Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1867)
- Date
- 1867-05-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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350 imng; Verwalter und Aufseher hatten nach Belieben gewirthschaftet, die armen, eingeborenen Sclaven mißhandelt und Unterschleife und Betrügereien in Menge begangen. Ton Jsak entließ das ganze Personal und ersetzte die gewissenlosen Beamten durch andere, zuverlässige. Die entlassenen Verwalter und Ausseher, die schon gefürchtet hatten, der strafenden Gerechtigkeit übergeben zu werden, entfernten sich eilig, ihren Raub in Sicherheit zu bringen; nur ein Aufseher, Pietro, ein Spanier, der, was er gestohlen, auch wieder vergeudet hatte, entfernte sich grollend und rachedrohend. Unterdesien hatten sich's Capitän Jan Matthes und seine Matrosen wohl sein laffen; nach Seemann'sweise suchten sie sich aus dem Trockenen zu entschädidigen für die Gefahren, Mühen und Entbehrungen der langen Seereise. Sie hatten sich nach dem höhergelegenen Theile der Insel begeben, wo von den Bergen herab reine Lüfte wehen und wo das Klima ein sehr gesundes ist. Die Freigebigkeit Don Jsak's erlaubte ihnen hier, herrlich und in Freuden zu leben. Die Berge Java's sind größtentheils Vulcane, von denen viele erloschen, viele jedoch noch thätig sind; aus den letzteren dringt Rauch hervor, manchmal auch heißes Wasser oder Schwefeldämpfe. Da eigentliche Eruptionen äußerst selten sind, so ist man an diesen Anblick gewöhnt und überläßt sich sorglos dem frohesten Lebensgenüsse. Am Fuße eines solchen Vulcans wurde ein ländliches Fest gefeiert, in einem Dorfe, besten Bewohner sämmtlich holländische Colonisten waren. Ein Vetter des Capitäns wohnte in diesen Dorfe und hatte die ganze Bemannung der Sperfmza zum Feste geladen. Jan Matthes und die Seinen waren seelenvergnügt. Die Regenzeit war eben vorüber, und es herrschte eine warme, doch noch nicht heiße Temperatur. Am Abend war Alles auf die Wiese vor das Dorf gezogen; einige Bewohner des Dorfes, zu denen sich noch einige musikkundige Matrosen gesellten, spielten zum Tanze, das junge Volk tanzte und jubelirte — es war ein heiteres Lebensbild. Auf einer Anhöhe saß unter einer Platane Jan Matthes mit einigen älteren Leuten und erzählte von seinen vielen Seefahrten. Plötzlich verbreitete sich ein Lichtschein über die ganze Gegend; der Berg in nächster Nähe stand in Hellen Flammen. „Flieht Leute, flieht," rief der wackere Capitän, „der Vulcan wirft aus!" Alles stürzte erschreckt herbei; allein die Colonisten beruhigten die Fremden, indem sie versicherten, daß solche Erscheinungen häufig vorkämen und durchaus nichts Gefahrdrohendes hätten; der Berg brenne eine Zeit lang und erlösche dann in sich selber. Jan Matthes schüttelte zwar den Kopf, erklärte aber, das Vergnügen nicht stören zu wollen; er für seine Person habe nicht für sich allein zu sorgen, er habe die Verantwortlichkeit übernommen, seinen jungen Herrn wieder zurückzuführen; er werde daher sich sofort entfernen und rathe Jedem, dem sein Leben lieb sei, ein Gleiches zu thun. Die Colonisten widersprachen lebhaft. „Da hätten wir viel zu thun," sagten sie, „nunn wir bei jedem Leuchten des Berges entfliehen wollten. Viele von uns sind hier geboren; weder wir noch unsere Väter haben jemals etwas gefürchtet oder zu fürchten gehabt. Hätten unsere Väter sich wohl hier angesiedelt, wenn sie stets für Leben und Habe hätten besorgt sein müssen?" Jan Matthes schwieg, und die Uebrigen nahmen den unterbrochenen Tanz wieder auf; der Capitän aber bat seinen Vetter, ihm ein Pferd zu leihen, und kein Ueberreden vermochte ihn zum Dableiben zu bewegen. „Ich muß meinen jungen Herrn wieder nach Hause fahren!" war Alles, was er den Bitten seiner Freunde entgegensetzte. Einsam ritt Jan Matthes durch die stille Nacht, die der brennende Berg weithin erleuchtete. Gegen zwei Uhr Morgens hatte sein Pferd die höchste dem brennenden Vulcane gegenüberliegende Gebirgskette erklommen; hier macht der Capitän Halt, um ein wenig zu ruhen. Da erschütterte ein furchtbarer Schlag die Lust und den Erdboden; zugleich wurde es ganz finster. In entsetzlicher Angst wartete Jan Matthes den Morgen ab. Als die Sonne die Gegend erhellte, bot sich dem Capitän ein furchtbarer Anblick dar; der brennende Berg war zMammengestürzt und hatte ringsum das Land verschüttet. Die gestern noch so lachende, blühende Gegend glich einem ungeheuren Schutthaufen. Spätere Nachforschungen ergaben, daß vierzig Dörfer und 2957 Menschen verschüttet worden waren, unter ihnen die sämmtliche Mannschaft des holländischen Kauffahrers Speranza. Trauernd kehrte Jan Matthes zu seinem Herrn zurück; tief bekümmert vernahm dieser die Schreckenskunde; er ließ sich vom Capitän ein genaues Verzeichniß all der verunglückten Seemänner geben, um daheim ihren Angehörigen eine Pension zukommen zu lasten; ihnen selbst ließ er in der Nähe des Unglücksortes ein Monument setzen, das noch heute dem Beschauer die Namen der Offiziere und Matrosen der Speranza nennt; das war Alles, was für die Bedauernswerthen geschehen konnte. Unterdessen waren die Geschäfte Don Jsak's beendet, und er beauftragte Jan Matthes, neue Mannschaft zu werben und Alles zur Heimfahrt herzurichten. (Fortsetzung folgt). Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. GottSleben in Mainz.