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Der Israelit · 1867-05-22 · Heft 21 (22.5.1867) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 21 (22.5.1867)
Date
1867-05-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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349 Bräutigam, welcher aus einem mit weißer Leinwand überzogenen Kanapee saß, sprach mit Diesem und Jenem. Nach den Klängen einer Schellentrommel und anderer Instrumente sangen eigens zu diesem Feste dazu bestellten Leute dem europäischen Ohre mehr oder minder angenehme Lieder, welche aber die Gesellschaft belustigten. Hierauf ließen andere indische Musiker und Sänger ihre Talente hören und hielten ihre Zuhörer während einiger Stunden in fortwährender Aufmerksamkeit. Nach Verlauf einer gewissen Zeit, die man in Freude verbracht zu nennen pflegt, überreichten die nächsten Verwandten dem Bräutigam unter dem Scheine zweier iechstheiligen Wachskerzen den „weääipatta“ ein aus Baumblättern bereiteter Teig, welcher die Eigenschaft hat, daß er, nachdem er ungefähr eine halbe Stunde auf der rechten Hand gelegen, ihr eine röthliche Farbe verleiht, welche das erste Zeichen der Verlobung ist. Sobald die Verwandten diesen Teig weggenommen und seine Hand mit einem seidenen Foulardtuch, einem Geschenke der Braut, umgeben ist, wird der Gesang immer lauter und die Frauen stoßen ein Freudengeschrei aus, indem sie zugleich Bonbons auf den Kopf des Bräutigams werfen, der sich aber aus Furcht geblendet zu werden, diesen Freudenbezeugungen zu entziehen sucht- Verschiedene Arten Obst und Kuchen wurden nach dieser Ceremonie dargereicht. Nun ging ich in das Haus der Braut, wo, nach dem Gebrauche, die Männer an diesem Abend keinen Zutritt haben. Von einer Ecke des Saales aus, wohin ich mich zurückgezogen, sah ich in Gegenwart der ganzen Versammlung, die Braut, welche auf einem gewöhnlichen Stuhl vor einer großen und dicken angezündenten Wachskerze saß. Sie darf den ganzen Abend keinerlei Bewegung machen und kein einziges Wort aussprechen. Da ihre Stellung eine ermüdende ist, so ist es ihr gestaltet, sich nach einem der anstoßenden Zimmer zu begeben, um daselbst auszuruhen. Hier singen oder vielmehr schreien die Frauen unter Trommelschlag und Händeklatschen im Chor, von Zeit zu Zeit „stookah“ rauchend, welchen sie sich einander reichen. Obst und Kuchen werden auch hier herumgereicht. An diesem Abend dürfen sich Bräutigam und Braut nicht sehen. Des andern Tages ist die Hochzeit. Um 4 Uhr ungefähr, bevor der Tag sich neigt, kommt der die Trauung vorzunehmende Beamte in das Haus des Bräutigams, woselbst sich noch eine größere Menschenmenge als am vorhergegangenen Abend befindet. Der Bräutigam, mit einem seidenen, golddurchstickten Rock, einem Kaschmir-Turban von übermäßiger Größe und einem breiten Kaschmir-Gürtel bekleidet, steht in der Mitte zwischen seinen beiden Brüdern, seinen nächsten Verwandten, da er sowohl als auch die Braut Waise« sind. Sie gehen aus dem Hauke begleitet von der ganzen Gesellschaft, welche dm Bräutigam unter dem Scheine zweier brennenden Wachskerzen in die Wohnung der Braut führt. In diesem letzteren Hause war eine große Anzahl Frauen, die mit von Gold funkelnden Kostümen bekleidet waren, versammelt. Die Braut, welche auf einem sehr hohen Sessel saß, von wo aus sie die ganze Gesellschaft überschauen konnte, hatte einen mit Gold durchstickten Rosa -Moufielin- Schleier an, der ihren ganzen Körper bedeckte. Wie am Vorabend durfte sie keinerlei Bewegung machen. Bei der Ankunft des Bräutigams ließ man ihn in der Mitte zwischen seinen zwei Brüdern Platz nehmen, den Rücken seiner Braut zugewendet, und der Beamte begann mit den „Keduschin.*' Als der Bräutigam von dem Weine ein wenig getrunken hatte, wurde der Becher der Braut gereicht, die aber kaum den Schleier öffnete, um so wenig als möglich trinkm zu können. Hierauf gab der Bräutigam dem Beamten ein Stück Gold, Silber und Kupfer, welche er in einem Taschenluche eingebunden hatte, und die dieser wie üblich der Braut überreichte. Dann folgten die übrigen Ceremonien, und zum Schluß der Feier fand ein großes Gastmahl statt. Feuilleton. Ke Minto von Amsterdam. (Fortsetzung.) III. Jan Matthes, der Capitän des de Pinto'schen Schiffes „8peraQ28," stand seit drei Jahrzehnten im Dienste des jüdischen Rheders und hatte nicht allein mit großem Geschick, sondern auch mit seltenem Glücke deffen Schiffe durch alle Meere geführt. Jan Matthes betrachtete es als eine besondere Ehre, den Sohn seines Herrn an Bord zu haben, und bot Alles auf, damit die Fahrt schnell und sicher von Statten gehe. Nach einer raschen und glücklichen Fahrt kam die oftindische Küste in Sicht. Ostindien ist das wundervollste Lande der Erde, und Java ist die reichste und schönste aller ostindischen Inseln; die Besitzungen de Pinto's waren groß und ergiebig, namentlich lieferten die Gewürz- und Fardepflanzen einen bedeutenden Ertrag. Da de Pinto zu den ersten Grundbesitzern des Landes gehörte, so wurde Don Jsak mit der größten Auszeichnung empfangen; der Gouverneur selbst besuchte ihn in seinem Hotel in Batavia und stellte sich ihm zur Verfügung. Don Jsak ließ sich eine Ehrenwache geben und suchte in deren Begleitung seine Besitzungen auf. Hier fand er Alles in der größten Unord-

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