüd. Landesvertretung sich als jüdischer Patriot gerirte, in seinen Cirkulären an die Gemeinden von Hingebung für das Judenthum, für den Glau-! ben der Väter rc. überströmte, bei der ersten Gefahr,! daß die aufgeregten Volksmaffen im Jahre 1848 als Jude ihm die Fenstcr einschlagen könnten, „Reißaus"

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